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Gesundheitsmarkt In China baut sich eine neue Innovationswelle auf

Chinesische Rentner bei Tai Chi-Übungen: Aufgrund der Alterung seiner 1,4 Milliarden Einwohner hat China einen wachsenden Bedarf an Gesundheitsversorgung. | © imago images / Xinhua

Chinesische Rentner bei Tai Chi-Übungen: Aufgrund der Alterung seiner 1,4 Milliarden Einwohner hat China einen wachsenden Bedarf an Gesundheitsversorgung. Foto: imago images / Xinhua

Covid-19 stellt für die Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt eine Belastungsprobe dar. China hat aufgrund seiner raschen Erfolge bei der Eindämmung des Virus, aber auch im Hinblick auf seine führende Rolle bei der weltweiten Versorgung mit Medizinprodukten große Aufmerksamkeit erregt. In dem Land mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern kommt eine Welle von Innovationen im Gesundheitssektor in Gang – die Dynamik hat Ähnlichkeit mit den Anfängen des chinesischen Technologiebooms, der das Land weltweit an die Spitze geführt hat.

Chinas Gesundheitssektor erfindet sich neu

Bis zum Ausbruch von Covid-19 stand Chinas Gesundheitssektor weitgehend im Schatten des rasanten Aufstiegs der E-Commerce-Giganten Tencent und Alibaba. Doch nun rücken weitere strukturelle Trends in den Fokus, die eine neue Innovationswelle in China auslösen könnten: Aufgrund der Alterung seiner 1,4 Milliarden Einwohner hat China einen wachsenden Bedarf an Gesundheitsversorgung. Die Übernahme des westlichen Lebensstils etwa im Bereich der Ernährung trägt zur Zunahme von Krebserkrankungen, Schlaganfällen und anderen Krankheiten bei. Diese Trends sowie höhere verfügbare Einkommen lassen den Markt für die Gesundheitsversorgung wachsen.

Gleichzeitig öffnet das Land seine Kapitalmärkte immer weiter: Der wachsende Bedarf an Finanzmitteln im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) zieht steigende Investitionen in den Gesundheitssektor nach sich. Unternehmen des Gesundheitswesens sichern sich über die Kapitalmärkte die für Forschung und Entwicklung notwendigen Mittel. Die Börse in Hongkong hat ihre Zulassungsregeln überarbeitet, um Biotechnologiefirmen ohne Einnahmen die Börsennotierung zu ermöglichen, während das neu geschaffene Science and Technology Innovation Board (Star Market) in Shanghai Unternehmen, die bereits Gewinne erzielen, den Börsengang ermöglicht.

Peking drängt auf Innovation, Effizienz und Selbstversorgung

Chinas Regierung drängt auf Innovation, Effizienz und Selbstversorgung im Gesundheitswesen, um den steigenden medizinischen Bedarf zu decken. Die Politik setzt sich für Kostensenkungen ein und kümmert sich gleichzeitig um Produktqualität und -sicherheit. So fördert die chinesische Regierung Innovationen durch eine günstige Steuerpolitik für Unternehmen mit konsequenten F&E-Investitionen sowie durch einen stärkeren Schutz des geistigen Eigentums. Gefördert wird auch das Streben nach mehr Effizienz. So sollen Generika beschleunigt eingesetzt werden; ohne jedoch Kompromisse beim Behandlungserfolg einzugehen: China hat Bioäquivalenztests vorgeschrieben, bei denen Generika in der Qualität den Originalen entsprechen müssen. Zugleich hat das Land ein Programm zum Großeinkauf eingeführt, um die Preise für Generika zu senken.

Rasch vorankommen soll auch Chinas Politik der medizinischen Selbstversorgung. Insbesondere vor dem Hintergrund der Spannungen mit den Vereinigten Staaten hat Peking ehrgeizige Ziele für die Entwicklung fortschrittlicher Medikamente und Geräte vorgegeben, die Chinas Abhängigkeit von westlichen Märkten verringern und das Land gleichzeitig zu einem global wettbewerbsfähigen Akteur im Gesundheitswesen machen sollen.

Nicht zuletzt profitiert der chinesische Medizinsektor von einer Vielzahl im Ausland ausgebildeter chinesischer Wissenschaftler, die in der Heimat lukrative Jobs finden. Hochqualifizierte Rückkehrer treiben zusammen mit einer Vielzahl an einheimischen Talenten die Entwicklung von Arzneimitteln und medizinischen Geräten in China voran. Mittel- bis langfristig dürften sich chinesische Unternehmen dadurch von Nachahmern zu Best-in-Class-Akteuren entwickeln.