Strengere Kriterien und mehr Transparenz Bürgerstiftung Braunschweig richtet Nachhaltigkeitskonzept neu aus

Hat gemeinsam mit Kollegen und Nachhaltigkeitsexperten die neuen Kriterien erarbeitet: Ulrich Deissner, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Braunschweig

Hat gemeinsam mit Kollegen und Nachhaltigkeitsexperten die neuen Kriterien erarbeitet: Ulrich Deissner, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Braunschweig

Die Bürgerstiftung Braunschweig hat das Anlagekonzept ihres Bürgerstiftungsfonds (LU0945096450) überarbeitet. Der Anlageausschuss, in dem mehrheitlich Entscheider von Stiftungen sitzen, bestimmt ab sofort selbst, welche Titel als nachhaltig gelten und daher für ein Investment in Frage kommen.

Neu sind auch die Kriterien, die an potentielle Kandidaten fürs Portfolio angelegt werden. Dafür haben sich die Stiftungsverantwortlichen in längerer Vorarbeit immer wieder mit Experten der Imug Beratungsgesellschaft für sozial-ökologische Innovationen aus Hannover zusammengesetzt.

Flexible Kriterien

Herausgekommen sind eindeutige Faktoren, die zum Ausschluss bestimmter Aktien und Anleihen führen. Künftig fließen die Aspekte zukunftsfähige Ressourcennutzung, Energie, Teilhabe und Gleichberichtigung sowie Moral und Gerechtigkeit in den Allokationsprozess ein. Bei Bedarf kann der Anlageausschuss die Kriterien immer wieder anpassen.

„Damit können die Anleger in Unternehmen investieren, von denen sie wirklich überzeugt sind und so ihre Werte gezielt umsetzen“, sagt Ulrich Deissner, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Braunschweig. „Zugleich können sie den neuen Investmentprozess samt aller Kriterien jederzeit einsehen – das schafft Transparenz“.

Der systematische Investmentprozess des Bürgerstiftungsfonds umfasst zwei Phasen: Im ersten Schritt prüft das Fondsmanagement innerhalb eines Universums von mehr als 2000 Unternehmen des FTSE All World Developed Index, welche Wertpapiere die Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

Dazu gehören beispielsweise Unternehmen wie der dänische Windkraftproduzent Vestas, aber auch die Deutsche Telekom, die durch eigene nachhaltige Leistungen die Kriterien erfüllt. Auch die Schweizer Investmentbank Credit Suisse qualifiziert sich beispielsweise durch ihr soziales Engagement für ein mögliches Investment.

Nachhaltigkeit entscheidet

Im zweiten Schritt erfolgt eine fundamentale Bewertung der als nachhaltig ausgewiesenen Unternehmen. Basis dafür ist ein durch das Private Banking der Nord/LB entwickeltes Kennzahlensystem.  Das quantitative Screening beinhaltet fünf Faktoren: Bilanzanalyse, Unternehmensbewertung, Stimmung, Momentum und Technik.

Entscheidend bleibt allerdings das Nachhaltigkeitsscreening. So fällt etwa der US-Elektronikhersteller Apple aus dem System heraus, dem Arbeitnehmerrechtsverletzungen in der Lieferkette attestiert werden. Ebenso außen vor ist Eon, da der Energieversorger mehr als 33 Prozent seiner Umsätze in der fossilen Brennstoffindustrie erwirtschaftet.