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Nachhaltigkeit im Depot Warum das „S“ aus ESG wichtiger wird

Aktivistin vor dem Bundestag in Berlin: In Unternehmen setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, wie wichtig ein ausgewogenes soziales Miteinander für den gemeinsamen Erfolg ist.

Aktivistin vor dem Bundestag in Berlin: In Unternehmen setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, wie wichtig ein ausgewogenes soziales Miteinander für den gemeinsamen Erfolg ist. Foto: imago images / snapshot

Neben den vielen Schäden, die die Corona-Pandemie verursacht, hat sie ein Gutes: Es zeigt sich, wie wichtig die Belastbarkeit der Unternehmensbilanzen ist und welchen Einfluss ESG-Aspekte an den Märkten haben. So hat die Krise gesellschaftlich relevante Themen wieder in den Vordergrund gerückt. Das gilt vor allem für die wachsende soziale Ungleichheit, aber auch für die Gesundheit und Sicherheit von Mitarbeitern – insbesondere in Branchen mit schlechten Arbeitsbedingungen. Unternehmen, die auf Umweltschutz, soziale Aspekte und eine gute Unternehmensführung Wert legen, punkten auch bei Investoren. Sie zählen zweifellos zu den Gewinnern der Krise.

Franklin Templeton investiert verstärkt in Unternehmen, die nicht allein die Aktionäre in den Vordergrund stellen, sondern ESG-Kriterien auch im Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten beachten. Firmen, die solche Stakeholder-Modelle verfolgen, stehen jedoch unter erheblichem Kostendruck. Das Management sollte daher Dividenden und Aktien-Rückkaufprogramme prüfen und untersuchen, ob das operative Geschäft gefährdet ist. Ob sich ein Unternehmen als widerstandsfähig erweist, entscheiden letztendlich die Stärke der Bilanzen sowie Cashflow und Liquidität.

Nach der Krise dürfte es mehr Geld für Mitarbeiter geben

Viele Fondsmanager orientieren sich bei ihren Investitionen bereits am Wohl der Arbeitnehmer. Vor allem die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter behandeln, darunter Arbeitsverträge und Arbeitnehmerrechte, sind entscheidend.

Die Krise hat gezeigt, wie schnell die „Gig-Economy“, in der Arbeitsaufträge ähnlich wie bei Konzerntauftritten – englisch: Gigs – kurzfristig an Selbstständige, Freiberufler und geringfügig Beschäftigte vergeben werden, wegbrechen kann. Gleiches gilt für Arbeitnehmer in Branchen wie Unterhaltung und Freizeit, die oft freigestellt worden sind. Viele dieser Arbeitskräfte sind finanziell kaum abgesichert und haben nur eingeschränkten Zugang zum Gesundheitssystem.

Wir gehen davon aus, dass Unternehmen im Nachgang der Krise die Rechte ihrer Mitarbeiter jedoch stärken und die Löhne und Gehälter teilweise erhöhen. Die Folge könnten steigende Ausgaben für Unternehmen sein und damit einhergehend weniger freier Cashflow, der an Aktionäre ausgeschüttet wird.

Resilienz entsteht durch die Berücksichtigung von ESG

Viele Unternehmen beginnen,  das „S“ aus ESG in der Krise aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Der globale Kosmetik-Riese L‘Oréal etwa hat zugesagt, kleine und mittlere Zulieferer frühestmöglich zu bezahlen, anstatt, wie es bei anderen Unternehmen üblich ist, die Zahlungen hinauszuzögern. Auch das japanische Internet-Unternehmen GMO Internet hat dem Wohlergehen seiner Mitarbeiter oberste Priorität eingeräumt und alle 4.500 Beschäftigten ins Home Office geschickt – zwei Monate vor der Empfehlung der japanischen Regierung. Ähnlich Apple: Noch vor dem offiziellen Lockdown in den einzelnen Ländern hat der Smartphone-Hersteller seine Filialen geschlossen, um die Mitarbeiter zu schützen.

Die Mehrheit der Anleger geht laut unserer jüngsten Umfrage unter Anlegern in zehn Märkten weltweit davon aus, dass soziale Themen die Umweltproblematik nicht in den Hintergrund drängen. Für immerhin 20 Prozent der befragten Investoren sind soziale Belange jedoch bereits von zunehmender Wichtigkeit. Noch größere Bedeutung gestehen die Befragten dem Aspekt der Unternehmensführung zu: 34 Prozent geben an, dass dieser Aspekt für sie im Fokus steht. Darüber hinaus stehen der effiziente Umgang mit Ressourcen und der daraus resultierende Umweltschutz bei 46 Prozent an vorderster Stelle.

Die Covid-19-Krise hat noch einmal vor Augen geführt, dass Unternehmen, die ökologische und soziale Belange berücksichtigen und über gute Standards der Unternehmensführung verfügen, sich als widerstandsfähiger erweisen und Schocks besser abfedern.