Fondsanalyse deluxe, Teil 9 Stiltreue Stockpicker

Die Firma Teamviewer, Anbieter von Videokonferenzen, hatte in der Corona-Krise Hochkonjunktur, entsprechend lief der Aktienkurs. Auch im Portfolio des Chom-Fonds. | © imago images/Arnulf Hettrich

Die Firma Teamviewer, Anbieter von Videokonferenzen, hatte in der Corona-Krise Hochkonjunktur, entsprechend lief der Aktienkurs. Auch im Portfolio des Chom-Fonds. Foto: imago images/Arnulf Hettrich

Es ist ein ungewöhnlich warmer Tag im März 2017. Die Temperaturen nähern sich der Marke von 20 Grad. Die Nachrichten drehen sich vor allem um den Wahlsieg der alten und neuen Saar-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer – und die Lehren, die Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD, aus dieser Situation ziehen müsse. Der Dax notiert bei rund 12.000 Punkten.

Vermutlich sind wir aber nicht die einzigen, denen es heute warm werden wird: Wir sind zu zweit auf dem Weg nach Frankfurt, um die Portfoliomanager der Fondsboutique Chom Capital zu sprechen. „Grillen“ nennen das auch manche im Spaß. Als Fondsselekteure von HQ Trust ist es unser Ziel, herauszufinden, ob der Ansatz der Frankfurter hält, was er verspricht: Investments zu finden, die fundamental attraktiv sind und einen positiven Wertbeitrag erwarten lassen. Wir haben uns umfangreich vorbereitet, drei bis vier Stunden sind für das ausführliche Gespräch eingeplant.

Bereits im Vorfeld des Treffens haben wir uns ausführlich mit der Investmentphilosophie des Hauses beschäftigt. Der Name „Chom“ setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der drei Gründer zusammen: Christoph Benner, Oliver Schnatz und Martina Neske arbeiten bereits seit mehr als 25 Jahren zusammen. Die Verantwortlichen von Chom Capital verfolgen einen aktiven Ansatz: Die Portfoliomanager versuchen, durch Stockpicking besser abzuschneiden als der Markt.

Der Fokus, dabei auch auf kleinere und mittelgroße Aktien zu setzen, passt zur Einstellung von HQ Trust: Um kontinuierlich überdurchschnittliche Renditen zu erzielen, genügt es aus unserer Sicht nicht, aus den größten und wichtigsten Unternehmen eines Index auszuwählen.

Abseits des Mainstreams

Daher sind die Unternehmen, die Chom Capital im Fokus hat, auch in aller Regel nicht sehr hoch beziehungsweise prominent in Benchmark-Indizes vertreten. Stattdessen verlassen sich die Portfoliomanager auf eine detaillierte Fundamentalanalyse und ihr Netzwerk zu börsennotierten Unternehmen. Am Ende des Auswahlprozesses besteht das Portfolio aus rund 40 Aktien.

Damit wollen die Gründer eine ausreichende Risikodiversifikation gewährleisten und dennoch fokussiert sein. Das Vertrauen, das Chom Capital in seine Portfoliounternehmen hat, spiegelt sich auch im längerfristigen Anlagehorizont wider. „Die Nachhaltigkeit der Investments ist bei unseren Anlagen eine wesentliche Maxime“, erklärt Benner im Gespräch seinen Ansatz.

Prozess: Da das Investmentteam von Chom Capital relativ klein ist, muss der Investmentprozess auf eine besondere Weise gestaltet sein. Schließlich soll das Team mehr als 7.000 börsennotierte Unternehmen des Aktienuniversums betreuen. Wie soll das möglich sein? „Wir haben den Anlageprozess in drei Schritte unterteilt“, erklärt Benner. Hinzu komme die umfangreiche Erfahrung der beiden Portfoliomanager im europäischen Small- und Midcap-Markt. Diesen Prozess müssen uns die Portfoliomanager genau erklären.

  Quellen: Bloomberg, Chom Capital

Schritt 1: Liquiditäts- und Größenfilter

In einem ersten, rein quantitativen Schritt schließt das Portfoliomanagement Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 100 Millionen Euro sowie Aktien mit einem täglichen Handelsvolumen von weniger als 500.000 Euro aus. Hintergrund: Die beiden Portfoliomanager legen viel Wert auf Liquidität; illiquide Unternehmen sollen bereits in einem frühen Stadium herausgefiltert werden. „Am Ende erfüllen rund 1.500 Unternehmen unsere Liquiditätsanforderungen – unser Anlageuniversum“, sagt Schnatz.