Ende der lockeren Zinspolitik Warum Anleger sich jetzt für einen EZB-Schwenk rüsten sollten

Rät dazu, sich bereits jetzt auf eine veränderte Marktdynamik einzustellen: Jorgen Kjaersgaard von AB

Rät dazu, sich bereits jetzt auf eine veränderte Marktdynamik einzustellen: Jorgen Kjaersgaard von AB

Die EZB hat damit begonnen, den Umfang ihres großen Anleihenkaufprogramms („Quantitative Easing“, QE) zurückzufahren, indem sie die monatliche Summe von 80 auf 60 Milliarden Euro gesenkt hat. Angesichts verbesserter konjunktureller Aussichten und einer aufflackernden Inflation in Europa sind – größere politische Turbulenzen ausgeschlossen – weitere Kürzungen fast unumgänglich.

Dabei wird die Zentralbank alles tun, damit das  „Tapering” (Abschwächen) des QE-Programms sowohl umfassend angekündigt wird als auch schrittweise erfolgt. Den Währungshütern ist bewusst, dass Überraschungen vermieden werden müssen. Als die US-Notenbank Fed im Frühjahr 2013 die Märkte mit ihrer Ankündigung überraschte, in den kommenden Monaten ihr QE-Programm zurückzufahren, löste dies ein wahrhaftes Erdbeben am Anleihenmarkt aus: die 10-Jahres-Renditen für Treasuries sprangen um mehr als 1,3 Prozentpunkte nach oben.

Runter mit der Duration

Diese Erfahrung zeigt, wie hochnervös die Märkte auf den geringsten Hinweis auf eine Straffung der Geldpolitik reagieren. Wenn die Tapering-Vorankündigungen der EZB beginnen, sollten die Anleger mit einem sofortigen Anstieg der Renditen für Staatsanleihen rechnen. Das könnte dazu führen, dass die Negativrenditen der sichersten europäischen Anleihen ein Ende finden, und die Risikoaufschläge (Spreads) ansteigen. Wir glauben, dass Anleger ab Juni mit ersten Verlautbarungen der EZB rechnen sollten, selbst wenn die tatsächlichen Reduzierungen erst einige Monate später erfolgen.

Ein klares Signal der EZB abzuwarten könnte Anleiheninvestoren teuer zu stehen kommen. Wir raten daher dazu, sich bereits jetzt auf eine veränderte Marktdynamik einzustellen.

QE hat die Anleger dazu gezwungen, mehr Credit-Risiken einzugehen und auch längere Laufzeiten in Betracht zu ziehen. Das hat die Renditen der europäischen Anleihen bester Bonität eingedampft und die Zinskurve verflachen lassen. Somit erscheinen einige langlaufende Anleihen mit hoher Bonität derzeit als besonders anfällig. Anleger können sich entsprechend positionieren, indem sie langlaufende Anleihen zugunsten kurzfristigerer Papiere verkaufen. Damit schützen sie sich vor einer steileren Zinskurve und fallenden Kursen für Langläufer.

Mehr Flexibilität

 Selbst bei steigenden Renditen von Staatsanleihen bleibt der Ausblick für High-Yield-Papiere allgemein positiv. Die Konjunktur befindet sich im Aufschwung, die Verschuldungsgrade sind moderat und die Anzahl der Neuemissionen ist gering. Das Gros neuer Anleihen wird zur Refinanzierung bestehender Schulden verwendet. Daher dürften die Ausfallquoten kaum ansteigen. Und High-Yield-Anleihen entwickeln sich in einem Umfeld anziehender Konjunktur und steigender Zinsen meistens gut.

Der Markt ist in Bewegung. Anleihenanleger mit Fokus Europa und hoher Auswahlfreiheit bezüglich Sektoren und Bonitäten können dies für sich nutzen. Zu den wahrscheinlichen Profiteuren eines steigenden Zinsumfelds gehört der Finanzsektor. Hinzu kommt, dass die zugehörigen Emittenten nicht Bestandteil des EZB-QE sind und daher auch nicht unter einem „Tapering“ leiden sollten.


Über den Autor:
Jorgen Kjaersgaard verantwortet als Leiter des Bereichs Europäische Unternehmensanleihen bei AB alle Strategien, die mit Anleihen aus dem europäischen oder britischen Raum verknüpft sind. Zudem leitet er das Portfolioteam für europäische und britische Hochzins- und Investment-Grade-Anleihen.