Michael Hasenstab zur US-Geldpolitik Der lange Weg der Fed zur Bilanzverkürzung

US-Präsident Donald Trump stellt den neuen Fed-Chef Jerome Powell (l.) vor: Die US-Notenbank steht vor schwierigen Aufgaben  | © Getty Images

US-Präsident Donald Trump stellt den neuen Fed-Chef Jerome Powell (l.) vor: Die US-Notenbank steht vor schwierigen Aufgaben Foto: Getty Images

Die US-Notenbank Fed plant, ihre Bilanz allmählich zu kürzen. Diese ist mit Anleihen im Gesamtwert von 4,5 Billionen US-Dollar (3,8 Billionen Euro) in den Büchern mehr als vier Mal so groß ist wie vor der weltweiten Finanzkrise. Viele Anleger erwarten, dass der Umkehrprozess, wenn überhaupt, nur geringe Auswirkungen auf die Märkte haben wird.

Drei Faktoren wirken auf Anleiherenditen ein

Wir teilen diese Meinung nicht. Drei Faktoren dürften das Potenzial haben, die Anleiherenditen zu erhöhen. Wenigstens einer dieser Faktoren dürfte zum Tragen kommen.

Erstens: Die Fed reduziert ihre Käufe, während gleichzeitig das US-Finanzministerium sein Anleihen-Angebot zur Finanzierung des anhaltenden Haushaltsdefizits vergrößert. Folglich müssen neue Käufer einspringen, um den Markt für US-Schatzanleihen im Gleichgewicht zu halten. Unserer Analyse zufolge werden diese Last in unverhältnismäßiger Weise inländische, preisempfindliche Käufer wie Banken, Investmentfonds, Pensionsfonds und Unternehmen schultern. Für die Steigerung der Nachfrage dieser Käufer müssen die Preise für US-Schatzanleihen fallen und die Renditen steigen.

Da zweitens die Fed ihre Bilanz allmählich abbauen will, werden die Überschussreserven der US-Banken in den kommenden Jahren äußerst hoch bleiben. Eine gefestigte und anziehende Konjunkturerholung wird den Banken verstärkt Anreize für eine Erhöhung der Kreditversorgung geben. Dies umso mehr, als die Finanzregulierung in den USA im kommenden Jahr gelockert werden dürfte. Angesichts des stärkeren weltweiten Wachstums und der größeren Zuversicht dürfte die Kreditnachfrage ebenfalls zulegen. Damit steigt das Risiko einer unerwartet hohen Beschleunigung der Kreditvergabe, die das Wachstum weiter anfachen und die Inflation steigern könnte.

Drittens dürften Lohn- und Preisdruck nicht noch länger gedämpft bleiben, da die US-Wirtschaft weiterhin wächst und die Weltwirtschaft mitzieht. Wir sind von den Argumenten, die Phillips-Kurven für Löhne und Preise hätten sich dauerhaft abgeflacht, nicht überzeugt. Zudem haben sowohl der Lohn- als auch der Preistrend eine starke globale Komponente – womit die Inflationstrends in der Weltwirtschaft stärker werden dürften.

Anzunehmen, dass keiner dieser drei Faktoren zum Tragen kommt, halten wir für unklug. Da die Fed ihre Bilanz abbaut, sollten wir uns nicht fragen, ob die Renditen steigen werden, sondern um wie viel schneller und höher, als der Markt es erwartet.