Fondsanalyse deluxe, Teil 5 Big in Japan – Auf der Suche nach stabiler Outperformance

Softbank-Chef Masayoshi Son lässt sich gut gelaunt fotografieren: Die japanische Softbank-Gruppe ist Telekommunikations- und Medienunternehmen, aber auch Beteiligungsfirma (Alibaba), und unter anderem Top-Position im Aktienfonds T.Rowe Price Japanese Equities.  | © KAZUHIRO NOGI/AFP via Getty Images

Softbank-Chef Masayoshi Son lässt sich gut gelaunt fotografieren: Die japanische Softbank-Gruppe ist Telekommunikations- und Medienunternehmen, aber auch Beteiligungsfirma (Alibaba), und unter anderem Top-Position im Aktienfonds T.Rowe Price Japanese Equities. Foto: KAZUHIRO NOGI/AFP via Getty Images

Das Multi-Asset-Team der DWS setzt in ihren Portfolios eine Vielzahl von unterschiedlichen Investmentfonds ein. Bevor wir investieren prüft das Team die Produkte und die jeweilige Anlageklasse vollumfänglich auf Herz und Niere anhand eines strukturierten Prozesses. Ziel ist es, ein tiefes Verständnis von der Struktur der Anlageklasse sowie von der Funktionsweise der analysierten und selektierten Fonds zu erhalten.

Bei letzteren schauen wir uns neben dem Investmentprozess vor allem den erzielten Mehrwert des Fonds im Detail an. Im Folgenden soll das anhand eines Aktienfonds Japan gezeigt werden:

Schritt 1: Die strukturelle Marktanalyse

Bevor wir uns Manager im Detail anschauen, steigen wir in den Helikopter und werfen von oben einen Blick auf die Anlageklasse und auf eine große Zahl von Managern, die in diesem Markt investieren. So gewinnen wir wichtige Einblicke, wie sich aktive Manager in diesem Markt geschlagen haben und welche strukturellen Themen das Marktsegment beherrscht haben.

Für den Bereich der aktiven Manager fokussieren wir uns auf drei Themenblöcke:

  1. Erfolgsquote: Wie viele aktive Manager haben die relevanten Vergleichsindizes übertroffen?Aufgrund des oft großen Universums ist es wichtig, faire Vergleichskennzahlen und -indizes zu nutzen und die Outperformance zu dem genommenen Risiko ins Verhältnis zu setzen.

  2. Outperformance der Top-Manager: Hier konzentrieren wir uns auf die Manager, die in ihrer Vergleichsgruppe am besten abgeschnitten haben. Wie hoch ist die risikoadjustierte Outperformance im Zeitverlauf? Lassen sich Gemeinsamkeiten identifizieren? Gab es strukturelle Themen, die den Markt in der Vergangenheit maßgeblich beeinflusst haben? Mit statistischen Methoden prüfen wir auf Markt-Timing-Effekte und Stil-Einflüsse. Dies gibt uns Einblicke, ob gewisse Themen oder Schwerpunkte strukturell über längere Perioden die Outperformance getrieben haben.

  3. Stabilität: Wie verteilt sich die Outperformance im Zeitverlauf? Unser Ziel ist es, Manager zu identifizieren, die nachhaltig und konsistent Mehrwert liefern. Sicher gibt es immer schlechte Phasen, allerdings sind starke Wertentwicklungsunterschiede in nachfolgenden Perioden oft ein Indiz dafür, dass sich der Manager stark auf einzelne Themen, Sektoren oder Stile konzentriert, oder sehr konzentrierte Wetten eingeht, die zu längeren positiven oder negativen Trends der Wertentwicklung führen.

Die Alternative

Nachdem wir Einblicke in die Anlageklasse über aktive Manager gewonnen haben, widmen wir uns der Alternative, nämlich dem passiven Investieren in die Anlageklasse.

Der Markt der Indizes und ETFs wächst stetig, der Kostenvorteil ist hinlänglich bekannt. Vor der Investition in ein passives Instrument ist jedoch zu beachten, welcher Index genutzt wird und ob dieser die Anlageentscheidung ausreichend widerspiegelt. Unterschiede in der Zusammensetzung von Indizes für das vermeintlich gleiche Marktsegment können deutliche Unterschiede bei der Wertentwicklung nach sich ziehen.

Zum Beispiel gibt es im Anleihenmarkt einige Indizes, die bestimmte Marktsegmente ausschließen, zum Beispiel Anleihen mit geringen Emissionsgrößen. Dieses Marktsegment kann bei der vorhergehenden Analyse und der Entscheidung für die Anlageklasse aber eine wichtige Rolle gespielt haben. Daher ist es ein Teil unseres Prozesses, auch immer zu analysieren, welche passiven Vehikel es gibt, welche Marktabdeckung man damit erreichen kann und ob unter Umständen aktive Manager Zugang zu Marktsegmenten ermöglichen können, die ETFs meist aus Liquiditätsgründen ausschließen.

Wir analysieren mehr als 50 Anlagekategorien und legen damit die Basis, globale Multi-Asset-Portfolios konstruieren zu können. Diese granulare Definition der Anlageklassen erlaubt uns, die Anlage in die angestrebte Anlageklasse klar abzugrenzen, das richtige Vehikel zu wählen und die Alphaquellen eindeutig zu identifizieren.

Wenig im Leben ist schwarz oder weiß. Wir sind der Überzeugung, dass sowohl passive als auch aktive Strategien Mehrwert liefern, wenn die Vehikel in einem strukturierten und sorgfältigen Prozess ausgewählt werden. Dies ist für jede Anlageentscheidung erneut zu betrachten. Bei einer kurzfristigen Anlage ist ein ETF oftmals das Mittel der Wahl. Für die gleiche Anlageklasse kann auch ein aktiver Manager die richtige Wahl sein, wenn er langfristig Mehrwert bietet und mit seiner Expertise Zugang zu interessanten Marktsegmenten hat.

Im Fall des japanischen Aktienmarkts stellen wir fest, dass rund 30 Prozent der Manager in unserem Universum in der Lage waren, einen breiten Index wie den MSCI Japan langfristig zu übertreffen. Bei der Analyse der Top-Manager sehen wir keine Indikation, dass diese nachhaltig durch starke Stil-Einflüsse getrieben sind. Auch die Stabilität der Outperformance stimmt uns zuversichtlich, einen Manager auswählen zu können, der auch künftig eine langfristig stabile Outperformance liefern kann. Mit diesem Wissen gehen wir in den nächsten Schritt, nämlich die Auswahl eines Managers.