Hans-Heinrich Meller, Finum Private Finance „Viele wollen ohne Vorgaben beraten“

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Die Finum Private Finance hat jüngst in ihre Marketing-Unterlagen eine „Unabhängigkeitserklärung“ aufgenommen. Mehr als ein PR-Slogan?

Meller: Eindeutiges Ja. Wir untermauern damit einen wesentlichen Wert des An-spruchs an uns und das Versprechen an unsere Berater und Mandanten. Wir verstehen uns als Family-Office-Dienstleister, der keine Denkblockaden kennt und sich frei und neutral Beratern und Mandanten widmen kann. So wird beispielsweise die Vergütung unserer Dienstleistung individuell bestimmt. Die Dienstleistung, die der bei uns angeschlossene Berater gegenüber dem Kunden erbringt, ist stets gesteuert im Sinne von Kunde zu Berater – und nicht Finum zu Kunde.

Kann ihr Haftungsdach die Unabhängigkeit trotz hoher Neue-Produkte-Prozess- und Due-Diligence-Kosten auch in der Produktpalette umsetzen?

Meller: Wir verfügen über ein ausreichend großes Produktuniversum, bieten den Beratern neben der klassischen Anlage- und Abschlussvermittlung auch die Möglichkeit der standardisierten und diskretionären Vermögensverwaltung. Bei uns können die Tied Agents alle Wertpapiere, die in Deutschland eine Vertriebszulassung haben, beraten.

Raten Sie Ihren Tied Agents, neben dem Wertpapiergeschäft auch zu Versicherungen, bAV und Finanzierungen zu beraten?

Meller: Das Wertpapiergeschäft stellt für die meisten eine wichtige und vor allem kalkulierbare Basis dar. Es hat sich aber gezeigt, dass viele Berater und Mandanten eine themenbezogene Beratung sehr schätzen und auch teilweise fordern. Da-rüber hinaus beschäftigen sich viele Mandanten noch mit anderen, für sie nicht weniger wichtigen Themen. Hier muss ich als Berater bei meinem Dienstleister die Möglichkeiten vorfinden, genau diese Themen auch abzubilden.

Inwiefern unterscheiden sich Haftungsdächer bei D&O- und Vermögensschadenhaftpflicht-Versicherung?

Meller: Finum bieten den Beratern jedenfalls ein individuelles Paket aus Haftpflicht, Unfallschutz und Vermögensschadenshaftplichtversicherung. Unsere Besonderheit liegt darin, dass wir sie auch bei Transaktionsvolumen im Millionenbereich absichern und die Kosten dafür übernehmen.

Welche Kundengrößen und -volumen betreut ein Tied Agent der Finum Private Finance in der Regel?

Meller: Das ist letztlich eine Frage des Geschäftsmodells eines jeden. Im Mittel betreut ein Berater 25 Millionen Euro Kundenvermögen. Das Volumen pro betreuter Familie liegt im Schnitt bei einer Million Euro.

Dominiert mittlerweile die All-in-Gebühr?

Meller: Der Trend geht ganz klar weiterhin in diese Richtung. Beide Seiten streben in der Regel nach einer transparenten und kalkulierbaren Vergütung. Die entscheidende Frage ist aber immer – was will der Mandant?

Vergolden sich Private Banker, die kurz vor der Rente stehen, bei Ihnen Ihr Kundenbuch?

Meller: Wir haben in unserem Haus das Modell „Emeritus“ eingeführt, das in den vergangenen zwei Jahren sehr erfolgreich war. Es ermöglicht einem Berater, sein planbares Ausscheiden auch strukturiert anzugehen. Bei uns kann er sein Kundenbuch, welches er sich über Jahre und Jahrzehnte mühevoll aufgebaut hat und pflegt, verkaufen oder verrenten. Wichtig ist dabei, dass der ausscheidende Berater den Zeitpunkt selbst festgelegt.

Werden Berater anhaltend raus aus der Bankstruktur wollen?

Meller: Diese Entwicklung wird noch an Stärke gewinnen. Wir spüren aktuell eine steigende Anzahl an wechselwilligen Beratern, die sich konkret umschauen.


Über den Interviewten:
Hans-Heinrich Meller ist seit 2017 Generalbevollmächtigter der Finum Private Finance. Der 58-Jährige begleitet das Haftungsdach insgesamt schon seit 2005, als dieses noch SRQ Finanzberater hieß. Die Finum Private Finance gehört zur JDC Group aus Wiesbaden.