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Investments in Zeiten des Corona-Virus Ein breit diversifiziertes Portfolio wird sich bewähren

Aktienhändler an der New Yorker Börse: „Auf Sicht von drei bis sechs Monaten gibt es Gründe, optimistisch zu sein. | © imago images / Xinhua

Aktienhändler an der New Yorker Börse: „Auf Sicht von drei bis sechs Monaten gibt es Gründe, optimistisch zu sein. Foto: imago images / Xinhua

Chris Iggo, Chief Investment Officer, Core Investments bei AXA Investment Managers

Erste Anzeichen einer Pandemieeindämmung in Verbindung mit einem Perspektivwechsel – weg vom wirtschaftlichen Schaden hin zu einer politisch stimulierten Erholung – könnten die Stimmung umkehren. Höhere Renditen, steilere Kurven, eine Erholung der Break-even Inflationsrate, sich verengende Credit Spreads und steigende Aktienkurse wären Teil einer Erholung.

Auswirkungen des Corona-Virus

„Anhaltende Skepsis lässt sich nicht verdenken – aber in China gibt es kaum neue Fälle, und der chinesische Aktienmarkt konnte zuletzt eine überdurchschnittliche Performance erzielen“, betont Iggo. Investoren sollten in Betracht ziehen, dass die Stimmung sich zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder bessern und der Markt entsprechend drehen wird. 

Die makroökonomischen Auswirkungen des Schocks dürften über die ersten beiden Quartale hinaus spürbar bleiben – ein signifikanter und historischer Rückgang des globalen Bruttoinlandsprodukts ist zu erwarten. „Die Unternehmen werden eine Zeit lang mit den Folgen zu kämpfen haben. Es könnte viele Monate dauern, bis sich das Verbraucherverhalten wieder normalisiert. Der Cashflow und die Ertragserwartungen werden monatelang beeinträchtigt sein. Einige Unternehmen werden das nicht überleben. Ich würde jedoch davon ausgehen, dass sich bis zum Ende des zweiten Quartals ein Szenario der Markterholung und eine verbesserten Anlegerstimmung einstellt“, so Iggo. 

Voraussetzungen für eine Markterholung

Zwei Voraussetzungen sind notwendig. Erstens müsste sich eine verlangsamte Infektionsrate in den Statistiken zeigen – in China geht sie bereits zurück. „Die Zahl der Neuansteckungen näherte sich in der vergangenen Woche der Nulllinie. Natürlich steht der Höhepunkt in Westeuropa und den USA noch aus, aber je nach den eingeleiteten Maßnahmen wird der Höhepunkt in den kommenden Wochen erreicht werden“, blickt der Experte voraus.

Zweitens müssten Investoren ihre Aufmerksamkeit auf die globale politische Reaktion lenken statt auf die negativen wirtschaftlichen Folgen. „Maßnahmen der Politik sind reflationär und könnten die Erholung beflügeln, sobald sie eintritt. Die Notenbanken weltweit haben wichtige geldpolitische Initiativen eingeleitet. Zinssätze wurden, wo möglich, gesenkt. Die Zentralbanken stellen enorme Mengen an Liquidität zur Verfügung, um Unternehmen zu unterstützen und ein funktionierendes Finanzsystem zu gewährleisten“, beobachtet Iggo. 

Angesichts der wahrscheinlich anhaltenden Verschlechterung der Kreditmärkte in den kommenden Wochen sind weitere Käufe von Vermögenswerten zu erwarten. Auch in Europa bröckelt der Widerstand gegen einen umfassenden Einsatz von außerordentlichen fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen. „Die EU wird unabhängig von ihren fiskalischen Regeln eine Ausweitung der Defizite zulassen. Vielleicht kommen wir sogar an einen Punkt, an dem die Zentralbanken die Schulden effektiv monetarisieren und den Regierungen erlauben, mehr Kredite aufzunehmen, ohne dass die Kreditkosten destabilisierend steigen. Niedrigere Zinssätze, billige verfügbare Kredite und Liquidität sowie fiskalische Anreize werden die Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Erholung zu gegebener Zeit schaffen“, erwartet Iggo.

Für die Erholung positionieren

Mit Blick auf die kommenden drei Monate schätzt der Experte, dass die Renditen von Staatsanleihen der europäischen Kernländer gegenüber dem aktuellen Niveau minimal ansteigen werden. Auch Aktien könnten eine starke Erholung erleben. Ein neuer Bullenmarkt sei allerdings nicht zu erwarten – die Aktienkurse werden sich vermutlich irgendwo zwischen den jüngsten Tiefstständen und den Hochs von Anfang Februar dieses Jahres einpendeln. Die Credit Spreads dürften ebenfalls viel enger ausfallen, obwohl der Kreditmarkt wahrscheinlich für einige Zeit mit steigenden Zahlungsausfällen zu kämpfen haben werde. „Auf Marktebene dürften Kredite in einer Erholungsphase besser abschneiden als Staatsanleihen. Trotz der schwierigen Situation ist es wahrscheinlich das Richtige, jetzt die Portfolio-Allokation über einen sinnvollen Zeithorizont anzupassen, um für die Erholung positioniert zu sein“, sagt Iggo.

Ein breit diversifiziertes Portfolio hat in den vergangenen Wochen ihren Wert unter Beweis gestellt. Staatsanleihen in den USA, Großbritannien und Europa mit 10-jähriger Laufzeit haben seit Mitte Februar Renditen erzielt, die einen Teil der Verluste, die an den Aktienmärkten entstanden sind, gemildert haben. Nur der Optionswert hat seitdem deutlich gelitten. „Ich gehe davon aus, dass die Renditen wieder steigen werden – wenn auch nicht geradlinig und in der Höhe durch die Intervention der Zentralbank und die anhaltende Risikoaversion der Anleger begrenzt“, so Iggo. Gleichzeitig könnten Rückschläge die Erholung bei Aktien und Krediten beeinträchtigen. Die Märkte könnten noch mehr fallen, bevor die Erholung einsetzt. „Aber auf Sicht von drei bis sechs Monaten gibt es Gründe, optimistisch zu sein“, so Iggo.