Digitale Zukunft im Wealth Management „Erfolgsfaktor Nr. 1 wird nicht der Preis oder die Performance sein“

Dominik Moulliet von Deloitte Consulting: Der Branchenexperte nennte die Erfolgskomponenten für ein Private Banking der Zukunft. | © Deloitte

Dominik Moulliet von Deloitte Consulting: Der Branchenexperte nennte die Erfolgskomponenten für ein Private Banking der Zukunft. Foto: Deloitte

private banking magazin: Verspätet, aber mittlerweile mit Nachdruck hat die Digitalisierung das Wealth Management erreicht. Eins von vielen, oder das Thema schlechthin?

Dominik Moulliet: Die Branche befindet sich am Anfang einer sehr großen und nachhaltigen Veränderung. Die Digitalisierung spielt dabei eine wichtige Rolle, ist aber nicht das einzige Thema, welchem sich Wealth Manager stellen müssen. Themen wie die sich ändernden Kundenbedürfnisse, Regulatorik und die Bedeutung von sozialen Medien haben alle einen Einfluss auf die Geschäftsfelder und -strategien von morgen.

Wo würden Sie sagen, steht die Branche heute?

Moulliet: Wealth Manager haben erkannt, dass man in der ohnehin wenig innovationsfreudigen Finanzindustrie hinter Retail- und Investmentbanking das Schlusslicht bildet. Diese Innovationslücke ist inzwischen im Bewusstsein der Branche angekommen, aber es wird noch einiges an Anstrengung bedürfen, diese auch zu schließen. Es ist zu erwarten, dass die Geschwindigkeit, in der sich das Thema Digitalisierung auf die Branche auswirkt, sehr hoch sein wird, da es einen Rückstand aufzuholen gilt.

Größte Aufmerksamkeit genießen Robo-Advisor. Ist das nicht zu kurz gegriffen? 

Moulliet: Das Thema Robo-Advice erfährt zurzeit sicherlich einen Hype. Auch ist es ein Oberbegriff für viele verschiedene Entwicklungen im Asset und Wealth Management. Viele Marktteilnehmer versuchen nach wie vor das Thema zu interpretieren und die für sie relevanten Punkte zu definieren.

Dabei gibt es über Robo-Advice hinaus viele Möglichkeiten Produkte und Prozesse kundenzentrischer auszurichten und sich somit für die Zukunft zu positionieren. Der Erfolg in der Zukunft wird sich nicht danach richten, wer das günstigste Produkt oder jenes mit der besten Performance hat, sondern es werden die Anbieter Vorteile haben, welche den richtigen Zugang zu seinen Zielkunden findet.

Momentan fokussieren sich klassische Anbieter und Fintechs auf das Miteinander.

Moulliet: Das stimmt. Und nach wie vor sehen wir Markteintritte von neuen Anbietern. Dies lässt aber zusehends nach und wir erwarten in Kürze den Beginn einer ersten Konsolidierungswelle. Entscheidend wird sein, wie der Kunde auf die ersten negativen Robo-Advice-Nachrichten reagiert, wenn passive ETF-Anlagestrategien ein Börsenumfeld mit einem Einbruch von 20 oder gar 30 Prozent hinter sich haben. Was heißt das für die ohnehin noch relativ geringen Assets under Management? Wichtig in alldem wird sein, dass die Entscheidung eines Wealth Managers für einen Robo-Advisor bewusst gefällt wurde und Teil einer übergeordneten Digitalisierung des Geschäftsmodells war.

Was dürfen wir von der digitalen Evolution noch erwarten?

Moulliet: Sicherlich ist die Entwicklung im Bereich digitales Asset Management noch nicht abgeschlossen. Bei Deloitte Consulting haben wir, basierend auf unserem Research, vier Stufen von Robo-Advisor definiert. Auffallend ist, dass ein Großteil zwar mit ersten Automatisierungsansätzen daherkommt, aber noch sehr weit entfernt von komplett automatisierter Anlageberatung und einer kundenzentrischen Organisationsausrichtung sind.