45 Millionen Euro an Drogerieunternehmer J. Safra Sarasin muss Schadenersatz zahlen

Die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin, im Bild deren Niederlassung in Genf, muss Milliardär Erwin Müller 45 Millionen Euro zahlen | © Getty Images

Die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin, im Bild deren Niederlassung in Genf, muss Milliardär Erwin Müller 45 Millionen Euro zahlen Foto: Getty Images

Nach langjährigem Rechtsstreit zwischen dem Drogerieunternehmer Erwin Müller und dem Bankhaus J. Safra Sarasin hat das Landgericht Ulm am Montag pro Kläger entschieden: Das Institut muss laut Urteil Schadenersatz in Höhe von 45 Millionen Euro zahlen, wie das Schweizer Online-Portal „Finews“ mit Berufung auf einen Artikel der Agentur „AWP“ berichtet.

Damit folgt das Gericht den Forderungen des Milliardärs Müller. Er hatte auf Entschädigung gegen die Bank geklagt, aufgrund von Verlusten durch falsche Beratung bei Investitionen in den hochriskanten Luxemburger Sheridan-Fonds. Wie es in dem Bericht weiter heißt, muss das Institut zudem die Verzugszinsen und Kosten des jahrelangen Prozesses tragen.

Die Richter sahen es dem Bericht zufolge als erwiesen an, dass der Drogerieunternehmer bei der Kapitalanlage falsch beraten wurde. Laut dem Online-Portal bestreitet J. Safra Sarasin die Vorwürfe. Das Bankhaus könne gegen das Urteil binnen eines Monats Widerspruch einlegen.

Auftrieb für andere Prozesse

Im Prozess ging es um sogenannte Cum-Ex-Geschäfte der Bank. Die Anlagegelder von reichen Kunden wie Müller flossen in Aktienfonds wie den Sheridan-Fonds. Die Manager kauften kurz vor der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft deren Aktien (cum) und verkauften sie nach der Versammlung und damit nach der vom Kurswert abgezogenen Dividende direkt wieder (ex).

Der Sheridan-Fonds kassierte die Dividenden und das Management berief sich beim Bundeszentralamt für Steuern auf ein zwischenstaatliches Abkommen, wonach ihnen der deutsche Staat die Kapitalertragsteuer auszahlte. Als das deutsche Finanzamt das Schlupfloch entdeckte, wurden die Fonds wertlos und Sarasin-Kunden erlitten teils Totalverluste.

Weitere prominente Vermögende wie AWD-Gründer Carsten Maschmeyer samt Ehefrau Veronica Ferres sowie der Fußballtrainer Mirko Slomka hatten Geld in die Fonds angelegt. Maschmeyer & Co. haben sich zwischendurch mit dem Institut in einem Rechtsstreit geeinigt. Fleischunternehmer Clemens Tönnies liegt noch im Rechtsstreit mit J. Safra Sarasin.

Nach Information von „Finews“ hatte ein weiterer Unternehmer aus München gegen die Schweizer Privatbank geklagt. Solche Forderungen würden durch Müllers Prozesserfolg nun Auftrieb erhalten.