Dank Generationswechsel Historische Landgüter Mallorcas kommen auf den Markt

Das Posesion Can Martorellet aus dem 15. Jahrhundert liegt in einem Tal zwischen Pollensa und Cala San Vicente. | © Engel & Völkers Mallorca North

Das Posesion Can Martorellet aus dem 15. Jahrhundert liegt in einem Tal zwischen Pollensa und Cala San Vicente. Foto: Engel & Völkers Mallorca North

Die Posesiones haben ihre Wurzeln im 13. Jahrhundert. Jaume I, König von Aragon und Katalonien, eroberte 1229 Mallorca von den Mauren zurück. Er unterteilte die Insel in verschiedene Gebiete und belohnte seine Getreuen mit Ländereien. Große landwirtschaftliche Güter entstanden und über die Jahrhunderte teilten die Eigentümer das Land weiter auf.

Viele der Landgüter waren lange Zeit autark. Die aristokratischen Eigentümer ließen beispielsweise Olivenöl und Wein herstellen, Getreide, Obst und Gemüse anbauen und hielten Nutztiere für die Versorgung mit Fleisch, Käse oder Wolle. Der Großteil der Posesiones findet sich rund um die Sierra Tramuntana. Denn in der Gebirgsregion gibt es zahlreiche Wasserquellen, die für die landwirtschaftliche Nutzung unentbehrlich waren.

Dank eines Generationenwechsels kommen mittlerweile nach und nach einige der Anwesen auf den Markt, wie eine aktuelle Auswertung von Engel & Völkers Balearen zeigt. Hauptkäufergruppe sind wohlhabende Europäer.

Aufbau einer traditionellen Posesión

Das Haupthaus einer mallorquinischen Posesión hatte traditionell drei Stockwerke: Die Küche der Bediensteten und deren Arbeitsräume lagen im Erdgeschoss. Im ersten Stock – Planta Noble genannt – befanden sich die Wohnräume der Gutsherren. Der Bereich unter dem Dach diente als Schlafquartier für die Arbeiter und wurde genutzt, um Lebensmittel zu trocknen.

Darüber hinaus verfügten die Anwesen über zahlreiche Nebengebäude wie zum Beispiel Stallungen sowie Gebäude für die Olivenölpresse oder die Weinherstellung. In der Regel besaßen die großen Landgüter außerdem eine eigene Kapelle für die Messe.

Angebot an Posesiones bleibt rar

Die Wohnfläche eines solchen Gutes beträgt oftmals mehr als 1.500 Quadratmeter und die gesamte Fläche des Anwesens in Einzelfällen mehr als 100 Hektar. Land sei auf Mallorca ein begrenztes Gut, sagt Florian Hofer, Geschäftsführer von Engel & Völkers auf den Balearen. „Immobilien dieser Größe können aufgrund strenger Bauvorschriften und Umweltschutzgesetze heutzutage nicht mehr gebaut werden.“ Auf diese Weise soll das Landschaftsbild Mallorcas bewahrt werden. Wer auf der Suche nach so einem Objekt sei, müsse daher eine Bestandsimmobilie erwerben, so Hofer.

Das Angebot an Posesiones bleibe trotz des Generationswechsels rar. Neben der Größe bestimmen Faktoren wie Lage, Zustand und Ausstattung den Preis. Einige historische Landgüter haben einen hohen Renovierungsbedarf, andere kommen hingegen komplett von Liebhabern modernisiert auf den Markt. Trotz der zurückgezogenen Lage der Posesiones inmitten der Natur lassen sich die nächsten Ortschaften oder der internationale Flughafen von Palma oft in nur wenigen Autominuten erreichen.

Zwei Käufergruppen

Die Käufer seien meist vermögende Geschäftsleute aus Europa im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Sie haben eine Passion für geschichtsträchtige Immobilien und schätzen an den Posesiones die Privatsphäre, den Platz sowie den Panoramablick auf Berge oder Meer. Ein zusätzliches Kaufargument sei für Interessenten die Möglichkeit, dort eigenen Wein, Honig oder Olivenöl herstellen zu können.

Investoren seien eine weitere Käufergruppe. Für sie stehe die Nutzung der ehemaligen Landgüter als Hotel oder Eventlocation mit traditionellem Charme im Vordergrund.