Digitale Wertpapiere Ein neues Medium für die Mittelstandsfinanzierung

Sven Buschke (l.) und Amadeus Gryger (beide Deloitte): In ihrem Beitrag erläutern die Autoren, wie sich kleine und mittlere Unternehmen über digitale Wertpapiere refinanzieren können.  | © Deloitte

Sven Buschke (l.) und Amadeus Gryger (beide Deloitte): In ihrem Beitrag erläutern die Autoren, wie sich kleine und mittlere Unternehmen über digitale Wertpapiere refinanzieren können. Foto: Deloitte

Der Mittelstand, das sind zirka 90 Prozent der hiesigen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), bildet das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Ein sich verschärfender globaler Wettbewerb und der demographische Wandel, insbesondere bemerkbar durch einen sich ausweitenden Fachkräftemangel, machen Investitionen in Digitalisierung und Innovationen auch für KMU dringend erforderlich, damit diese global wettbewerbsfähig bleiben können. Traditionell finanzieren mittelständische Unternehmungen ihre Geschäfte überwiegend aus Eigenmitteln, daneben bestehen oft langjährige Beziehungen mit entsprechenden Kreditlinien bei einer Hausbank.

Herausforderungen in der Kapitalbeschaffung

Banken vergeben Kredite angesichts einer sich abzeichnenden Rezession durch die Corona-Krise und durch gestiegene Anforderungen an das Risikomanagement immer vorsichtiger. Das liegt auch daran, dass Investitionen in die Digitalisierung und in Innovationen nur schlecht als Sicherheit verwertbar sind. Vertreter von KMU dürften beim Kreditersuchen in ihrer Hausbank für entsprechende Vorhaben unter Hinweis auf unzureichende Sicherheiten und zu geringfügige Transaktionsvolumina bereits auf Ablehnung gestoßen sein.

Für KMU stellt diese Situation ein Geschäftsrisiko beziehungsweise ein Risiko in der Kapitalbeschaffung dar, werden doch zirka 93 Prozent von ihnen nur von einer primären Hausbank finanziert. Zudem scheint angesichts der aktuellen Pandemie eine Kreditklemme nicht ausgeschlossen. Für betroffene Unternehmen besteht die Herausforderung nun darin, etwaige Insolvenzen abzuwenden. 

Das Überdenken der bisherigen Wege der Kapitalbeschaffung scheint aktuell geboten. Traditionellerweise sind konventionelle Aktien- und Anleiheemissionen für Mittelständler uninteressant oder nicht realisierbar gewesen, da sie teuer und aufwendig sind. Welche weiteren Optionen bestehen?

Emissionen von digitalen Wertpapieren

Vertreter von KMU sollten im jetzigen Szenario über die Emission von digitalen Wertpapieren auf Blockchain-Basis nachdenken, denn eine solche würde Mittelständlern einen neuen Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ermöglichen. Seit dem 1. Januar 2020 gilt in Deutschland ein neuer Rechtsrahmen, der die Verwahrung, die Vermittlung und Handel von solchen digitalen Wertpapieren regelt. Deutschland war dabei eines der ersten Länder weltweit, die ein entsprechendes Regelwerk veröffentlicht und somit Sicherheit und Vertrauen für diese Finanzinnovation geschaffen haben. Die Bafin hat in diesem Zusammenhang signalisiert, dass sie Wertpapieren technologieneutral gegenübersteht, auch weil bestehende Rechtsunsicherheiten hinsichtlich der regulatorischen Behandlung von digitalen Wertpapieren durch die Novellierung im Kreditwesengesetz (KWG) nun behoben werden konnten.