Erfahrungen in Schwellenländern ESG-Kriterien können Alpha-Quellen erschließen

Roger Merz ist seit 2010 Portfoliomanager bei Vontobel Asset Management.  | © Vontobel

Roger Merz ist seit 2010 Portfoliomanager bei Vontobel Asset Management. Foto: Vontobel

Der Markt für nachhaltige Anlagen boomt: Mittlerweile ist weltweit ein Viertel des verwalteten Vermögens unter Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG-Kriterien) investiert – ein Anteil, der jährlich um 12 Prozent wächst. Die Integration von ESG-Grundsätzen in den Anlageprozess kann, wenn man sie richtig angeht, zur Steigerung der Rendite beitragen. Allerdings lauern hier auch Fallstricke.

In Schwellenländern haben sich ESG-Anlagen als besonders erfolgreich erwiesen, vor allem im Rahmen eines Integrationsansatzes. Dabei werden bei Anlageentscheidungen neben finanziellen Faktoren auch systematisch ESG-Faktoren berücksichtigt, um die finanzielle Performance zu verbessern.

Warum Nachhaltigkeitsgrundsätze beim Anlegen eine Rolle spielen

Traditionell herrschte die Meinung, dass das Anlegen unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien auf Kosten der finanziellen Performance geht. Diese Bedenken wurden in den letzten Jahren durch eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien ausgeräumt, die eine positive Korrelation zwischen ESG und der finanziellen Performance von Unternehmen nachwiesen.

Eine Meta-Studie von Friede et al. (2015) über 2200 Einzelstudien bietet den umfassendsten Überblick über die Forschung zu diesem Thema. Sie stellte fest, dass ein überwiegender Anteil (52 Prozent) der Studien zu Aktienanlagen eine positive Beziehung zwischen ESG und der finanziellen Performance von Unternehmen nachwies. Lediglich 4 Prozent zeigten eine negative Beziehung auf.

Die Gründe für die kausale Beziehung zwischen robusten ESG-Praktiken und finanzieller Unternehmensperformance sind vielfältig. Die wichtigsten sind jedoch, dass Unternehmen mit höheren ESG-Ratings wettbewerbsfähiger sind, was zu höherer Profitabilität führt. Weiterhin sind diese Unternehmen weniger risikoreich, weil sie besser darin sind, unternehmensspezifische Risiken zu mindern. Dank dieser Eigenschaften sind sie weniger von Ereignissen betroffen, die den Aktienpreis negativ beeinflussen könnten. Kurz gesagt: Der effektive Einsatz von ESG-Faktoren im Anlageprozess kann eine Alpha-Quelle darstellen.