24 Milliarden Euro Vermögen Atomfonds fährt Verluste ein

Anja Mikus ist Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“  | © Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung

Anja Mikus ist Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“ Foto: Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung

Der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (Atomfonds) macht trotz erster Milliarden-Investments Verlust: Da ein Großteil der rund 24 Milliarden Euro noch auf Konten der Bundesbank lägen, hätten die Negativ-Zinsen inzwischen um die 70 Millionen Euro gekostet, sagte Atomfonds-Chefin Anja Mikus in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Doch die Negativzinsen sind nicht das größte Problem.

Negativzins als kleineres Übel

„Wir haben momentan etwas über zehn Prozent investiert, also rund 2,5 Milliarden Euro”, zitiert Reuters Mikus` weiter. 1,2 Milliarden Euro seien in hochliquide Staats- und staatsnahe Anleihen geflossen, wovon der Fonds einen gewissen Teil halten müsse. Viele davon gerade mit kurzen Laufzeiten wiesen aber negative Renditen auf. „Die 0,4 Prozent Negativ-Zins bei der Bundesbank sind in der momentanen Situation tatsächlich das kleinere Übel.”

Mikus zufolge will man in den kommenden Wochen weitere 1,4 Milliarden Euro investieren. Bis Jahresende soll es dann ein gutes Viertel des Fondsvolumens sein, also knapp 7 Milliarden Euro. Dass sich die Situation bald ändert, erwartet Mikus nicht: „Wir streben zügig an, dass die Erträge die Negativzinsen übersteigen“, so die Atomfonds-Chefin zu Reuters. „Das wird aber sicher nicht 2018 sein.”

Quadratur des Kreises

Die Aufgabe der Atomfonds-Verantwortlichen gleicht der Quadratur des Kreises: Einerseits gilt es, das Fondsvermögen verhältnismäßig schnell anzulegen, um Negativzinsen zu vermeiden. Anderseits braucht es ein hohes Maß an Sicherheit, weil sich die Ausgaben für ein Atommüll-Endlager nach konservativer Schätzung bis zum Ende dieses Jahrhunderts erstrecken dürften.

Hinzu kommt eine weitere Anforderung: Die in der Satzung des Fonds geforderte Nachhaltigkeit bei der Anlage bezieht sich nicht allein auf möglichst risikoarme Investitionen, sondern auch auf deren gesellschaftliche Wirkung. So verpflichten die Anlagerichtlinien den Vorstand, auch ESG-Kriterien in die Anlagestrategie einzubeziehen.

Doch damit nicht genug. Zins und Zinseszins sollen am Ende 169 Milliarden Euro aus den 24 Milliarden Euro Grundstock machen. Vor der Einrichtung des Fonds hatten die Atomkonzerne dafür selbst mit einem Zinssatz von 4,58 Prozent kalkuliert. Bis ins nächste Jahrhundert.