Erfahrungswerte aus der Praxis So konzipiert man ein Family Office

Peter Brock betreut Unternehmerfamilien als deren strategischer Berater und Family Officer in allen Fragen rund um das Familienvermögen.  | © Peter Brock

Peter Brock betreut Unternehmerfamilien als deren strategischer Berater und Family Officer in allen Fragen rund um das Familienvermögen. Foto: Peter Brock

Der Trend ist ungebrochen: Unternehmerfamilien errichten eigene Single Family Offices. Allerdings wird sich erst in den nächsten Jahren herausstellen, ob es für die Familien wirklich sinnvoll war, diesen Schritt der selbstbestimmten Vermögensverwaltung zu gehen. Der ultimative Test wird sein, ob die Performance der Family Offices mit allgemein anerkannten oder selbstbestimmten Benchmarks zumindest gleichziehen konnte. Dann wäre das Ziel des Vermögenserhalts über Generationen hinweg erreicht.

Leider gibt es auch zahlreiche, meist unprofessionell agierende Family Offices oder Familienbüros, die an diese Ziele nicht oder nur schwer herankommen. Der Grund dafür sind in der Regel die handelnden Personen. Darüber hinaus stehen dem Erfolg auch unzureichende Strukturen im Family Office oder eine ineffiziente Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern im Weg. 

Die Gründe für die Errichtung eines Family Offices sind vielfältig 

Aber lassen Sie uns zunächst die Beweggründe für ein eigenes Family Office näher beleuchten. Die wohl ureigenste Aufgabe eines Family Office ist in den meisten Fällen die Zusammenstellung und das koordinierte und professionelle Management aller Vermögenswerte einer vermögenden Privatperson oder einer Unternehmerfamilie. Gemeint ist hiermit die ganzheitliche Betrachtung aller Vermögenswerte. Angefangen bei liquiden Aktien oder Anleihen über eher illiquide Unternehmensbeteiligungen bis hin zu Kunstsammlungen.

In Kombination mit einem eigenen Finanz-Reporting und -controlling wird durch die Bündelung eine zentrale Koordination des Vermögens überhaupt erst ermöglicht. Dies ist häufig, neben dem Wunsch nach höchster Vertraulichkeit und Privatsphäre, die drängendste Anforderung.

Ein weiterer Grund, weshalb Family Offices bei vermögenden Kunden zunehmend gefragt sind, geht auf die Folgen der Finanzkrise zurück. Viele sind über die Performance und die Vorgehensweise von Finanzinstituten beim Verkauf von Anlageprodukten enttäuscht und wünschen sich eine unabhängige Beratung ohne eigene Agenda und ohne versteckte Gebühren.

Darüber hinaus spielt die zunehmende Konsolidierung in der Asset-Management-Branche hin zu immer größeren globalen Anbietern eine Rolle. Diese Entwicklung führt zu einer Standardisierung von einzelnen Anlageprodukten und geht einher mit einer für viele Marktteilnehmer undurchsichtigen Vielfalt sehr komplexer Produkte. Diese Produkte sind häufig nicht auf die individuellen Bedürfnisse des Anlegers abgestimmt.

Aber auch die hohe Komplexität der gesamten geopolitischen Situation, sowie deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die eigene Vermögensentwicklung spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle. Die Einschaltung eines Family Offices zur Koordination externer Berater und als Puffer zwischen Vermögensinhaber und Außenwelt erscheint zunehmend sinnvoll.

Wenn Familien Vermögen aufbauen, nimmt dabei in der Regel auch die Zahl der Personen in den nachfolgenden Generationen zu, wobei mehrere Familienstämme entstehen können. Das Problem: Würde man das Gesamtvermögen der Familienmitglieder nicht in einem gemeinsamen Family Office bündeln, würde es sich mit der Zeit in kleinere Tranchen aufsplitten.

In diesem Kontext darf nicht vergessen werden, dass aufgrund der zunehmenden Anforderungen an die Compliance der Finanzdienstleister nur bei größeren Vermögensteilen vorteilhaftere Konditionen erzielt werden können. Nur so lassen sich Skaleneffekten erzielen, wie sie von institutionellen oder semi-professionellen Anlegern angestrebt werden.