Modern Monetary Theory Extreme wirtschaftspolitische Vorschläge werden salonfähig

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman: Heftige Kritik an der Verheißung von MMT, die Regierung könne durch Drucken von Geld Defizite kostenlos „finanzieren“. | © Getty Images

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman: Heftige Kritik an der Verheißung von MMT, die Regierung könne durch Drucken von Geld Defizite kostenlos „finanzieren“. Foto: Getty Images

Sonal Desai, Ph.D. Chief Investment Officer, Fixed Income Group

Die MMT als zum Postkeynesianismus gehörende Theorie wird derzeit viel diskutiert. Jüngst war ich dabei, als an der Stanford University Professor Mark Duggan den Chef der US-Notenbank (Fed) Jerome Powell nach seiner Meinung zur Modern Monetary Theory (MMT) fragte. Die MMT ist immer wieder scharf kritisiert worden, darunter vom früheren US-Finanzminister Larry Summers, ein Demokrat, dem früheren Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) Kenneth Rogoff, vom Nobelpreisträger Paul Krugman sowie vom Wirtschaftswissenschaftler John Cochrane von der Stanford Universität. Zahllose Bücher und Artikel gibt es zu dem Thema, und sogar Fed-Chef Powell, der der MMT entschieden entgegentritt, gab in Stanford zu, dass sich die MMT nur schwer genau skizzieren lasse.

Ich stelle mir MMT als Sammlung vernünftiger Grundsätze vor – die allerdings drauf und dran sind, sich zu gefährlichen politischen Ideen zu verwandeln, was viele prominente Ökonomen alarmiert und auf den Plan ruft. Drei Eckpunkte machen die MMT aus: (1) Der Staat hat ein Monopol auf die Ausgabe der nationalen Währung. (2) Im Gegensatz zu privaten Haushalten oder Unternehmen unterliegt der Staat keinen Budgetbeschränkungen; ihm kann niemals das Geld ausgehen, da er Geld drucken kann. (3) Die Ausgabenkompetenz des Staates findet ihre Beschränkung erst dann, wenn die Inflation überhandnimmt.

MMT-Befürworter argumentieren, dass der Staat öffentliche Ausgaben und Steuern einsetzen sollte, um eine möglichst hohe Beschäftigungsquote und eine stabile, moderate Inflation zu erzeugen. Die meisten orthodoxen Ökonomen pflichten dem bei: Sofern ein Staat Investitionen in Bildung, Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung über ein deutliches Haushaltsdefizit finanziert, kann er damit das langfristige Wachstum ankurbeln, sodass die in dem Prozess entstandenen Schulden kein Problem darstellen.

Für MMT-Anhänger sind Staatsschulden vernachlässigbar

Doch für die Anhänger der MMT sind Staatsschulden nicht von Belang. MMT-Befürworter weisen darauf hin, dass Japan Schulden in Höhe von 240 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angehäuft hat – und keine Inflation aufweist. Für die MMT-Befürworter lehrt Japan eine wichtige Lektion, die in ihren Augen keinesfalls abschreckend wirkt, sondern als beispielhaft für die Industrieländer gesehen werden kann, deren Staatsverschuldung in den vergangenen 15 Jahren mit Ausnahme Deutschlands drastisch gestiegen ist.

Riesige Schuldenbestände müssen in den Industrieländern umgeschuldet und zugleich neue Defizite finanziert werden. Die Staatsausgaben für die Zinszahlungen in Bezug auf die aufgenommenen Schulden steigen enorm an.