Zölle der US-Regierung Widerstand im Handelsstreit lohnt sich

Holger Schmieding ist Chefvolkswirt der Berenberg Bank | © Berenberg Bank

Holger Schmieding ist Chefvolkswirt der Berenberg Bank Foto: Berenberg Bank

Stürzt Donald Trump Europa in eine neue Rezession? Seit der US-Präsident Anfang 2018 einige seiner gemäßigten Mitarbeiter gefeuert hat, fährt er eine wesentlich härtere und damit gefährlichere Gangart in der Außen- und Handelspolitik. Sein Handelskrieg gegen China und der lange Streit mit der Europäischen Union belasten unsere Konjunktur. Während deutsche Unternehmen in der monatlichen Ifo-Umfrage die aktuelle Lage weiterhin als außerordentlich gut bewerten, sind ihre Erwartungen an die Zukunft seit dem Beginn ernsthafter Handelsstreitigkeiten kräftig eingebrochen.

Handelshemmnisse erhöhen die Preise und bremsen das Wachstum. Zudem schränken sie den Wettbewerb und Innovationsdruck in einer Wirtschaft ein. Berücksichtigt man nur die direkten Schäden aller Maßnahmen der Beteiligten, ist ein Wachstumsverlust in den USA von etwa 0,1 Prozentpunkten mit einem Anstieg des Preisniveaus in vergleichbarem Umfang möglich. Die direkten Schäden in Europa wären weit geringer, in Asien dagegen ähnlich hoch.

Weit schwerer wiegt jedoch die allgemeine Unsicherheit, die Trump vor allem durch seine aggressiven Tweets ausgelöst hat. Dass bereits die bloße Sorge vor neuen Handelsschranken erhebliche Schäden anrichten kann, zeigt das Beispiel des Brexit. Die Angst, Großbritannien könne bald den freien Zugang zum EU-Binnenmarkt – seinem größten Absatzmarkt – verlieren, hat das Land seit 2017 in der Wachstumsliga der entwickelten Länder zurückfallen lassen: von einer Spitzenposition auf die hinteren Plätze.

Obwohl der Streit von den USA ausgeht, zeigen die allgemeinen Wirtschaftsdaten bisher dort – anders als in der Eurozone und in China – noch keine großen Schäden an. Denn in den USA überdeckt der Stimulus, den das Land sich derzeit leistet, nahezu alle anderen Einflüsse auf die Konjunktur. Im ersten Halbjahr wuchs die Wirtschaft mit einer auf das Gesamtjahr hochgerechneten Rate von 3,1 Prozent. Die Eurozone schaffte davon nur etwa die Hälfte. Diese Diskrepanz ist gefährlich. Auch wenn das US-Wachstum nicht nachhaltig ist, die starken Zahlen ermuntern den Präsidenten, an seinem harten Kurs festzuhalten.