Zwischen Segen und Seuche Wie wir die digitale Revolution besser verstehen

Fordert einen neuen Ansatz, um die digitale Revolution und ihre Auswirkungen zu verstehen: Benoit Flamant von Finaltis

Fordert einen neuen Ansatz, um die digitale Revolution und ihre Auswirkungen zu verstehen: Benoit Flamant von Finaltis

Wir leben in einem Zeitalter massiven Umbruchs, verursacht durch Digitalisierung. Manche nennen diesen Wandel „4. industrielle Revolution”, andere sind mit dieser Bezeichnung nicht einverstanden. Die Enthusiasten meinen, dass sich die digitale Revolution beschleunigt und denken dabei an die Weizenkornlegende von Sissa ben Dahir, dem die Erfindung des Schachspiels nachgesagt wird und der angeblich Minister am Hof von König Shihram in Indien war.

Der Legende zur Folge, wollte der König seinen Minister für die Einführung in die Schachspielkunst belohnen und bat Sissa einen Wunsch zu äußern. Sissa bat um ein Weizenkorn auf das erste der Schachfelder, die doppelte Menge auf dem nächsten Feld, also zwei auf dem zweiten Feld, vier auf dem dritten Feld, acht auf dem vierten Feld und so weiter.

Eine Zeit lang ging alles gut, bis der König erkannte, dass er das Schachbrett nicht würde ausfüllen können, da für das 64. Feld vermutlich eine Weizenmenge größer, als das 6-fache Gewicht aller Lebewesen auf der Erde notwendig wäre, um dem Wunsch nachzukommen.

Den Enthusiasten zur Folge sind wir jetzt etwa in der Mitte des Digitalisierungs-Schachbretts angekommen und befinden uns an jenem Punkt, wo die Beschleunigung einer Exponentialkurve am sichtbarsten wird. Die jüngsten wissenschaftlichen Durchbrüche der künstlichen Intelligenz, illustriert etwa durch den Sieg von Googles Deep Mind im Go-Spiel, welches als Symbol der unerreichbaren menschlichen Intelligenz galt, beflügeln umso mehr deren Überzeugung.

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Spiegelbildlich dazu glauben andere, dass die Digitalisierung der Wirtschaft in keinster Weise mit vorherigen industriellen Revolutionen verglichen werden kann. Robert Gordon, ein häufig zitierter Technologie-Skeptiker, Buchautor von „The Rise and Fall of American Growth”, führt an, dass in der Periode von 1870 bis 1970 ein einzigartiger ökonomischer und gesellschaftlicher Fortschritt erzielt wurde.