Christoph Lieber von Cinerius Financial Partners „Vermögensverwalter behalten bei uns ihre Identität“

Christoph Lieber von Cinerius Financial Partners

Christoph Lieber von Cinerius Financial Partners: Das jüngst gegründete Holding-Unternehmen will jährlich vier bis acht Vermögensverwalter der DACH-Region anbinden

private banking magazin: Mit der jüngst gegründeten Cinerius Financial Partners wollen Sie Dienstleister für Vermögensverwalter sein. Warum braucht es Sie?

Christoph Lieber: Der Markt für Vermögensverwalter ist nicht erst seit heute im Umbruch und der Aufwand aufgrund regulatorischer Anforderungen steigt weiter. Gerade kleinere und mittelgroße bankenunabhängige Vermögensverwalter müssen viel Aufwand betreiben, um profitabel zu bleiben. Zusätzliche administrative Anforderungen kosten Zeit und Ressourcen, die ihnen bei ihrer wichtigsten Aufgabe, der Verwaltung der Kundenvermögen, fehlen.

Dann geht es um Mifid II und allem, was daran hängt.

Lieber: Ja klar, aber nicht nur. Cinerius unterstützt auf Wunsch in den Bereichen Regulatorik, darunter besagter Mifid II, Meldewesen und Compliance und hilft auch andere administrative Prozesse effizienter zu gestalten. Zudem unterstützen wir unsere Vermögensverwaltungspartner bei Digitalisierung und IT-Sicherheit, was ihren Services gegenüber Kunden ebenso zugutekommt wie die Möglichkeit von Cross-Selling bei gruppeninternen Anlagelösungen. Des Weiteren bieten wir Zugang zu Wachstumskapital und M&A-Expertise. Und nicht zuletzt entwickeln wir individuelle Nachfolgelösungen, die Kontinuität sicherstellen, da auch das – wie wir festgestellt haben – eine Frage ist, die inhabergeführte Häuser oftmals vor neue Herausforderungen stellt.

Sehen Sie sich als Konsolidierer?

Lieber: Wir konsolidieren und dennoch behalten unsere Portfoliogesellschaften ihre Identität und eigene Lizenz bei und bleiben hinsichtlich Geschäftsmodell, Anlagestrategie und Markenidentität unabhängig. Unser Konzept ist so eigenständig und wird so individuell auf die Bedürfnisse der Vermögensverwalter abgestimmt, dass wir gegenüber anderen Investoren einen entscheidenden Vorteil haben. Sie dürfen auch davon ausgehen, dass die vier bisherigen Gesellschaften als Nukleus einen maßgeblichen Einfluss auf das Konzept nehmen konnten.


Können Vermögensverwalter bei der Cinerius Financial Partners Ihren Namen und Investmentstil behalten?

Lieber: Unbedingt. Unsere Unternehmenspartner werden keine Angestellten, sondern bleiben Unternehmer mit eigenständiger Kundenpolitik und Markenführung.

Angenommen man erstickt als Vermögensverwalter im administrativen-regulatorischen Aufwand. Wie und auf welchen Aufgabenfeldern hilft mir die Cinerius Financial Partners?

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Lieber: Neben Nachfolgelösungen und Zugang zu Wachstumskapital sind das die bereits beschriebenen Bereiche Regulatorik und Compliance, aber auch Personalwesen und Marketing, die unseren Unternehmenspartnern optional zur Verfügung stehen.

Was kostet das Ganze?

Lieber: Holding-Kosten werden den Unternehmenspartnern nicht weiterberechnet. Im Gegenteil: Sie profitieren von Skalenvorteilen, die auch eine bessere Verhandlungsposition bei gruppenweiten Verträgen ermöglichen, beispielsweise mit Depotbanken, Research-Anbietern und Versicherungen oder bei IT-Lösungen.

Im Gegenzug wollen Sie mindestens 75 Prozent der Anteile kaufen. In welcher Situation sind Vermögensverwalter bereit, die Mehrheit an ihrem Unternehmen aus der Hand zu geben?

Lieber: Typischerweise dann, wenn Nachfolgelösungen gesucht werden oder das Wachstum des eigenen Unternehmens forciert werden soll.

Beteiligen Sie sich auch an Restrukturierungsfällen?

Lieber: Das würden wir uns von Fall zu Fall ansehen, aber es wird eher die Ausnahme bleiben.