Weltweit fünftgrößte Wirtschaftsmacht Indiens Steuersenkung kommt zum richtigen Zeitpunkt

Indiens Regierungschef Narendra Modi (m): Waren sollen künftig weniger importiert, sondern vor Ort gefertigt werden. | © Getty Images

Indiens Regierungschef Narendra Modi (m): Waren sollen künftig weniger importiert, sondern vor Ort gefertigt werden. Foto: Getty Images

Die Senkung der Körperschaftsteuer durch die Regierung Modi für heimische Unternehmen von 30 Prozent auf 22 Prozent sendet ein starkes Signal aus: Die indische Regierung will das indische Wirtschaftswachstum ankurbeln und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmenssektors steigern.

Der Hintergrund: Das Wirtschaftswachstum in Indien verlangsamt sich. Im zweiten Quartal 2019 wuchs das BIP um knapp 5 Prozent. Dies war das fünfte Quartal in Folge mit rückläufigem Wachstum, meldete das Indische Ministerium für Statistik. Das Wachstum in Indien fiel damit hinter China zurück, dessen Wirtschaft nach Angaben der Nationalen Statistikbehörde Chinas im zweiten Quartal um 6 Prozent wuchs.

Im unmittelbaren Nachgang der Steuerankündigung vom 20. September reagierte der indische Aktienmarkt positiv auf die Neuigkeiten, und die indische Rupie legte zu. Wir rechnen auf kurze Sicht mit einer weiteren Steigerung der Gewinne. Die Anleihenmärkte hingegen verloren an Boden, weil befürchtet wird, dass die indische Regierung sich jetzt mehr Geld leihen muss, um ihre Ausgaben bei geringeren Einnahmen zu decken.

Aus makroökonomischer Sicht könnten die vorgeschlagenen Anreize die Regierung nicht so viel kosten, wie es den Anschein hat. Die Steuersenkungen würden der Regierung nach Schätzungen eine Finanzierungslücke von rund 20 Milliarden US-Dollar bescheren. Unternehmen, die den neuen Steuersatz nutzen möchten, haben allerdings keinen Anspruch auf weitergehende Befreiungen. Daher dürfte sich der Nettobetrag der wegfallenden Steuereinnahmen eher auf lediglich rund 10 Milliarden US-Dollar belaufen.

Indien wird deutlich wettbewerbsfähiger

Nach unserer Einschätzung dürfte die Senkung der Körperschaftsteuer die Investitionstätigkeit ankurbeln und Indien somit von ausländischen Investitionen profitieren. Der indische Körperschaftsteuersatz liegt nun gleichauf mit Ländern der Region wie etwa Kambodscha, Taiwan, Thailand und Vietnam. Zudem ist der indische Körperschaftsteuersatz nun wettbewerbsfähiger als der chinesische Satz von 25 Prozent.

Die neuen, niedrigeren Körperschaftsteuersätze betreffen auch neue Fertigungsunternehmen. Betriebe, die ihre Tätigkeit zwischen Oktober 2019 und März 2023 aufnehmen, sind berechtigt, einen Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent anzuwenden. Dies ist mit der „Make in India“-Initiative von Premierminister Narendra Modi verknüpft. Das Programm, das Indien in einen globalen Fertigungsstandort verwandeln soll, gewinnt zunehmend an Fahrt. Mehrere Wirtschaftszweige dürften hiervon profitieren, insbesondere der Sektor für die Herstellung von Elektronikwaren.

So hat Samsung beispielsweise zu Beginn des Jahres die weltweit größte Smartphone-Fabrik in der Nähe von Neu-Delhi eröffnet, um die Geräte kostengünstig herstellen und die eigene Wettbewerbsfähigkeit am riesigen indischen Smartphone-Markt steigern zu können. Langfristig gesehen könnte sich durch die „Make in India“-Inititative ein erheblicher Anstieg des Anteils lokal hergestellter Produkte einstellen – was nicht zuletzt auch für die Leistungsbilanz Indiens Gutes verheißen sollte.