Moderator, Sparringspartner & Co. Was ein Beirat fürs Family Office leisten kann

Prominente Family-Office_Beiräte (v.l.n.r.): Jürgen Fitschen (Deutsche Oppenheim Family Office), Heinrich von Pierer (Family Office Lennertz & Co.) und Arend Oetker (Focam Family Office).  | © Getty Images

Prominente Family-Office_Beiräte (v.l.n.r.): Jürgen Fitschen (Deutsche Oppenheim Family Office), Heinrich von Pierer (Family Office Lennertz & Co.) und Arend Oetker (Focam Family Office). Foto: Getty Images

Im Familienunternehmen haben sich Beiräte als Instrument praktizierter Good Governance seit langem bewährt. Zunehmend errichten Familien auch für ihre Family Offices Beiräte. Herausfordernde Kapitalmärkte und zunehmende Komplexität verstärken das Bedürfnis, das Investmentumfeld besser zu verstehen, Risikopotentiale frühzeitig zu erkennen und für Transparenz der Risiken Sorge zu tragen. Hier kann ein Beirat über das Tagesgeschäft des Family Office hinaus hilfreich sein, weil er institutionalisiert Expertise und Perspektive erweitert. 

Wie also sieht ein optimaler Beirat aus? Wie wird er richtig besetzt? Was kann er leisten?

Bestimmung von Sinn und Zweck

Grundsätzlich müssen die Aufgaben, die Funktionsweise und die mögliche Zusammensetzung eines Beirats dem hohen Individualitätsgrad jeder Familie - und damit auch jedes Family Office - entsprechen. Darüber hinaus sieht man in der Praxis allerdings, dass sich die Beachtung einiger grundsätzlicher Regeln empfiehlt, damit der Beirat erfolgreich im Sinne der Familie tätig sein kann.

Eine professionelle Besetzung erfordert in jedem Fall zunächst eine genaue Bestimmung von Sinn und Zweck des Beirats sowie der Aufgaben, die die einzelnen Beiratsmitglieder übernehmen sollen. Insbesondere ist die Frage zu klären, ob der Beirat auch als Anlageausschuss fungieren soll, so dass die fachliche Expertise der Beiratsmitglieder im Vordergrund steht. Oder ob zum Beispiel bei komplexen Familienstrukturen die Rolle als Moderator zentral ist.

Größere Nähe zum Family Office

Eine der grundsätzlichen Entscheidungen bei der Zusammensetzung des Gremiums ist, ob Familienmitglieder vertreten sein sollen. Eine Beteiligung der Familie ist zum Beispiel sinnvoll, wenn ein Familienzweig aufgrund des Größe des Gesellschaftsanteils oder weil er das Unternehmen führt, dominierend ist. Durch Partizipation im Beirat wird allen Zweigen eine größere Nähe zum Family Office ermöglicht. Dies gilt insbesondere, wenn der Beirat als Investmentausschuss fungiert und wichtige Entscheidungen über das Gesamtvermögen trifft.

Wichtig ist es auch, den Typ Beirat an den Vermögensträger anzupassen, denn hier gilt nicht das Prinzip „One size fits all“. Ein erfolgreicher Unternehmer empfindet „Senior-Alphatiere“ als seine natürlichen Ansprechpartner, ein junger Erbe mag sich von einem solchen Gremium möglicherweise eher eingeschüchtert fühlen. 

Zu ermitteln ist zudem, inwieweit der Beirat ganz wesentlich ein Gremium zur Unterstützung des Prinzipalen ist und eine Kontrollfunktion gegenüber dem Family Office wahrnimmt oder auch regelmäßiger Ansprech- und Sparringspartner für das Family Office sein soll. Letzteres ist insbesondere immer dann zu empfehlen, wenn der Zugang des Family Office zum Vermögensträger eher formal und selten ist, so dass der Beirat hier ein unkomplizierter, zusätzlicher Ansprechpartner sein kann.