Engere Zusammenarbeit vereinbart Paul Gerhardt Diakonie und EJS setzen auf nachhaltige Strategie

Der Leiter im Vermögensmanagement von EJS und PGD, Jens Güldner, treibt die Umbaumaßnahmen voran. | © Evangelisches Johannesstift

Der Leiter im Vermögensmanagement von EJS und PGD, Jens Güldner, treibt die Umbaumaßnahmen voran. Foto: Evangelisches Johannesstift

Das Evangelische Johannesstift, eine Stiftung bürgerlichen Rechts, und die Paul Gerhardt Diakonie (PGD) arbeiten in der Kapitalanlage in Zukunft noch enger zusammen. Das Evangelische Johannesstift ist nach der Fusion mit der Paul Gerhardt Diakonie und der daraus resultierenden organisatorischen Umstrukturierung seit Anfang 2018 alleiniger Aktionär der PGD, die die Rechtsform einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft trägt. Vor diesem Hintergrund wollen die beiden Parteien bei der Anlage ihrer liquiden Vermögenswerte nun enger zusammenarbeiten, erläutert Jens Güldner, der als Leiter Vermögensmanagement von EJS und PGD die Umbaumaßnahmen vorantreibt.

Als eine Unternehmensgruppe mit besonderer Verantwortung wolle man nun auf Basis einer vereinheitlichten Systematik im Vermögensmanagement die anvertrauten Gelder anlegen, sagt Güldner. „Die Anlagestrategien beider Häuser rücken in der Basis zusammen, vor allem in der ethisch-nachhaltigen Strategie. Sie unterscheiden sich aber weiterhin in den Ausführungs- und Umsetzungswegen.“ Die Anlagephilosophie der PGD basiert nun auf dem gleichen Fundament wie die des EJS. Das Evangelische Johannesstift hat bereits im Februar 2010 den sogenannten „EJS-Stiftungsfonds“ ins Leben gerufen. In diesem Spezialfonds bündelt das Johannesstift seine Kapitalanlagen.

Die Hausbanken der PGD wurden über diese Schritte informiert und werden in ihren Beratungsleistungen an die PGD das Thema Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage als Maßstab setzen, ohne die bisher geltenden klassischen Betrachtungen von Portfoliorisiken und Performance und Ausschüttung außer Acht zu lassen, sagt Güldner und erläutert: „Die Anlagerichtlinie von EJS und PGD rücken im Kern zusammen, was sehr begrüßenswert ist. Sie bilden in Bezug auf Nachhaltigkeit nun die gleiche Basis, unterscheiden sich derzeit noch in der Art der Ausführungen und Umsetzung der Investmentstrategie sowie in Nuancen bei den zugelassenen Assets- und Risikostrukturen. Die ‚absolute‘ Best-in-Class-Strategie auf Basis von Mindestkriterien nach Oekom-Maßstab bildet nun wie bereits im EJS die Basis des ethisch-nachhaltigen Investments der PGD, ergänzt um weitere Nachhaltigkeitsstrategien.“ 

EJS-Stiftungsfonds soll wachsen

Demnach steigt die PGD nun gewissermaßen in die Fußstapfen des Johannesstifts. Für die Stiftung, die bis zur Fusion mit der Paul Gerhardt Diakonie unter anderem Altenheime und Krankenhäuser in Berlin und anderen Standorten betrieb, ist Nachhaltigkeit integraler Bestandteil im Vermögensmanagement. Dazu zählt, dass Güldner die Rendite nicht zu Lasten der Nachhaltigkeit optimiert, wie er selbst sagt.

Nachdem sich die PGD entschlossen hat, ihre Anlagepolitik und deren Umsetzung auf ein neues, erweitertes Fundament zu stellen, erfolgten und erfolgen umfassende Gespräche mit den Hausbanken. Die PGD stelle ihre Anlagepolitik auf eine ethisch-nachhaltige Basis und möchte damit seiner Verantwortung gerecht werden und Anlageentscheidungen bewusst im Sinne einer ethisch-nachhaltigen Ausrichtung treffen. Künftige Investments werden laut Jens Güldner auf Basis des Leitfadens für ethisch-nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche vorgenommen. „Die Einhaltung wird von der Nachhaltigkeits-Rating-Agentur ISS Oekom zweimal im Jahr, auf Basis des bewährten Sytems der Prüfung des EJS-Stiftungsfonds, sehr systematisch auf Einzeltitelbasis überprüft“, führt Güldner aus.

Spezialfonds für Dritte

Das Evangelische Johannesstift investiert seine liquiden Vermögenswerte in einen speziell auf seine Erfordernisse zugeschnittenen Spezialfonds. Der sogenannte EJS-Stiftungsfonds ist ein offener Spezial-AIF mit festen Anlagebedingungen und wird von Allianz Global Investors nach einem umfassenden Kennziffernsystem an qualitativen und quantitativen Vorgaben des EJS verwaltet. Das Fondsvolumen beträgt rund 50 Millionen Euro.

Der Spezialfonds steht auch Co-Investoren offen. Unter anderem ist die Universität der Künste Berlin mit Geldern ihres Stiftungszentrums investiert. Neu dabei ist nun auch die Paul Gerhardt Diakonie, wobei das Unternehmen derzeit aber vor allem auf Beratungsmandatslösungen ihrer Hausbanken setzt. Das Evangelische Johannesstift will den, laut Güldner, „bewährten Pool-Spezialfonds“ für noch mehr Investoren öffnen. Die ethisch-nachhaltige Investment-Strategie des EJS-Stiftungsfonds solle dabei systematisch fortgeführt werden.

Das Portfolio ist weltweit aufgestellt, kann sich aber der aktuellen Marktentwicklung nicht gänzlich entziehen, negative Marktentwicklungen lediglich dämpfen, berichtet Güldner. Die Performance ist leicht ins Minus gerutscht. Per 30. Oktober 2018 lag sie 0,87 Prozent unter dem Niveau vom 31. Dezember 2017. Von der Ertragslage her schüttet der Stiftungsfonds wie in den beiden Vorjahren 2 Euro je Anteil aus.

Der Fonds hat nach Angaben Güldners jüngst erneut ein sehr gutes Testat von ISS-Oekom erhalten. „Der eingeschlagene Weg, die Stiftungsmittel und die Mittel vieler weiterer Stiftungen und gemeinnütziger Organisationen in einem ethisch-nachhaltig gemanagten Fonds auf Basis eines sehr systematischen Risikomanagement-Systems gebündelt managen zu lassen, wird auch 2019 fortgeführt.“ Güldner ist überzeugt von dieser Art der Umsetzung der Kapitalanlage und möchte weitere gemeinnützige Stiftungen und Organisationen ermutigen, diesen Weg einzuschlagen.

Für 2019 sei daher beabsichtigt den Stiftungsfonds noch bekannter zu machen. Ein aktives Vertriebskonzept unter Einbeziehung eines weiteren Vertriebspartners stehe kurz vor der Umsetzung. Zur Anlageausschuss-Sitzung des EJS-Stiftungsfonds im Dezember sei geplant, das Konzept vorzustellen und zu verabschieden.