Nachhaltigkeitsexpertin von Danske Invest „Mit ESG setzt man auf die Gewinner von morgen“

Ulrika Hasselgren, Global Head of Sustainability & Impact Investment bei Danske Invest: „Nachhaltigkeit steht auf unserer Prioritätenliste ganz oben.“ | © Danske Invest

Ulrika Hasselgren, Global Head of Sustainability & Impact Investment bei Danske Invest: „Nachhaltigkeit steht auf unserer Prioritätenliste ganz oben.“ Foto: Danske Invest

Sie sind Global Head of Sustainability & Impact Investment. Welche Aufgaben umfasst dies?

Ulrika Hasselgren: In meiner Funktion sorge ich dafür, dass nachhaltige und ethische Aspekte als zentrale Bestandteile in die Investmentprozesse, -teams und -produkte unseres Hauses einfließen.

Liegt die Aufgabe Ihres Unternehmens nicht zuallererst darin, möglichst hohe Renditen für Anleger zu erwirtschaften?

Hasselgren: Natürlich ist es unsere Aufgabe, die Renditeziele unserer Investoren zu erreichen, beziehungsweise Anleger wirksam vor finanziellen Risiken zu schützen. Doch darüber hinaus ist Nachhaltigkeit ein immer wichtiger werdender Aspekt, der auf unserer Prioritätenliste ganz oben steht. Die Zeiten, in denen ESG-Fragen – also Environmental, Social und Governance – eher nebenher betrachtet wurden, sind in unserer Branche glücklicherweise vorbei. Und der Anspruch von Danske Invest ist es, diese Entwicklung maßgeblich mit voranzutreiben.

Was sind Ihre Beweggründe?

Hasselgren: Erstens besitzen wir Verantwortungsbewusstsein für gesellschaftliche Entwicklungen. Das bedeutet, dass wir bei Problemen nicht einfach weggucken, sondern an passenden Lösungen arbeiten, wo immer uns das möglich ist.

Zweitens entspricht diese Herangehensweise den Wünschen einer überwiegenden Mehrheit der Kunden. Anleger erwarten heutzutage von Investment-Managern, dass sie sich nachhaltig und ethisch verhalten – also genau so, wie man es auch von verantwortungsbewussten Bürgern verlangt.

Und drittens sind wir davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit und Rendite keine Gegensätze bilden. Stattdessen trifft genau das Gegenteil zu: Die Berücksichtigung von ESG führt langfristig zu stärkeren Erträgen.

Wie begründen Sie diesen Zusammenhang?

Hasselgren: Unternehmen, die großen Wert auf Nachhaltigkeit legen, werden in der Zukunft die erfolgreicheren Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Wenn man schon heute in ihre Aktien oder Anleihen investiert, setzt man somit auf die Gewinner von morgen und sichert sich eine höhere Chance auf steigende Kurse.

Wie sieht die konkrete Umsetzung von ESG bei Ihnen aus?

Hasselgren: Zunächst einmal ist es wichtig zu erwähnen, dass wir nur vereinzelte Branchen oder Tätigkeitsbereiche von vornherein kategorisch aus unserem Investitionsuniversum ausschließen. Hierzu zählen bestimmte Waffensysteme sowie Kraftwerkskohle und Teersand. Dieser Ansatz mag auf den ersten Blick verwundern, ist aber wohlbegründet: Denn nur wenn man sich Bereichen zuwendet, wo Verbesserungspotenzial besteht, lässt sich etwas Positives bewegen. Und genau das ist unser Ziel.

Haben wir Geld in ein Unternehmen angelegt, betätigen wir uns als aktive Investoren. Unsere Fondsmanager haben Zugriff auf eine Vielzahl intern und extern erstellter ESG-Daten, die zusätzlich zu den klassischen Finanzkennzahlen zur Beurteilung von Zielgesellschaften genutzt werden. Und wenn uns etwas nicht gefällt, sprechen wir das Unternehmensmanagement gezielt an und wirken aktiv auf Verbesserungen ein.

Und wenn Unternehmen nicht darauf reagieren?

Hasselgren: Das ist zwar die Ausnahme, aber dennoch kann es vorkommen. Dann spielen wir den Einfluss aus, den wir als oftmals großer Investor haben. Das bedeutet, dass kritische Themen beispielsweise auf der Hauptversammlung der Gesellschaften vorgetragen werden, damit auch andere Investoren informiert sind – und sich unserem Standpunkt gegebenenfalls anschließen können. Und natürlich nutzen wir auch unsere Stimmrechte, um Dinge in die aus unserer Sicht richtige Richtung zu lenken. Und falls dennoch keine Verbesserungen sichtbar werden, stoßen wir unsere Wertpapiere ab.

Hinzu kommt: Unsere Handlungen legen wir transparent offen. Hierzu erstellen wir regelmäßig einen Active Ownership Report, der online für jedermann abrufbar ist.

Funktioniert dieser ESG-Ansatz auch bei Anleihenfonds?

Hasselgren: Hier ist die Situation insofern verschieden gegenüber Aktienstrategien, als dass wir nicht Miteigentümer der Zielgesellschaften sind, sondern deren Fremdkapitalgeber. Eine Abstimmung auf Hauptversammlungen ist somit nicht möglich. Aber trotzdem suchen wir auch hier den direkten Dialog mit dem Management der Unternehmen und wirken gezielt auf Verbesserungen ein, wo immer diese notwendig sind.