Dodd-Frank Act Banken sollten über eine agile Infrastruktur verfügen

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Das Thema Dodd-Frank ist ähnlich gelagert: Für den Fall, dass die Regulierung in den USA gelockert wird, dürften die dortigen Finanzinstitute einen erheblichen Wettbewerbsvorteil genießen. Dies insbesondere deswegen, weil viele internationale Banken auf die seinerzeitige US-Gesetzgebung mit einem Ausschluss aller US-Kunden reagiert haben.

So wurden zur Vermeidung der Implementierung von Dodd-Frank die Beziehungen gekappt zu natürlichen US-Personen, US-Unternehmen, US-Niederlassungen und Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen sowie mehrheitlich von US-Personen gehaltenen Fonds . Diese Kunden könnten auch im Falle der Abschaffung von Dodd-Frank nicht mehr zurückgeholt werden, da sie nun wiederum von EMIR und weiteren Regelungen betroffen wären.

Dazu kommt ein grundsätzlich hohes Maß an Unsicherheit – denn während Dodd-Frank bereits implementiert ist, befinden sich EMIR und entsprechende lokale Initiativen, wie FinFraG in der Schweiz, noch in der Implementierungsphase. Sind entsprechende Projekte nun zu stoppen oder zu strecken? Kann man als Themenverantwortlicher einer Bank hoffen, dass europäische und nationale Gesetzgeber die potentielle Rolle rückwärts der USA nachvollziehen? Oder muss man schlimmstenfalls einen Rückbau der bereits aufgesetzten Dodd-Frank-Elemente planen? Banken, die sich entschieden haben, US-Personen weiter zu bedienen, müssten ja mit weiteren Kosten für die Rückimplementierung sprich Anpassung von Systemen, Prozessen, Richtlinien und weiteren Aspekten rechnen.

Betriebsplattform modernisieren

Das Hü und Hott rund um das Thema Dodd-Frank zeigt, wie dynamisch sich Regulierungsgerüste entwickeln können. Da heutzutage kaum ein Vorstoß der nationalen oder gar internationalen Behörden ohne entsprechende IT- und Prozessanpassungen umsetzbar ist, ist dies gleichzeitig ein klares Zeichen, dass der interne regulatorische Rahmen von Banken einer grundsätzlichen Überprüfung bedarf.

Wenn jede regulatorische Initiative extensive und damit teure und riskante Softwareanpassungen nach sich zieht, ist es aus unserer Sicht an der Zeit zu überlegen, wie man als Unternehmen die Betriebsplattform so modernisieren kann, dass im Idealfall regulatorische Module flexibel an- und abgedockt werden können.

So sind typische Anforderungen wie beispielsweise die Meldung bestimmter Kunden oder Transaktionen prinzipiell über generische technische Module realisierbar. Mithilfe entsprechender Regelwerke lassen sich die notwendigen Daten aus den Systemen extrahieren, aufbereiten und in definierten Formaten ausgeben. Neue Vorschriften seitens der Aufsichtsbehörden könnten in einem solchen Modul durch Anpassung der internen Regelwerke rasch aufgesetzt werden.

Was ist zu tun?

So wichtig eine solche Systemmodernisierung auch ist: Die mögliche Rolle rückwärts bei Dodd-Frank wird sicherlich vor dem Umbau erfolgen. Was ist nun zu tun? Die Empfehlung an die Betroffenen ist, den aktuellen Implementierungen nicht die Geschwindigkeit zu nehmen. Denn selbst, wenn Dodd-Frank abgeschafft oder gelockert wird, so wird die europäische Kommission sicherlich nicht unmittelbar die lokalen Regulierungen ändern.

Zudem ist es aus unserer Sicht empfehlenswert, aus Eigeninteresse und zum Anlegerschutz die bereits implementierten oder vorgesehenen Vorkehrungen beizubehalten und umzusetzen. Zumal sich beispielsweise in der Fondsbranche die Implementierung von bilateraler Besicherung bei nicht geclearten OTC-Derivaten unabhängig von EMIR-Fristen bereits als fest verankerte Handelsabwicklung, also als sogenannte Marktusance, etabliert hat.

Dennoch sollte dieser Ausweichschritt ein Weckruf sein: Wenn vermeintlich globale Regulierungen eine solche Volatilität zeigen, tut man als betroffenes Institut gut daran, über die Implementierung einer möglichst agilen Infrastruktur nachzudenken und den passenden Soundtrack selbst zu wählen.

Über die Autorin:
Mariam Rostamzada ist Senior-Projektmanagerin beim Beratungsunternehmen Consileon und betreut dort vor allem regulatorische Projekte.