Cum-Ex-Geschäfte Clemens Tönnies verklagt J. Safra Sarasin

Milliardär und S04-Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies hat Klage gegen die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin eingereicht | © Getty Images

Milliardär und S04-Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies hat Klage gegen die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin eingereicht Foto: Getty Images

Fleischfabrikant und Milliardär Clemens Tönnies klagt gegen die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, hat Tönnies beim Handelsgericht in Zürich Klage gegen die Bank eingereicht, nachdem er zuvor versucht hatte, einen Vergleich mit dem Institut zu erzielen.

Hintergrund der Streitigkeiten ist eine Fondsberatung aus dem Jahr 2011. Tönnies investierte in den Equity-Arbitrage-Fund der Luxemburger Firma Sheridan, angeboten von der Privatbank. Später stellte sich heraus, dass das Management des Fonds offenbar nach dem sogenannten Cum-Ex-Prinzip handelte. Nach Aufdecken der Praktiken seitens des deutschen Finanzamts wurden die Anteile wertlos.

Laut Bericht sind nur rund 10 Prozent des eingesetzten Kapitals an Tönnies zurückgeflossen. Nun versucht der Milliardär, vor allem bekannt durch seine Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzende beim Fußballclub FC Schalke 04, sein Geld über den Klageweg zurückzuerhalten.

Tönnies sei aus seiner Sicht nicht richtig beraten worden. Er sei wie alle anderen davon ausgegangen, dass es sich um eine gewöhnliche Geldanlage handle. Der Begriff „Cum Ex“ sei Tönnies unbekannt, so ein Sprecher gegenüber dem Handelsblatt.

In einem anderen Fall erzielte der Drogerieunternehmer und Milliardär Erwin Müller kürzlich einen Erfolg vor Gericht. Auch er hatte wegen falscher Beratung beim Sheridan-Fonds gegen die Privatbank geklagt. Nach langjährigem Rechtsstreit sprach das Gericht Müller einen Schadenersatz in Höhe von 45 Millionen Euro zu. J. Safra Sarasin bestreitet die Vorwürfe.

Bei den dubiosen Cum-Ex-Deals kauften die Manager kurz vor der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft deren Aktien (cum) und verkauften sie nach der Versammlung und damit nach der vom Kurswert abgezogenen Dividende direkt wieder (ex). Der Sheridan-Fonds kassierte die Dividende, Banken und Börsenhändler ließen sich von Finanzämtern Kapitalertragsteuern erstatten, die zuvor gar nicht an den Fiskus gezahlt worden waren.

Berechnungen zufolge seien dem deutschen Staat wegen der umstrittenen Cum-Ex-Aktiengeschäfte fast 32 Milliarden Euro entgangen. Neben Tönnies und Müller hatte unter anderem auch der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer über J. Safra Sarasin in die Fonds investiert.