Investieren statt spekulieren Worauf es beim Value Investing ankommt

Uwe Furkert ist Geschäftsführer von Furkert & Schneider Private Asset Management | © Furkert & Schneider Private Asset Management

Uwe Furkert ist Geschäftsführer von Furkert & Schneider Private Asset Management Foto: Furkert & Schneider Private Asset Management

Von Marktunsicherheiten ist die Rede und von der Rückkehr der Volatilität. Die Börsenkurse werden ständig beeinflusst von Handelskonflikten mit den USA, Schuldenbergen in Südeuropa, dem Brexit, Inflationserwartungen, den Ankündigungen der Notenbanken und unzähligen anderen großen und kleinen Unsicherheiten. Doch wer bei der Aktienanlage sein Augenmerk auf kurz- und mittelfristige Kursverläufe und deren Volatilität legt, investiert nicht, sondern spekuliert.

Das ist ein legitimer Ansatz der Kapitalanlage, der kurzfristig zu interessanten Renditen führen kann – langfristig schafft es jedoch kaum ein Anleger, mit diesem Modell anhaltend erfolgreich zu sein. Markt-Timing spielt dabei ebenso wie die Psychologie der Märkte eine entscheidende Rolle. Der tatsächliche innere Wert des jeweiligen Aktienunternehmens eher nicht.

Das Unternehmen im Fokus

Beim Value Investing steht dagegen genau dieser innere Wert des Unternehmens im Fokus. Das Ziel dieses Investmentansatzes ist es, langfristig möglichst stabile Erträge aus dem Portfolio zu erzeugen, in dem nachhaltig erfolgreiche und daher im Wert steigende Unternehmen günstig gekauft und gehalten werden.

Typische Value-Investments sind durch mindestens eines der folgenden Elemente gekennzeichnet: Das Unternehmen befindet sich am Beginn eines Turnaround, weist ein Geschäftsmodell mit einem langfristigen Wachstum auf oder befriedigt mit seinem Angebot aus einer starken Marktstellung heraus einen nachhaltigen Grundbedarf.

Prägende Megatrends

Die Identifikation geeigneter Investitionsziele erfolgt aus einem kontinuierlichen Markt-Monitoring heraus, bei dem besonderer Fokus auf die prägenden Mega-Trends wie Digitalisierung, Industrie 4.0, Elektromobilität, Energiewende oder Demografie gelegt wird. Dabei muss man zwischen Trends unterscheiden, die einen echten gesellschaftlichen Wandel erzeugen, und Moden, die eher vorübergehende Phänomene darstellen.

In Bezug auf die identifizierten Trends stellt sich jeweils die Frage, welche Implikationen bringen diese mit sich? Wie verändern sich die Märkte, die Nachfrage und das Angebot? Zum einen gilt es im Sinne eines Ausschlussverfahrens zu fragen: Welche Produkte und Leistungen werden künftig nicht mehr benötigt? Welche Anbieter werden nicht mithalten können? Interessanter sind aber natürlich die Fragen: Welche Waren, Güter und Dienstleistungen werden aufgrund dieser Trends künftig mehr gefragt? Welche werden knapper? Und wer profitiert davon?

Ein Beispiel: Durch den demografischen Trend entstehen Mega-Cities, bei denen immer mehr Wohnraum auf begrenzter Fläche „gestapelt“ wird. Dadurch könnte etwa der Bedarf an Aufzügen und Rolltreppen steigen. Eine Investition in einen der führenden Hersteller entsprechender Systeme könnte also interessant sein.

Nicht immer ist das jeweils größte Unternehmen in der Branche oder dem Segment auch das beste Investment. Nicht selten sind die Großen bereits ausgewachsen. Ihr Wert ist zwar stabil und die Marktposition stark, doch das Wachstum ist begrenzt und die Gewinnmargen geringer. Es ist also der kleinere Automobilhersteller – mit der fortschrittlicheren, zukunftsweisenderen Strategie in Sachen Elektromobilität – unter Umständen dem nach Anzahl der verkauften Autos aktuell größten Hersteller vorzuziehen. Auch wenn dessen Wachstum über die vergangenen Jahre oder gar Jahrzehnte gut war.