UHNWI-Leiter Royal Bank of Canada „Mein Team hat keine Kunden“

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Wohlhabende Familien in Europa gelten also besonders gut aufgestellt, wenn es darum geht, Vermögen für künftige Generationen zu erhalten. Wie ist das in anderen Erdteilen?

zu Leiningen: Inzwischen wollen auch zahlreiche Familien in Kanada ein Family Office gründen. In Asien verzeichnen wir eine ähnliche Entwicklung. Der Grund dafür ist häufig der Wunsch, einzigartige finanzielle Kompetenzen für die Familie aufzubauen. Sie suchen nach Kompetenz in Steuerfragen und juristischer Expertise. Und ein Family Office kann das alles organisieren.

Was raten Sie frischgebackenen Millionären? 

zu Leiningen: In Asien sehen wir, dass Unternehmer und ihre Familien über Nacht äußerst wohlhabend werden. Grund dafür kann der Verkauf ihres Unternehmens sein. Wenig überraschend existiert zu dem Zeitpunkt in der Regel kein Family Office, sondern es muss erst aufgebaut werden. Und wir helfen den Unternehmern auf diesem Weg, der sich neben der Vermögensverwaltung auch auf die Versorgung der nächsten Generation erstreckt. Wir erleben immer wieder, dass Familienmitglieder auf dem Weg in die Zukunft unterschiedliche Ziele verfolgen. Wir helfen ihnen dabei.

Wie tickt die junge Generation?

zu Leiningen: Die junge Generation hat natürlich eigene Ideen. In vielen Gesprächen hören wir, wie wichtig jungen Menschen heute die ESG-Faktoren sind. Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind vielen Nachkommen eine Herzensangelegenheit. Sie wollen sich an Unternehmen beteiligen, die nachhaltig denken und handeln, Gutes tun und sich um den Zustand ihrer Umwelt Gedanken machen. Die Philosophie der nächsten Generation entspricht also nicht unbedingt der der Eltern. Keine Frage, die junge Generation interessiert sich sehr für neue Technologien.

Ich überspitze mit folgendem Beispiel: Der Großvater ist als Minenbetreiber in Kanada zu Wohlstand gekommen, während die Nachfahren das umweltschädliche Unternehmen verkaufen?

zu Leiningen: Meiner Einschätzung nach denkt die nächste Generation unternehmerisch, investiert ihr Vermögen aber eher gemeinsam mit Gleichgesinnten in Private Equity und in Start-up-Unternehmen. Zwar haben wir kein besonders großes Private-Equity-Geschäft, aber auch hier kennen wir genau die richtigen Ansprechpartner.

Jetzt stapeln Sie aber etwas tief. Die Royal Bank of Canada hat über 1.300 Niederlassungen in Kanada und etwa 80.000 Angestellte in derzeit 55 Ländern.

zu Leiningen: Wenn wir in einem Segment nicht aktiv sind, von dem wir aber den Eindruck haben, dass es für viele Kunden interessant sein könnte, dann suchen wir einen Spezialisten – und kaufen das Unternehmen.

Machen Sie auch das bitte an einem Beispiel fest.

zu Leiningen: RBC-Kunden befürchten starke Marktschwankungen, die ihre Anlageziele unterminieren könnten. In diesem Segment hatten wir keine nennenswerte Expertise. Deshalb haben wir vom Canada Pension Plan ein Team eingestellt, das Strategien verwendet, bei denen die Volatilität besonders niedrig ist. 


Über den Interviewten: 
Hermann Friedrich zu Leiningen ist Geschäftsführer International Family Office Investments bei der Royal Bank of Canada. Der polyglotte Kanadier betreut besonders wohlhabende Kunden.