Fondsconsult-Studie Robo-Advisors verpassen die Revolution

Fondsconsult-Vorstand Rüdiger Sälzle: „Nur eine Minderheit bietet tatsächlich einen reinen Robo-Advisor an, der Anlageberatung und Portfoliomanagement komplett automatisch umsetzt“. | © Fondsconsult

Fondsconsult-Vorstand Rüdiger Sälzle: „Nur eine Minderheit bietet tatsächlich einen reinen Robo-Advisor an, der Anlageberatung und Portfoliomanagement komplett automatisch umsetzt“. Foto: Fondsconsult

Das Analysehaus Fondsconsult hat zum ersten Mal digitale Vermögensverwalter – gemeinhin bekannt als Robo-Advisors - unter die Lupe genommen. Ergebnis: Auf die Euphorie der ersten Stunde folgen bei vielen nun die Mühen der Ebene – so ist die absolute Höhe des verwalteten Vermögens im Vergleich zu den etablierten Anbietern noch immer sehr gering. Außerdem verwalten einige wenige Anbieter wie Scalable Capital, Cominvest und Liqid den Löwenanteil des Volumens, während die meisten jeweils nur auf maximal zweistellige Millionenbeträge kommen.

Insgesamt haben die 25 in der Studie untersuchten Anbieter ein Vermögen von geschätzt 2,6 Milliarden Euro Assets under Management. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 belief sich das verwaltete Vermögen der gesamten Investmentbranche in Deutschland laut Statista auf rund 3.000 Milliarden Euro. Das Angebot reicht dabei von reinen Robo-Advisors mit fast ausschließlich automatisierten Prozessen bis hin zu klassischen Vermögensverwaltungen im digitalen Gewand, die bestehende Strukturen über eine digitale Plattform anbieten. Während bei ersteren meist kostengünstige ETFs zum Einsatz kommen, setzen letztere oft zusätzlich oder auch ausschließlich auf Einzeltitel.

Dabei trennt sich bereits im Hinblick auf die Transparenz die Spreu vom Weizen: Bei vielen Anbietern war laut Studie die Informationstiefe beim Investmentprozess oder dem Risikomanagement sehr gering. Auch bei den zur Verfügung stehenden Strategien oder den Kosten hielten sich einige bedeckt. Die bei manchen Anbietern zu 100 Prozent deckungsgleichen Fragebögen zum Risikoprofil dürften der Nutzung derselben White-Label-Produkte geschuldet sein. Darüber hinaus ist es möglich, dass sich manche Anbieter am Vorgehen von Wettbewerbern orientieren.

Besonders auffällig aus Sicht der Fondsconsult-Experten: Oft prüften die Anbieter die Risikotragfähigkeit des Kunden erst nachdem man ihnen die passende Strategie vorgeschlagen hatte. Zusätzlich konnten Kunden bei manchen Anbietern ihr Risikoprofil selbstständig bestimmen oder sogar beliebig verändern.

Bei den Kosten zeigt sich ebenfalls eine recht große Bandbreite: Der günstigste Anbieter Weltinvest verlangt 0,49 Prozent pro Jahr, während die Kosten bei Truevest mit mehr als 2 Prozent pro Jahr zu Buche schlagen. Mit Blick auf die teureren Anbieter werfen die Studienautoren zurecht die Frage auf, wo sich das digitale Angebot von der standardisierten Vermögensverwaltung überhaupt unterscheidet. Fasst man die Ergebnisse der qualitativen Betrachtung zusammen, erreichen Fintego, Scalable Capital, Liqid, Vaamo, Growney, Werthstein, Wüstenrot und der Warburg Navigator überdurchschnittliche Ergebnisse.