UHNWI-Leiter Royal Bank of Canada „Mein Team hat keine Kunden“

Hermann Friedrich zu Leiningen betreut weltweit besonders wohlhabende Familien.  | © RBC

Hermann Friedrich zu Leiningen betreut weltweit besonders wohlhabende Familien. Foto: RBC

private banking magazin: Herr zu Leiningen, Sie betreuen reiche Unternehmer, Erben und deren Familien. Wie kann man besonders Wohlhabenden helfen?  

Hermann Friedrich zu Leiningen: Ich arbeite in einem Team, das die 300 weltweit wichtigsten Kunden der Royal Bank of Canada (RBC) betreut. Die Einheit heißt RBC Enterprise Strategic Client Group. RBC ist die größte Bank in Kanada. Viele dieser Kunden betreiben eigene Unternehmen. Wir haben es mit großen Familien zu tun, mit sehr komplexen Strukturen. Und wir sorgen dafür, dass die Bank den Bedürfnissen der Kunden optimale Lösungen gegenüberstellt.

Was für Lösungen sind das?

zu Leiningen: Wir unterstützen unsere Kunden bei sämtlichen Fragen der Vermögensverwaltung, im Private Banking, bei Finanzierungsvorhaben und auch, wenn sie ihr Geschäft verkaufen oder ein anderes Unternehmen erwerben möchten.

Wo führen sie Ihre Reisen hin, wenn Sie einmal nicht im Büro in Toronto sitzen?

zu Leiningen: Mein Team hat keine eigenen Kunden. Vielmehr sorgen wir dafür, dass die Großkunden der Bank mit sämtlichen Dienstleistungen unseres Unternehmens vertraut sind und Zugang zu den für sie optimalen Lösungen haben. Dazu greifen wir auf ein großes Netzwerk von Partnern in Europa und Nordamerika zurück und bringen beide Seiten zusammen. Das sind auch häufig meine Reiseziele.

Eine Studie hat gezeigt, dass vor allem in Asien die Zahl der Hochvermögenden schneller wächst als in den USA. Was treibt besonders vermögende Asiaten um? 

zu Leiningen: Etwa 80 Prozent unserer Gesprächspartner wohnen in Kanada, gleichzeitig treffen wir weltweit auf eine wachsende Nachfrage, etwa in Asien. In der Regel haben unsere Gesprächspartner in ihren Heimatländern Zugang zu umfassenden Bankdienstleistungen. Das reicht vielen aber nicht aus. Wir führen immer wieder Gespräche mit Personen und deren Familien, die ihr Gegenparteirisiko reduzieren beziehungsweise auf mehrere Finanzinstitute verteilen wollen. Sie suchen nach Sicherheit, Stabilität und nach den besten Lösungen. Wir helfen Ihnen dabei.

Sie verdienen sicher gut damit?

zu Leiningen: Mein Team und ich arbeiten nicht profitorientiert. Uns ist es wichtig herauszufinden, was das Beste für den Kunden ist. Mancher möchte sich einen Weinberg zulegen und konsultiert uns mit diesem Anliegen. Andere wollen Immobilien kaufen. Um die Kundenbedürfnisse zu befriedigen, greifen wir auf unser Netzwerk zurück und knüpfen Kontakte. 

Wie wichtig ist Ihren Kunden Kapitalerhalt?

zu Leiningen: Die Ziele von besonders wohlhabenden Europäern und asiatischen Bankkunden gehen auseinander. Aber es gibt einen Aspekt, der alle vereint. Der Kapitalerhalt ist für diese Familien von zentraler Bedeutung und damit wichtiger als hohe Renditeziele. Und diesen Eckpfeiler sehen wir in sämtlichen Regionen weltweit. Ein Unterscheidungsmerkmal ist jedoch die Geschichte der einzelnen Family Offices.

Wie meinen Sie das?

zu Leiningen: Die Geschichte von Family Offices reicht im globalen Vergleich besonders weit zurück, manchmal über mehr als 200 Jahre hinweg. Die Verwalter der Familienvermögen sind in jeder Hinsicht professionell aufgestellt. Das sieht man zum Beispiel daran, dass sie Geschäftsführer für ihre Finanzen beschäftigen. Sie beschäftigen einen Geschäftsführer, der koordiniert, wie das Vermögen der Familie verwaltet werden.

Spielen dabei auch nicht-finanzielle Anlagen eine Rolle?

zu Leiningen: So ist es. Den Familien liegt die Aus- und Weiterbildung der nächsten Generation am Herzen. Den Familien geht es aber auch um Philanthropie. Ein Family Office fokussiert sich also nicht nur auf die reine Vermögensverwaltung, sondern sorgt auch für die Einhaltung und Administration von Themen, die sich in der Familie und aus ihrer Struktur heraus ergeben. Für viele Fragestellungen greifen die Familien auf Spezialisten zurück.