Nachhaltige Hochzinsanleihen Externe Daten reichen für ESG-Analysen nicht aus

Mario Eisenegger:  „ESG-Daten von Hochzinsemittenten erfassen in der Regel nicht das komplette Bild.“ | © M&G Investments

Mario Eisenegger: „ESG-Daten von Hochzinsemittenten erfassen in der Regel nicht das komplette Bild.“ Foto: M&G Investments

Nachhaltigkeit ist eine Notwendigkeit, keine Wahl – auch in der Geldanlage. Darüber herrscht längst ein breiter Konsens, der sich durch die Pläne der EU hin zu einer grünen Finanzwirtschaft in den nächsten Jahren noch stärker durchsetzen dürfte. Die Kriterien für die Kernbereiche Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social, Governance, kurz ESG) spielen dabei eine zentrale Rolle.

Ihre Messung und Interpretation ermöglicht es, qualitative Aspekte zu beobachten und sowohl Managementstil als auch -schwerpunkte zu bewerten, um unternehmensspezifische Risiken zu minimieren. ESG-Überlegungen sind insbesondere für Emittenten von Hochzinsanleihen wichtig, die üblicherweise höher verschuldet sind. Positive oder negative Nachrichten verändern die Bewertung dieser Emittenten deutlicher als bei Investmentgrade-Anleihen.

Eine Studie von Barclays stellte vor kurzem fest, dass sich Hochzinsportfolios mit einer hohen ESG-Ausrichtung tendenziell überdurchschnittlich entwickeln. Dabei hat die Komponente der Unternehmensführung den größten Einfluss. Das ergibt intuitiv Sinn, da sich ein Darlehen an gut geführte Unternehmen, deren Interessen sich an den Anleiheninhabern ausrichten, normalerweise langfristig auszahlt. Allerdings ist nicht alles, was für den Aktienkurs gut ist, auch gut für das Kreditrisiko – wie sich zum Beispiel bei Unternehmen in Private-Equity-Besitz, die Anreize für eine maximale Fremdkapitalaufnahme und/oder hohe Renditen für die Anteilseigner schaffen, beobachten lässt.

Im Vergleich zur Unternehmensführung ist zwar weniger eindeutig, wie sich ökologische und soziale Faktoren auf die Wertentwicklung auswirken. Dennoch müssen Unternehmen die externen Effekte schlechter Umwelt- und Sozialpraktiken berücksichtigen. Kurzfristige Einsparungen durch Lohnkürzungen oder das Vermeiden von Sanierungs- und Investitionskosten werden durch den langfristigen finanziellen Schaden solcher Aktionen immer häufiger aufgehoben.

Anleger messen auch diesen Faktoren eine wachsende Bedeutung bei – und in Kombination mit der boomenden Big-Data-Entwicklung bringt das ein nie dagewesenes Ausmaß an Transparenz mit sich. Unangemessenes Verhalten wird schneller bestraft, da nun auch nicht-finanzielle Informationen jederzeit verfügbar sind und in Echtzeit gemessen werden können. Die weite Verbreitung sozialer Medien hat beispielsweise zur Folge, dass ein Unternehmen, das eine kontaminierte Mine in einer entlegenen Region Afrikas zurücklässt, möglicherweise keine Genehmigung für die Erschließung einer neuen Mine in Chile erhält.