Franklin-Templeton-Strategen im Gespräch „Wir sind von den Schwellenländern begeistert“

Im Gespräch mit den Franklin-Templeton-Strategen (v.l.): Edward D. Perks (Multi-Asset), Stephen H. Dover (Head of Equities) und Michael Hasenstab (Global Macro, v.l.). Nicht im Bild: Katie Klingensmith, Director bei Franklin Templeton Investments und Christopher J. Molumphy, Franklin Templeton Fixed Income Group | © Franklin Templeton

Im Gespräch mit den Franklin-Templeton-Strategen (v.l.): Edward D. Perks (Multi-Asset), Stephen H. Dover (Head of Equities) und Michael Hasenstab (Global Macro, v.l.). Nicht im Bild: Katie Klingensmith, Director bei Franklin Templeton Investments und Christopher J. Molumphy, Franklin Templeton Fixed Income Group Foto: Franklin Templeton

Katie Klingensmith: Die globalen Märkte haben die Zentralbanken nach wie vor genau im Blick. Welche Signale senden die verschiedenen Zentralbanken weltweit derzeit?

Michael Hasenstab: Die Fed wird die erste Zentralbank sein, die der quantitativen Lockerung ein Ende setzt. Europa dürfte diesem Beispiel früher oder später folgen. Japan ist noch nicht in einer Position, in der die Abkehr von der lockeren Geldpolitik in Frage kommt.

Die Fed musste nie zuvor eine so große Menge an Vermögenswerten abstoßen, um ihre Bilanz zu kürzen. Dass dies ohne Erschütterungen abläuft, ist theoretisch möglich, erscheint in der Praxis jedoch recht unwahrscheinlich. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

Christopher J. Molumphy: Den Zentralbankern steht eine nicht zu unterschätzende Aufgabe bevor. Die Fed hat mit einer Bilanz von weniger als einer Billion US-Dollar angefangen. Inzwischen sind daraus stolze 4,5 Billionen geworden. Sie hat also gut zu tun, um diese Bilanz zu verkürzen. Der Fed ist es in letzter Zeit recht gut gelungen, ihre Absichten im Voraus zu signalisieren. Aber es kann viel schief gehen.

Edward D. Perks: Relevant ist auch: Die Amtszeit der Fed-Chefin Janet Yellen endet Anfang 2018. Sollte Yellen nicht länger im Amt bleiben, werden sich die Märkte verstärkt auf die mögliche Route ihres Nachfolgers konzentrieren.

Hasenstab: Es könnte von Vorteil sein, jemanden von der Marktseite an der Spitze der Fed zu haben. Aber zurück zur US-Geldpolitik. Ich bin überzeugt, dass die Zinsen steigen müssen. In den USA herrscht Vollbeschäftigung, das Wirtschaftswachstum liegt am oder über dem Potenzial, und die Produktionslücke ist geschlossen. Inflation zeichnet sich bisher noch nicht ab, aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit, weil es sich dabei um einen nachlaufenden Indikator handelt.

Wie sollten Anleger die sich aus der Fed-Politik ergebenden Chancen und Risiken bewerten?

Molumphy: Wir haben einen eher mittel- bis langfristigen Anlagehorizont. Deshalb versuchen wir, uns einen Teil der kurzfristigen Volatilität zunutze zu machen, sobald sich potenzielle Kaufgelegenheiten ergeben.

Wir schätzen die Konjunkturlage weltweit und insbesondere in den USA positiv ein. Die US-Wirtschaft hat zuletzt ein Wachstum von etwa 2 Prozent pro Jahr gezeigt. Nicht überwältigend, aus der Sicht eines Rentenanlegers jedoch ordentlich. Zumindest kurzfristig sehen wir ein relativ günstiges Umfeld für Unternehmen. Auch der Konsumsektor scheint in guter Verfassung zu sein.

Unser Schwerpunkt liegt auf Anlageklassen wie Unternehmensanleihen. Wir sehen hier sowie bei Mortgage Backed Securities weiterhin Chancen, bleiben aber diversifiziert, da sich an den Rentenmärkten derzeit kaum günstige Sektoren finden.

Hasenstab: Sobald sich bei den Zinsen in den USA eine Normalisierung einstellt, sollten höhere US-Zinsen in Kombination mit stabilen Zinssätzen in Japan oder Europa den US-Dollar – zumindest vorübergehend – stärken. Abgesehen von der Zinsdifferenz stehen Euro und Yen noch vor zahlreichen weiteren Hürden.

In den Schwellenländern dürfte die Situation anders aussehen, da viele dieser Länder enorme Renditevorteile gegenüber den USA aufweisen. Manche Länder, in denen die Anleiherenditen sehr niedrig sind, könnten gegenüber einer Zinsanhebung in den USA anfälliger sein. Daher rechne ich mit einer stärkeren Polarisierung bei den Schwellenmarkt-Währungen.