Langfristig gedacht Private Equity, krisenresistent und zukunftssicher

Reza Keyhani von Hauck & Aufhäuser

Reza Keyhani von Hauck & Aufhäuser: Der Fachmann für alternative Investments sieht viele Vorteile in Private Equity-Beteiligungen Foto: Hauck & Aufhäuser

Der deutsche Private-Equity Markt hat sich in der Pandemie als relativ krisenresistent erwiesen. Auch durch das Beteiligungskapital konnten es viele Unternehmen durch die Corona-Krise schaffen. Gemäß der Statistik vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) wurden im Jahr 2020 rund 12,6 Milliarden Euro in Deutschland in Private Equity investiert. Das Ergebnis fiel zwar um rund 25 Prozent geringer aus als im Vorjahr, aber das Investitionsvolumen aus den Jahren 2017 und 2018 wurde dennoch übertroffen. Hilfreich war auch, dass etwa Beteiligungen im Small- und Mid-Cap Bereich nur begrenzt mit Fremdkapital finanziert werden und hier schnelle Kreditrückzahlungen weniger häufig vorkommen.

Das aktuelle Fundraising-Umfeld ist trotz der Pandemielage durchaus positiv, da Investoren wie etwa Versicherungen, Pensionskassen, Finanzinstitute und Family Offices aufgrund der Niedrigzinsphase und teilweise volatiler Aktienmärkte die attraktiven Renditechancen bei Private Equity weiterhin schätzen. Der zuvor leicht abgekühlte Markt führt zudem auch dazu, dass die ein oder andere – langfristige – Unternehmensbeteiligung verhältnismäßig günstiger erworben werden kann. In Kombination mit den hohen Dry-Powder-Beständen, also noch nicht investiertem Anlegerkapital der Private Equity-Fonds, wird dies zu einer höheren Nachfrage auf dem Transaktionsmarkt führen.

Hierfür spricht auch die gegenwärtige Entwicklung des „German Private Equity Barometers“, das quartalsweise die Stimmung innerhalb der Branche repräsentativ widerspiegelt. Dieser von der Förderbank KfW, dem Branchenverband BVK und der Deutschen Börse Venture Network erstellte Geschäftsklimaindex zeigt sich im zweiten Quartal 2021 weiter erholt und liegt zwischenzeitlich sogar wieder über seinem langjährigen Durchschnitt. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten sind also mehr in den Hintergrund gerückt und die Signale deuten eher auf eine aussichtsreiche Perspektive im Beteiligungskapitalmarkt hin.

Gründe warum Private Equity-Fonds für Portfoliounternehmen funktionieren
Unternehmen, die Anteile an Private Equity-Fonds veräußern, um sich hierdurch mit Beteiligungskapital zu finanzieren, verschaffen sich durch die genannte Transaktion große Vorteile. Im Gegensatz zu einem direkten Investment können sich einzelne Investoren mit deutlich weniger Kapital via eines Fondsvehikels beteiligen und quasi „gemeinsam“ den Portfoliounternehmen die benötigten Geldmittel für deren schnelles Wachstum zur Verfügung stellen.

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Die Private Equity-Fondsmanager können während der mehrjährigen Haltedauer von durchschnittlich vier bis fünf Jahren ihre Expertise und ihr Netzwerk zu Gunsten der Portfoliounternehmen einbringen, weshalb eher langfristige Ziele und nicht kurzfristige Erwägungen im Blickpunkt stehen. Die beiden vorgenannten Protagonisten ziehen für gewöhnlich an einem Strang, da beide Parteien ein großes Interesse an der Wertsteigerung des konkreten Unternehmens haben. Auch kann durch eine etwaige Beteiligung der Geschäftsführung des Portfoliounternehmens ein zusätzlicher Anreiz für eine positive Unternehmensentwicklung gesetzt werden.  

Ein entsprechender Maßnahmenkatalog kann beispielsweise wie folgt aussehen: Organisches oder unorganisches Wachstum, Veräußerung von nicht rentablen Geschäftsbereichen und die Erhöhung des Cash-Flows in Kombination mit einer höheren operativen Effizienz. Vorhandene Strukturen können optimiert und interne Abläufe reformiert werden. Insbesondere bei Fragen der Digitalisierung und IT besitzen manche Portfoliounternehmen noch Verbesserungspotenzial. Weitere Stellschrauben sind beispielsweise die Optimierung der Vertriebs- und Marketingkanäle oder eine weitere Internationalisierung des Geschäfts. Nach einer – signifikanten – Wertsteigerung kann ein Exit auf dem Zweitmarkt etwa durch eine Veräußerung der Unternehmensbeteiligung an andere Unternehmen oder Private-Equity Häuser sowie eventuell via Börsengang lanciert werden.

Private Equity-Fonds bieten Investoren gute Renditeaussichten bei relativ geringen Risiken
Die attraktiven Renditen von Private Equity-Fonds waren in der Vergangenheit oftmals höher, als bei liquiden Beteiligungsformen. Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen können beispielsweise relativ zyklusunabhängig für Investoren gestaltet werden - insbesondere bei Special-Situations-Strategien, bei denen es in erster Linie darum geht durch Managementgeschick und Expertise die wertsteigernde Sanierung von notleidenden Portfoliounternehmen zu meistern. Oftmals weisen die Zielunternehmen, an denen ein Fonds eine Beteiligung nach einer ausgiebigen Risiko/Rendite-Analyse in Betracht zieht, ein hohes Wachstumspotenzial auf.

Private Equity-Direktfonds nehmen für die Anleger eine wichtige Risikostreuung vor, da diese in der Regel nicht nur in einzelne, sondern beispielsweise in zehn bis 20 Unternehmen investieren. Dachfonds wiederum beteiligen sich an anderen Private Equity-Fonds, um etwa die Investorengelder zügiger zu platzieren und mit den damit einhergehenden mittelbaren Beteiligungen an vielen Unternehmen für eine breitgefächerte Risikodiversifikation zu sorgen. Dies resultiert in einer relativ sicheren Investitionsform.

Je nach Entwicklungsstadium der Zielunternehmen, ob sich diese beispielsweise in der Gründungs-, Wachstums-, Spät- oder Umstrukturierungsphase befinden, können entsprechend dem jeweiligen Risikoappetit der Investoren verschiedene Fondsstrategien gewählt werden. Buyout-Fonds halten oftmals Mehrheitsbeteiligungen und erhöhen durch operative Verbesserungen sowie Restrukturierungen diverser Art den Wert von bereits etablierten Unternehmen. Hierbei kommt in einigen Fällen für den Unternehmenserwerb ein hoher Fremdkapitalanteil zum Einsatz (sogenannte Leveraged Buyout). Hierdurch soll ein Hebeleffekt erzielt werden, da sich durch den geringen Eigenkapitaleinsatz eine hohe Rentabilität erzielen lässt, sofern der Cash-Flow des Portfoliounternehmens die entstehenden Zins- und Tilgungskosten auch tragen kann.