Rendite und ESG vereinbaren Was jetzt für Anleihe-Fonds mit fester Laufzeit spricht

Greentech Festival in Berlin: Anleihenanleger wollen Erträge und Einfluss nehmen. | © Getty Images

Greentech Festival in Berlin: Anleihenanleger wollen Erträge und Einfluss nehmen. Foto: Getty Images

David Zahn, Leiter europäische Anleihen bei Franklin Templeton Fixed Income Group

In Zeiten, in denen die Zinsen in den meisten Teilen der Welt auf einem hartnäckig niedrigen Niveau verharren, sind Anleger nicht ausschließlich nach Erträgen aus. Immer mehr Anleger berücksichtigen ESG-Faktoren (Umwelt, Soziales, Governance) bei der Zusammenstellung der von ihnen gehaltenen Vermögenswerte.

Wir sind der Ansicht, dass Anleiheanleger nicht gezwungen sein sollten, sich zwischen ihren ESG-Überzeugungen und ihrem Interesse an Erträgen entscheiden zu müssen. Als Anlageverwalter achten wir darauf, Unternehmen in unseren Portfolios aufzunehmen, die sich im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit ESG-Themen zu eigen machen.

Aus unserer Sicht sind es zwei Bereiche, die den Menschen am meisten am Herzen liegen und die sich auch am leichtesten messen lassen: der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und der Wasserverbrauch. Wir wollen unseren Kunden die Chance bieten, sich mit ihren Investitionen an Unternehmen zu beteiligen, die bestrebt sind, bei CO2-Ausstoß und Wasserverbrauch deutliche Verringerungen zu erzielen. Vor diesem Hintergrund sehen wir uns genau an, welche Maßnahmen die Emittenten der Anleihen in unseren Portfolios ergreifen, um ihren CO2-Ausstoß zu verringern und weniger Wasser zu nutzen. Darüber hinaus setzen wir uns aus strategischer Perspektive mit den Unternehmen zusammen, um ihnen dabei zu helfen, zusätzliche Verbesserungen zu erzielen. Wir sind davon überzeugt: Der partnerschaftliche Dialog kann Unternehmen dahingehend unterstützen, dass sie größere Fortschritte erzielen als sie für sich alleine erreichen würden.

Eine der größten Problem ist dabei die Tatsache, dass es nach wie vor kaum Konsistenz bei den methodischen Ansätzen gibt, wie Unternehmen ihre ESG-Engagements dokumentieren. Wir sind der Ansicht, dass Unternehmen ihre strategischen Planungen in Bezug auf diese ESG-Themen noch deutlicher an ihre Stakeholder kommunizieren sollten – unter anderem auch an ihre Aktionäre und die Halter ihrer Anleihen. Die Erfahrung zeigt: Je mehr Anleger und Vermögensverwalter Strategien der Offenlegung fordern, desto mehr werden sich Unternehmen gezwungen sehen, Daten in einer einheitlichen und damit vergleichbaren Form bereitzustellen.

Intensiver Dialog verbessert Anlageergebnisse

Wenn es darum geht, Einfluss auf Unternehmen auszuüben, so haben in der Vergangenheit meist die Aktionäre an vorderster Front gestanden. Im ESG-Bereich hingegen spielen Inhaber von Anleihen eine zunehmend wichtige Rolle.

Anleiheanleger haben den Vorteil, dass Unternehmen Aktien in der Regel nur ein einziges Mal ausgeben, viele von ihnen Schuldtitel jedoch in regelmäßigen Abständen platzieren müssen. Daher stehen Anleiheemittenten regelmäßig vor der Herausforderung, dass sie sich dieser Art von Fragen seitens der Anleger stellen müssen. Unternehmen erkennen, dass die Zeichner ihrer Anleihen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft Anleihen des jeweiligen Unternehmens erwerben werden – und dass sie Wünsche der Anleiheerwerber berücksichtigen müssen. Wir gehen davon aus, dass ein intensiver Dialog mit den Unternehmen zu einer Aufwertung der Daten und Informationen für Anleger führen wird. Dadurch sollte sich wiederum eine erhöhte Transparenz über die Fortschritte einstellen, die in Bezug auf die verschiedenen ESG-Themen erzielt werden.

Was für Fonds mit fester Laufzeit spricht

Die Zinsen verharren weltweit auf einem hartnäckig niedrigen Niveau, was Anleger auf der Suche nach Erträgen vor Probleme stellt. In der Eurozone rechnen wir frühestens im Jahr 2022 mit steigenden Zinsen. Und in den USA gehen einige Marktbeobachter inzwischen davon aus, dass die Zinsen eher fallen dürften, bevor sie erneut ansteigen.

Dieses schwierige Umfeld hat ein neuerliches Interesse an sogenannten Buy-and-Hold-Strategien beziehungsweise Anlagestrategien mit fester Laufzeit hervorgerufen. Diese Strategien bieten eine vorab festgelegte Rendite über einen festen Zeitraum, etwa über fünf Jahre hinweg, wodurch auskömmliche Renditen praktisch festgeschrieben werden. Im aktuellen Umfeld kann eine Anlage mit fester Laufzeit das Durationsrisiko verringern, also die Exponierung gegenüber Veränderungen bei den Zinsen.

Anleger, deren Anleihen dem individuellen Anlagehorizont entsprechend fällig werden, wird es vermutlich nicht allzu sehr interessieren, wie sich die Zinsen in der Zwischenzeit entwickeln – solange sie die zu erwartenden Kuponzahlungen erhalten.