Ausblick von Danske Invest Jetzt beginnt die Jagd auf Qualitätsaktien

„Qualitätsaktien gibt es in allen Sektoren und Regionen – es kommt darauf an, die richtigen zu finden“, meint Lars Skovgaard Andersen, Senior Investmentstratege bei der Danske Bank.

„Qualitätsaktien gibt es in allen Sektoren und Regionen – es kommt darauf an, die richtigen zu finden“, meint Lars Skovgaard Andersen, Senior Investmentstratege bei der Danske Bank.

Was verstehen Sie unter „Qualitätsaktien“?

Skovgaard Andersen: Wenn wir von Qualitätsaktien sprechen, meinen wir damit Unternehmen, die eine Reihe besonderer Merkmale aufweisen, zum Beispiel ein stabiles Gewinnwachstum, eine hohe Eigenkapitalrendite und einen niedrigen Fremdkapitalanteil, das heißt ein relativ begrenztes Schuldenniveau. Gleichzeitig bieten diese Unternehmen häufig ordentliche und stabile Dividendenausschüttungen. Qualitätsaktien sind also eine besondere Aktienkategorie, die in manchen Phasen eine bessere Performance erzielen als der gesamte Aktienmarkt, während sie in anderen Phasen von anderen Aktientypen übertroffen werden, etwa von Wachstumsaktien, bei denen Anleger eher in ein erwartetes zukünftiges Gewinnpotenzial investieren als in den aktuellen bekannten Gewinn.

Warum sind Qualitätsaktien genau jetzt interessant?

Andersen: In einer Phase mit großer Unsicherheit an den Finanzmärkten und steigenden Zinsen ist es sinnvoll, kapitalstarke Unternehmen ins Visier zu nehmen. Sie sind beispielsweise weniger anfällig für Zinserhöhungen, können günstiger Kredite aufnehmen als andere Firmen und letzten Endes einen besseren Nettogewinn erzielen als Unternehmen von geringerer Qualität. In Krisenzeiten können sie auch leichter die Preise senken und damit schwächere Konkurrenten unter Druck setzen und sie letzten Endes vielleicht sogar aufkaufen. Insgesamt sind Qualitätsaktien somit gut für unsichere Zeiten gerüstet.

Bedeutet Ihr Fokus auf Qualitätsaktien, dass Sie negative Erwartungen an den Aktienmarkt haben?

Andersen: Nein, auf keinen Fall. 2019 erwarten wir steigende Aktienkurse und haben in unseren Portfolios eine Übergewichtung in Aktien und eine dementsprechende Untergewichtung in Anleihen. Man kann aber sagen, dass wir mit Qualitätsaktien etwas stabiler und sicherer unterwegs sind, auch wenn das nicht bedeutet, dass wir unsere Fahrt komplett verlangsamen. Qualitätsaktien kann man als „Volvo des Aktienmarkts“ bezeichnen.

Auf welche Länder und Sektoren sollte man sich besonders konzentrieren, wenn man in Qualitätsaktien investieren will?

Andersen: Gemäß des MSCI World Quality Index, eines globalen Index für Qualitätsaktien, sind die IT- und Gesundheitsbranche die größten Sektoren im Bereich der Qualitätsaktien. Daher sind die meisten Qualitätsaktien in den USA zu finden sind, da US-amerikanische Unternehmen in diesen Sektoren stark vertreten sind. Im Allgemeinen kann man Qualitätsaktien aber in allen Sektoren und Regionen ausfindig machen und das ist ein wichtiger Punkt. Bei Qualitätsaktien geht es nicht darum, sich in Abwehrstellung zu begeben und beispielsweise Aktien aus defensiven Sektoren wie der Versicherungs- und Grundbedarfsgüterbranche zu kaufen, die sich in konjunkturell schwierigen Zeiten üblicherweise gut behaupten, da die Nachfrage recht unabhängig von der Wirtschaftslage ist. Wir befinden uns nämlich gar nicht in einer Rezession. Dementsprechend sind Qualitätsaktien etwas anderes als Value-Aktien. Das sind Aktien, die im Vergleich zum inneren Wert des Unternehmens oder den Gewinnen am günstigen Ende der Skala notieren.

Warum bevorzugen Sie Qualitätsaktien im Vergleich zu Wachstumsaktien?

Andersen: Qualitätsaktien bieten einen relativ breiten Zugang zum Aktienmarkt. Im Grunde genommen ist Qualität meiner Ansicht nach ein Anlagestil, der irgendwo zwischen Growth und Value angesiedelt ist. Wachstumsaktien werden üblicherweise in Phasen mit steigendem Wirtschaftswachstum und Optimismus stark nachgefragt, während die Substanz eines Unternehmens (das heißt Value-Titel) in den Mittelpunkt rückt, wenn das Pendel in die andere Richtung zeigt. Bei der aktuellen Wirtschaftslage ist es unserer Ansicht nach vernünftig, sich irgendwo dazwischen zu positionieren.

Mit welchen Risiken muss man bei einer Anlage in Qualitätsaktien rechnen?

Andersen: Qualitätsaktien können in Phasen, in denen klassische Value-Titel am besten abschneiden oder reine Wachstumswerte in Mode sind, eine schlechtere Rendite als der gesamte Aktienmarkt erzielen. Gleichzeitig können Qualitätsaktien zu teuer werden, wenn sie besonders stark nachgefragt werden. Das ist bei den aktuellen Bewertungen unserer Meinung nach allerdings nicht der Fall. Dazu kommen natürlich noch die allgemeinen Risiken, die mit einer Aktienanlage einhergehen. Es kann Phasen mit starken Kursrückgängen geben, wie etwa im letzten Quartal 2018, Dann können auch Qualitätsaktien unter Wettbewerbern und schlechten Zeiten leiden und damit enttäuschen,  also an Wert verlieren. Ein solches Szenario sehen wir für 2019 allerdings nicht vorher.