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Schwellenländer Turbulenzen in der Türkei

Lira unter Druck

Lira unter Druck: Infolge des Wechsels an der Spitze der türkischen Zentralbank hat die Währung des Landes massiv abgewertet. Foto: IMAGO / Xinhua

Mark Dowding, Chief Investment Officer

In einer ruhigen Woche an den entwickelten Märkten lenkten die Ereignisse in der Türkei die Aufmerksamkeit auf sich: Schlagzeilen machte die überraschende Entscheidung von Präsident Erdogan, den Chef der Zentralbank zu entlassen. Unter Naci Agbals Führung hatte die türkische Zentralbank die Zinsen in den vergangenen sechs Monaten um mehr als 800 Basispunkte angehoben und damit ihre Entschlossenheit gezeigt, die horrende Inflation zu senken. Marktteilnehmer begrüßten den Schritt mit einer Rally bei türkischen Vermögenswerten.

Erdogan selbst war jedoch noch nie ein Freund von höheren Zinssätzen, da diese die wirtschaftlichen Aussichten einschränken. In der Tat haben er und seine Entourage die Auffassung vertreten, dass hohe Inflation eigentlich das Produkt hoher Zinsen ist – sicherlich eine Theorie, die sich nur in den wenigsten Wirtschaftslehrbüchern findet.

Türkische Vermögenswerte geraten unter Druck

Folglich hat die Entscheidung, Agbal zu entlassen und Sahap Kavcioglu als neuen Notenbankchef zu ernennen, dazu geführt, dass Investoren türkische Vermögenswerte wieder fallenlassen. Sie fürchten einen politischen Kurs, der zu einer höheren Inflation, einer Flucht aus Kapitalanlagen sowie einer potenziellen Zahlungsbilanz- und Finanzierungskrise führen wird. Der Lirakurs stürzte nach Bekanntgabe von Erdogans neuer Notenbank-Rochade um bis zu 20 Prozent ab und die Spreads für Staatsanleihen weiteten sich umgehend um 150 Basispunkte aus.

Die Entwicklung zog andere Schwellenländer in Mitleidenschaft und brachte ihre Staatsanleihe-Renditen aufgrund der Flucht in Qualität leicht unter Druck. Im Großen und Ganzen ist der Schaden jedoch überschaubar.

Im neuen Quartal könnte es wieder zu einer stärkeren Nachfrage nach Risiko-Assets kommen, obwohl wir der Ansicht sind, dass die Spreads für Unternehmens- und Staatsanleihen sich weitgehend innerhalb einer festen Bandbreite bewegen dürften. Zu größeren Bewegungen könnte es jedoch an den Devisenmärkten kommen, sofern wir mit unserer Einschätzung richtig liegen, dass die Bewertungen hier noch größeren Spielraum haben.

Die Ereignisse in der Türkei erinnern an die Risiken, aber auch an die Chancen, die Schwellenländer-Anlagen bieten. Es zeigt sich, dass sich Wachsamkeit und Reaktionsschnelligkeit am Markt auszahlen – insbesondere dann, wenn Asset-Preise möglicherweise ohne fundamentalen Grund fallen und nur aufgrund von Ansteckungsängsten neu bewertet werden.