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ESG-Länderanalyse Kanada – unerwarteter Klimasünder

Rodungen in Kanada

Rodungen in Kanada: In der Provinz Ontario wird jährlich eine Fläche von etwa 40.000 Fußballfeldern abgeholzt – siebenmal so viel, wie offiziell angegeben. Foto: IMAGO / All Canada Photos

Seit 2009 analysiert und bewertet Candriam die Nachhaltigkeit von Staaten. Wir haben längst erkannt, dass das Naturkapital endlich und unersetzlich für das Human-, Sozial- oder Wirtschaftskapital ist. Die starke ESG-Gewichtung in unserer Länderanalyse wirkt sich auf das Ranking vieler Staaten aus. Das lässt sich eindrucksvoll anhand der Abholzung von Wäldern veranschaulichen.

Wiederaufforstung – die kostengünstigste Alternative

Innerhalb unseres Bewertungsschemas ist die Abholzung der Wälder eines der 131 Themen, das wir stets überwachen. Denn: Die Kohlenstoffbindung von Bäumen (Fotosynthese) ist noch immer das effektivste Mittel, um den Kohlendioxid-Anteil in der Atmosphäre zu verringern. Den jüngsten Schätzungen einer Studie zufolge könnte die zur Anpflanzung von Bäumen nutzbare Fläche bis zu 25 Prozent des Gases binden – die kostengünstigste Methode, um den Klimawandel zu stoppen.

Damit innovative Technologien einen ähnlichen Wirkungsrad erzielen, müssten diese stets weiterentwickelt und anschließend übernommen werden, was häufig mit hohen Kosten verbunden ist. Selbstverständlich sollte der Übergang zu erneuerbaren Energien vorangetrieben werden. Doch in der Zwischenzeit könnte die Wiederaufforstung eine Möglichkeit sein, um Kohlenstoffdioxid in großem Umfang zu binden.

In Äthiopien, Indien, Irland und in der EU wurden bereits entsprechende Projekte initiiert. Doch mittelfristig sind koordinierte Maßnahmen erforderlich. Zwar schaffen es einmalige Projekte in die Schlagzeilen, doch kurze Zeit später sind die Bemühungen schnell vergessen. Am Beispiel der Türkei zeigt sich, dass eine mangelnde Planung und Ausführung die Wirkung sogar erheblich schmälern kann.

Die Abholzung von Wäldern ist insbesondere in tropischen Regionen zu beobachten, wo die gerodeten Flächen zum Großteil landwirtschaftlich genutzt werden. Viele der Regierungen nehmen wenig Rücksicht auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel oder die Warnungen der Vereinten Nationen (UN). Daran zeigt sich, dass es koordinierte internationale Maßnahmen bedarf, um dem Trend entgegenzuwirken.

Kanada – unerwarteter Klimasünder

Die massive Rodung beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Schwellenländer. Australien, die USA und auch Kanada schneiden nach unseren Maßstäben ebenfalls schlecht ab. Das wiederum widerspricht der gängigen Theorie, dass Länder ökologisch nachhaltiger werden, wenn sie einen gewissen Entwicklungsstand erreicht haben.

Kanada ist nur eines der Beispiele, dass auch Industrieländer die Abholzung ihrer Wälder nicht unter Kontrolle haben und dass die gemeldeten Daten häufig „irreführend“ sind. Die gemeinnützige Wohltätigkeitsorganisation Wildlands League wollte etwas Licht ins Dunkel bringen und hat herausgefunden, dass allein in der kanadischen Provinz Ontario jährlich eine Fläche von etwa 40.000 Fußballfeldern abgeholzt wird – siebenmal so viel, wie offiziell angegeben. Das könnte darauf schließen lassen, dass in den vergangenen 30 Jahren etwa 650.000 Hektar gerodet wurden.

Neben den drei erwähnten Industrieländern schneiden auch andere Länder wie Mexiko, Russland und China in Sachen Umwelt eher schlecht ab. Die Abholzung ist geografisch weit verbreitet – sowohl in Nord- und Lateinamerika als auch in Asien und Australien. Unserer Meinung nach ist die Lage besonders in Indonesien und Brasilien besorgniserregend. Der Rückgang der bewaldeten Fläche auf der Insel Borneo veranschaulicht das sehr gut (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Abholzung von Wäldern in Borneo – Baumbestand im Zeitverlauf

Ohne internationalen Druck ist es jedoch eher unwahrscheinlich, dass sich etwas ändert. Die Maßnahmen vor Ort sollten daher über bloße Umweltvorschriften hinaus gehen. Ein wesentliches Element im Kampf gegen die Rodung ist die Rechtsstaatlichkeit, da ein erheblicher Teil der Holzgewinnung illegal erfolgt. Insbesondere in Brasilien, wo die Regierung ein militärisches Vorgehen gegen illegale Abholzung sowie organisierte Maßnahmen zur Bekämpfung von Waldbränden eingeführt hat, zeigt sich, was internationaler Druck bewirken kann. Es muss allerdings noch viel mehr getan werden. Deshalb haben wir von Candriam im Oktober 2020 die Investors Policy Dialogue on Deforestation unterzeichnet, um uns auch zukünftig und dauerhaft für den Schutz der Wälder einzusetzen.