Deutsche Bank und Partners Group „Der Eltif ist eine größere Innovation“

Dierk Müller (l.), Lars Fahnenbrock (Mitte, beide Deutsche Bank) und Markus Pimpl: Die drei sind vom Potenzial des neuen Eltif-Regimes überzeugt. | © Deutsche Bank, Partners Group

Dierk Müller (l.), Lars Fahnenbrock (Mitte, beide Deutsche Bank) und Markus Pimpl: Die drei sind vom Potenzial des neuen Eltif-Regimes überzeugt. Foto: Deutsche Bank, Partners Group

private banking magazin: Nur die wenigsten Banken bieten hierzulande ihren vermögenden Privatkunden Private Equity an. Bedarf wird es im Niedrigzinsumfeld doch geben. Was ist also los?

Lars Fahnenbrock: An der Nachfrage liegt es sicherlich nicht. Unsere Wealth-Management-Kunden sind oftmals Unternehmer, die gerade unternehmerische Beteiligungen direkt nachfragen. Unsere letzte Private-Equity-Lösung liegt aber über ein Jahr zurück. Der deutsche Markt bot wenige Private-Equity-Transaktionen. Zudem wurde aufgrund der zunehmenden Regulierung eine Umsetzung zunehmend schwierig. Uns im Wealth Management war immer klar, dass wir neben klassischen Investmentthemen auch weniger korrelierte Produkte benötigen, die nicht so sehr täglichen Marktschwankungen unterliegen. Dazu gehört auch Private Equity.

Nicht wenige Unternehmer könnten sich auch direkt beteiligen. Benötigen Sie tatsächlich weitere Private-Equity-Produkte?

Fahnenbrock: Wir bekommen schon mit, dass viele Unternehmer Direktinvestments mit einem oder mehreren Bekannten tätigen. Gleichzeitig suchen sie aber oft noch ein breiteres Private-Equity-Angebot, weil sie entsprechende Investments nicht in der Vermögensverwaltung oder Anlageberatung bekommen.

Warum halten sich viele Private-Banking- Anbieter dann mit Angeboten zurück?

Dierk Müller: Das dürfte ein Ressourcen- Thema sein. Viele Banken tun sich bei Private Equity schwer, weil es vieler Research- Kapazitäten bedarf. Um Ihnen eine Idee zu geben: Im Wealth Management der Deutschen Bank arbeiten im Bereich Global Production Solutions über zwanzig Researcher. Das ist eine sehr intensive und aufwendige Arbeit, nicht erst seit Mifid II. Allein für einen Ucits-Fonds benötigen wir für die Produktauswahl und -prüfung, die Due Diligence, drei bis vier Wochen. Bei illiquiden Investments können daraus schnell zwei Monate oder mehr werden, da wir uns Firma, handelnde Personen und Produkt genauestens ansehen.

Fahnenbrock: Und es geht um die Qualitätssicherung. Man kann natürlich in einen Private-Equity-Manager beziehungsweise -Fonds aus den USA investieren, aber damit haben Sie noch keine Reporting-Standards und damit Transparenz für den Kunden sichergestellt. Hinzu kommt der Aufwand auf der Beratungsseite, denn natürlich müssen wir die Wealth Manager unseres Hauses speziell schulen, weil es sich um ein komplexeres Produkt handelt.

  Quelle: LGT Private Banking Report 2016

Nun holen Sie eine Private-Equity-Lösung auf Ihre Produktplattform, gar in der neuartigen Struktur eines European Longterm Investment Funds, kurz Eltif. Ein hoher zusätzlicher Aufwand.

Fahnenbrock: … der sich lohnen wird. Wir wollten ein Produkt, bei dem unsere Kunden genau verstehen, in was sie investieren und wie die Gebührenstruktur ist. Das ist einer der Vorteile des Eltif. Zudem ist der Fremdkapitaleinsatz, das Hebeln, begrenzt. Das kommt der Wealth-Management- Klientel auf alle Fälle entgegen. Zudem ist es uns wichtig, einen Partner zu finden, der alle Transparenz-, Kosten- und Reporting-Anforderungen erfüllen kann.

Herr Pimpl, die Partners Group hat sich früh mit dem Eltif-Thema beschäftigt. Ist man besonders mutig?

Markus Pimpl: Wir haben an uns seit jeher den Anspruch, jedermann das Anlegen in Private Markets durch Innovation im Bereich der Strukturierung zugänglich zu machen. Beim neuen Eltif-Regime waren wir von Anfang an überzeugt, dass es sich um eine größere Innovation handelt. Der Bankvertrieb von geschlossenen Fonds scheiterte in der Vergangenheit oftmals an technischen Problemen. Der Eltif macht diesen Prozess deutlich einfacher. Unsere Vision ist, dass sich das Produkterlebnis des Anlegers künftig fast schon an das eines klassischen Aktienfonds annähert, hingegen aber ein besseres Risiko-Rendite- Profil aufweist. Der Anleger bucht den Eltif-Fonds mit einer ISIN ins Depot und sieht das Eltif-Investment neben seinen anderen Portfoliobestandteilen.