Finanz-, Digitalisierungs- und Regulatorik-Krise Das verlorene Jahrzehnt für Finanzdienstleister

Harald Brock ist einer von vier Geschäftsführern des Fin- und Regtechs Investify. | © Investify

Harald Brock ist einer von vier Geschäftsführern des Fin- und Regtechs Investify. Foto: Investify

Aus Fehlern kann man bekanntlich lernen. Das Ziel muss daher gerade jetzt in der Finanzbranche sein, das Lehrgeld der aktuellen Ausnahmesituation zu minimieren und von den Fehlern der Vergangenheit zu profitieren. Das Positive auch heute: Krisen können wie ein bereinigendes Unwetter wirken. Plötzlich sind Dinge und Schritte möglich, die vorher undenkbar waren. Zudem können sich Lösungen beschleunigen. Nur wegducken wird nicht mehr helfen – nicht in unserer digitalisierten Finanzwelt.

Zunächst ein Blick in die Vergangenheit. Oft wird übersehen, dass viele Finanzdienstleister nach der Finanzkrise 2008 schleichend von einer dramatischen Finanzkrise in eine Kombination aus Finanz-, Digitalisierungs- und Regulatorik-Krise gestolpert sind, mit der ganzen analogen regulatorischen Last und den schlechten analogen (Vertriebs-)Prozessen im Gepäck.

Das heißt: Weder gesetzliche Aufgaben noch der Kundenkontakt oder sonstige Prozesse wurden wenigstens soweit digitalisiert, dass sie sich überhaupt noch mit vertretbarem Aufwand bewältigen lassen – geschweige denn, sie wirklich schlank zu gestalten. Wie soll man so am Ende noch ordentliches Geld verdienen? Es ist falsch nur den Aufsehern ein falsches Maß vorzuwerfen. Auch viele Finanzdienstleister haben ein falsches Maß an den Tag gelegt – gerade bei der Digitaliserung.

Auf Fehlersuche

Wie konnte es dazu kommen? Viele Finanzdienstleister haben sich mehr als ein Jahrzehnt lang primär nur mit sich selbst und mit der Umsetzung regulatorischer Vorgaben beschäftigt beziehungsweise beschäftigen können. Zur gleichen Zeit erblickte das iPhone das Licht der Welt und machte die Welt zu einer Anderen. Wachsende Kundenbedürfnisse im Vertrieb und bei den Prozessen wurden von Finanzdienstleistern hingegen oftmals vernachlässigt. Man kann deshalb von einem verlorenen Jahrzehnt sprechen!

Ähnlich sieht es beim Thema Outsourcing aus. Viele strategisch unbedeutende Prozesse blieben zu lange gar nicht oder nur schlecht automatisiert. Die oftmals genannte Begründung: Die benötigten Mitarbeiter stehen ohnehin auf der Payroll – nur als Randnotiz: Bei stetig wachsenden Löhnen! Generell bestand und besteht in der Branche immer noch ein Hang zum Selbermachen beziehungsweise Insourcing – dies ist allerdings heute für viele Aufgaben nicht mehr zeitgemäß. Damit verbunden muss teures Geld in veraltete und abgekapselte Systeme und Prozesse investiert werden, bei sinkenden Überschüssen.

Ganz nebenbei konnten sich Riesen wie Paypal (Gründung 1998), Wirecard (Gründung 1999), Ayden (Gründung 2006) oder N26 (Gründung 2013) entwickeln, die alle zu Beginn nicht ernst genommen und sogar belächelt wurden. Gleiches gilt für hunderte von Fintechs. Seit einiger Zeit sieht man, dass mit Hilfe ebenjener Fintechs zunehmend mehr branchenfremde Anbieter (mit Millionen von Kundenbeziehungen im Gepäck), wie Verivox, Finanzen.net oder Check24, ins Banking einsteigen.

Erst in den vergangenen Jahren haben sich auch bei etablierten Anbietern mehr und mehr zarte Digitalisierungspflänzchen gebildet, die gerade jetzt im Krisenmodus nicht zerstört werden dürfen. Ansonsten werden sie von den digitalen Vorreitern überrollt. Diese Gefahr bestand 2008 noch nicht.

Blick nach vorn

Jetzt endlich zur guten Nachricht. In den vergangenen Jahren haben sich im Markt nicht nur Konkurrenten entwickelt. Es sind auch hervorragende innovative Anbieter entstanden, die Finanzdienstleister mit praxiserprobten Lösungen gezielt und ressourcenschonend beim Thema Technologie und Regulatorik unterstützen können. Zu nennen sind hier beispielsweise Investify Tech oder Scalable Capital – beide haben im Markt schon umfängliche Kooperationen mit Financials und Non-Financials geschlossen. Beide Anbieter setzen auf eine Plattformstrategie, die für kleine und große Marktteilnehmer gleichermaßen einen umfänglichen und schnellen Nutzen entfalten kann.

Anhand des Beispiels der Vermögensverwaltung lässt sich gut zeigen, dass derartige Investment- und Regulatorik-Plattformen gerade im aktuellen Umfeld ein probates Mittel zur Sicherung und zum Ausbau des langfristigen Erfolgs sein können. Schauen wir uns diese Plattformen einmal genauer an.