Studie von KPMG Zahl der 2021 in Luxemburg beheimateten Privatbanken sinkt

Ein Gebäude der BNP Paribas in Luxemburg

Ein Gebäude der BNP Paribas in Luxemburg: Die Zahl der Private-Banking-Anbieter in Luxemburg ist gesunken. Foto: Imago Images / Volker Preußer

Luxemburg bleibt für Private-Banking-Häuser ein wichtiger Standort. Das zeigt eine Studie von KPMG und der luxemburgischen Banken- und Bankiersvereinigung ABBL, in der die Studienautoren die Entwicklung des Luxemburger Marktes im Jahr 2021 analysiert haben. Das verwaltete Vermögen der Häuser stieg innerhalb des Jahres um 18 Prozent auf einen Wert von 600 Milliarden Euro.

Zahl der Banken mit wenig verwaltetem Vermögen sinkt merklich

Aber: In Luxemburg ist Konsolidierung des Sektors in vollem Gange. So verweisen die Studienautoren auf die absolute Zahl an Private-Banking-Häusern, die von 54 in 2020 auf 48 in 2021 sank. Die Zahl der Häuser mit einem verwalteten Vermögen von weniger als 5 Milliarden Euro fiel gar von 29 auf 21 Institute. „Die Zahl der mittleren und großen Banken ist relativ stabil geblieben oder hat zugenommen, wahrscheinlich auch deshalb, weil einige von ihnen einige der kleineren Einheiten übernommen haben“, schreiben die Studienautoren.

Die Entwicklung des verwalteten Vermögens bei Luxemburger Privatbanken.
Die Entwicklung des verwalteten Vermögens bei Luxemburger Privatbanken. © KPMG

So seien die Kosten, die bei den Privatbanken anfallen, deutlich gestiegen: Regulatorik, Digitalisierung, mehr Konkurrenz durch neue Mitbewerber aus anderen Sektoren und der Fachkräftemangel machen sich bei den Ausgaben bemerkbar. Die kritische Masse an verwaltetem Vermögen, die eine Privatbank für ein profitables Geschäftsmodell braucht, ist laut der Studienautoren von 5 auf 10 bis 12 Milliarden Euro gewachsen.

Entwicklung der Finanzmärkte begünstigt Anstieg des verwalteten Vermögens

Dass das verwaltete Vermögen von 508 auf fast 600 Milliarden Euro gestiegen ist, ist zwar eine gute Nachricht, aber auch hier liegt der Teufel im Detail: Denn ein großer Teil der Vermögenszuflüsse rührte auch 2021 noch von der guten Entwicklung der Finanzmärkte her. In der Studie wird die Summe der Nettogeldzuflüsse auf rund 28 Milliarden Euro geschätzt, während die Entwicklung an den Finanzmärkten etwa 48 Milliarden Euro einbrachte. In 2022 dagegen sei schon jetzt abzusehen, dass die Zahlen sowohl für die Nettogeldzuflüsse als auch für die Marktentwicklung deutlich schlechter ausfallen werden.

Die Studienautoren analysierten auch die Zukäufe und Fusionen am Luxemburger Markt und machten 3 Gründe aus, nach denen die Institute handelten: 

  1. Größenvorteile, die unter anderem lokale Luxemburger Institute über ein größeres verwaltes Vermögen erreichen wollen
  2. Fokussierung, nach der sich große internationale Banken auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und andere Geschäftsbereiche abtreten
  3. Markteintritte in Luxemburg, bei denen ausländische Banken ihre Dienstleistungen vor Ort und von Luxemburg aus in ganz Europa anbieten wollen
Wie sich das in Luxemburg verwaltete Vermögen auf Kundengruppen verteilt.
Wie sich das in Luxemburg verwaltete Vermögen auf Kundengruppen verteilt. © KPMG

Die geologische Verteilung der Kunden Luxemburger Banken hat sich in 2021 nur kaum verändert: 19 Prozent kommen direkt aus Luxemburg, nochmals 19 Prozent aus direkten Nachbarländern und 48 Prozent auf andere europäische Länder. Insgesamt 86 Prozent des verwalteten Vermögens entfällt auf Europa, während die Relevanz von HNWIs und UHNWIs in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat. „Auf der anderen Seite muss festgestellt werden, dass diese Situation zwar stimulierend ist, aber auch eine Form der Abhängigkeit er Privatbanken von einer begrenzten Anzahl von Kunden schafft“, schreiben die Autoren.

Der „War for Talent“ ist auch in Luxemburg ein großes Thema

Weitere Einblicke liefert die Studie im Bereich Beschäftigung: Die Zahlen blieben stabil, besonders gefragt waren Experten aus dem Risikomanagement und der Compliance. Aber auch die Zahl gesuchter Investmentexperten hat zugenommen – laut der Analysten ein Anzeichen für den Qualitätsfokus vieler Banken. Schwierigkeiten bei der Suche nach neuen Arbeitskräften offenbaren sich aber immer häufiger. Die Talentlücke ist dabei das größte Problem, schildern die Befragten.

Die gesamte Studie mit weiteren Einblicken in ESG, Geschäftsmodelle, Investmentprodukte, Regulatorik sowie die Performance können Sie hier herunterladen.