Viel Prozessoptimierung, kaum Innovation Finanzdienstleister sind Vorreiter bei Künstlicher Intelligenz

Matthias Zacher von IDC: „Unternehmen in Deutschland werden in Sachen KI mittelfristig zu ihren europäischen Peers aufschließen“.  | © IDC

Matthias Zacher von IDC: „Unternehmen in Deutschland werden in Sachen KI mittelfristig zu ihren europäischen Peers aufschließen“. Foto: IDC

Künstliche Intelligenz findet langsam aber sicher ihren Weg in deutsche Unternehmen. Branchenübergreifend herrscht an dem Thema großes Interesse, allerdings kommt KI noch nicht in allen Industriezweigen gleichermaßen zum Einsatz: Vorreiter ist neben Versorgern und Telekommunikationsunternehmen auch die Finanzbranche.

Das zeigt eine Umfrage des Beratungsunternehmens International Data Corporation (IDC). Demnach planen 88 Prozent der befragten Unternehmen die Umsetzung eines neuen KI-Projekts in den kommenden zwölf Monaten, vor einem Jahr waren es lediglich 69 Prozent. 41 Prozent der befragten Unternehmen haben bis dato KI-Projekte umgesetzt – 2018 waren dies nur 27 Prozent.

Die drei am häufigsten genannten Ziele des Einsatzes von KI sind die Automatisierung von IT-Prozessen (34 Prozent), die Automatisierung von Sales- und Marketingprozessen (31 Prozent) sowie die Optimierung des Personaleinsatzes (30 Prozent). Am häufigsten nutzen die befragten Organisationen Texterkennung (57 Prozent), Spracherkennung (47 Prozent), Bilderkennung/Bild-Klassifikation (43 Prozent), überwachtes Lernen (42 Prozent) sowie Extraktion von Wissen (41 Prozent).

Cloudbasierte KI-Services sind für 60 Prozent der befragten IT-Entscheider dabei die bevorzugte Bereitstellungsform. Die Unternehmen nutzen sowohl KI-Services und KI-Lösungen Dritter, entwickeln aber zugleich eigene Algorithmen. In diesem Zusammenhang ist für 42 Prozent der IT-Entscheider Open Source eine Option zur Entwicklung eigener KI-Services.

Der Blick auf andere westeuropäische Länder zeige, dass Deutschland derzeit vielfältige Maßnahmen ergreift, um zu anderen Ländern wie Großbritannien oder den skandinavischen Ländern aufzuschließen, so die Studienautoren. Das werde sicherlich nicht von heute auf morgen gelingen, aber der Abstand zu den genannten Staaten wird sich nach Überzeugung von IDC verringern.

„Unternehmen in Deutschland werden in Sachen KI mittelfristig zu ihren europäischen Peers aufschließen“, sagt Matthias Zacher, Manager Research und Consulting bei IDC und Projektleiter der Studie. „Unsere Prognosen zeigen, dass KI-Software bis 2022 hierzulande jährlich durchschnittlich um 57 Prozent wächst und damit deutlich über dem westeuropäischen Wachstum von 49 Prozent liegt.“

Grundlegende Probleme

Wenig überraschend: Die meisten Unternehmen nutzen das Potenzial von KI noch nicht umfassend. Einerseits betonen 60 Prozent, dass eine digitale Transformation ohne Künstliche Intelligenz nicht erfolgreich sein wird, andererseits nennen lediglich 30 Prozent Innovation als eines der drei wichtigsten Ziele. Künstliche Intelligenz wird also offenbar vorrangig zur Prozessoptimierung eingesetzt. Hier sieht IDC vor allem die Anbieter in der Pflicht, die Chancen und Möglichkeiten besser zu kommunizieren.

Die Studie zeigt aber auch: Fehlende Fachkräfte bremsen KI-Aktivitäten in vielen Unternehmen aus. 38 Prozent der Firmen gaben den Mangel an Experten als die größte Hürde für die Umsetzung von Projekten an. Sie können ihren Bedarf an KI-Spezialisten weiterhin nicht ausreichend decken. IDC geht davon aus, dass sich die Situation kurzfristig auch nicht entspannen wird, faktisch habe sich seit der letzten Bestandsaufnahme nicht viel getan, hieß es.


Über die Studie:

IDC hat im April 2019 in Deutschland IT- und Fachentscheider aus 305 Organisationen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt. Für die Studie wurden ausschließlich Unternehmen berücksichtigt, die Künstliche Intelligenz evaluieren, pilotieren oder einsetzen.