Heikle Bewertungen Warum Risikokennzahlen mit Vorsicht zu genießen sind

Der Value at Risk des Dax: Hier sind alle Tagesrenditen aus 25 Jahren abgetragen.  | © Morningstar, eigene Berechnungen

Der Value at Risk des Dax: Hier sind alle Tagesrenditen aus 25 Jahren abgetragen. Foto: Morningstar, eigene Berechnungen

Wir schreiben das Jahr 2000. Das Computerproblem mit den zwei Nullen ist gemeistert. Das neuartige Internet weckt Fantasien, die Aktienkurse laufen prächtig. Von Crash-Gefahr keine Spur. Die Schwankungsbreite der Aktienmärkte ist gering, alles ist ruhig. Drei Jahre später liegt der Aktienmarkt in Trümmern, Anleger haben viel Geld verloren und schwören, nie wieder eine Aktie anzufassen.

Einer Faustregel zufolge wirken Verluste im Kopf doppelt so stark wie Gewinne. Das psychologische Phänomen nennt man auch Risikoaversion. Das ist ungefähr so, als würde man sich nach zwei Wochen Sonnenschein bei drei Tagen Regen mal so richtig über das miese Wetter aufregen.

Risikokennzahlen sollen Anlegern Angst nehmen und ihnen helfen, das Verhalten von Märkten und Fonds zu verstehen. Und zwar besser, als es nur mithilfe der Rendite möglich wäre. Deshalb spielen Risikokennzahlen in der Fondsanalyse eine nicht wegzudenkende Rolle. Sie zeigen nicht, wie viel Rendite ein Fonds erreichte, sondern, wie er sie erreichte. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Denn ein großer Mangel ist nun mal da: „Die Zahlen der Vergangenheit sind ein Anhaltspunkt dafür, wie sich ein Fonds in Zukunft verhalten könnte, aber keine Garantie“, sagt Natalia Wolfstetter, Direktorin in der Fondsanalyse bei Morningstar.

Nehmen wir einmal die Volatilität, also die Mutter aller Risikokennzahlen, wie sie der heute bei Porsche arbeitende Risikospezialist Paul Skiba einmal nannte. Die Vola gibt an, wie weit die einzelnen Tages-, Wochen- oder Monatsrenditen von ihrem Mittelwert abweichen. Die Erkenntnis: Je niedriger die Vola, desto ruhiger läuft ein Fonds. Das ist einfach, klar und deutlich. Am besten nutzt man die Vola, um ähnlich gelagerte Fonds zu vergleichen. Sie bewegen sich im selben Marktumfeld, was die Vola zu einem guten Indikator macht, welcher Manager besser damit umgehen kann.

Heikel ist es indes, Märkte zu bewerten. Zum Beispiel jetzt: Der letzte echte Aktien-Crash ist über zehn Jahre her. In viele Vola-Rechnungen fallen maximal noch die Eurokrise ab 2010 und der wackelige Herbst 2015. Wenn man aber weiter in die Vergangenheit blickt, erhält man plötzlich ganz andere Werte.