Anleihen Warum Schwellenländer jetzt ins Depot gehören

Verladung von Agrargütern in Brasilien: Schwellenländeranleihen machen sich für Anleger bezahlt.

Verladung von Agrargütern in Brasilien: Schwellenländeranleihen machen sich für Anleger bezahlt.

Anleger sind im Dilemma: Die Renditen von Industrieländer-Anleihen erreichen Rekordtiefs. Immer mehr Anleger scheuen davor zurück, langlaufende deutsche oder japanische Staatsanleihen zu kaufen, weil beide negative Renditen aufweisen. Es gibt daher gute Gründe für ertragsorientierte Anlagen in den Schwellenländern – die aufstrebenden Regionen werden Haupttreiber des weltweiten Wachstums in den nächsten Jahrzehnten sein. Schon jetzt kann es sich lohnen, in Staatsanleihen aus Indien, Indonesien, Mexiko und Brasilien anzulegen, wo die Renditen in einer Spanne von 6 bis 7 Prozent liegen.

Schwellenländer stemmen die Hälfte der Weltwirtschaft

Schwellenländer haben in den vergangenen Jahrzehnten einen dramatischen Wandel durchlaufen, bedingt durch demografische Entwicklungen, wachsenden Konsum und technologische Innovationen. Ehemals stark exportabhängige Länder haben inzwischen einen starken Binnenkonsum entwickelt. Aktien und Anleihen aus den Schwellenländern erscheinen daher chancenreich.

China ist ein exzellentes Beispiel für ein Schwellenland, das binnen weniger Jahrzehnte von einer Agrargesellschaft zu einer globalen Supermacht aufgestiegen ist. Doch China ist nicht das einzige aufstrebende Land. Die Schwellenländer haben gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) mittlerweile einen Anteil von mehr als 50 Prozent an der Weltwirtschaft, wie der Internationale Währungsfonds errechnet hat. Im vergangenen Jahrzehnt sind die Schwellenländer insgesamt schneller als die Industrieländer gewachsen, und ihr prognostiziertes BIP-Wachstum beträgt laut Internationalem Währungsfonds 2019 und 2020 mehr als das Doppelte der Industrieländer.

Chancenspektrum glänzt immer heller

Diese Entwicklung spiegelt sich auch im immer breiteren Spektrum der Staats- und Unternehmensanleihen. Die Anleihen können in lokalen oder „harten“ Währungen wie etwa US-Dollar, Yen oder Euro ausgegeben werden. Zum Vergleich: Das Universum der Schwellenländer-Anleihen ist von 0,3 Billionen US-Dollar im Jahr 1995 auf 21,5 Billionen US-Dollar 2019 gewachsen, kalkuliert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

Im Aktienbereich stellen die Schwellenländer nach MSCI-Angaben derzeit einen Anteil von etwas mehr als 17 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung von 80,9 Billionen US-Dollar. Mit der steigenden Gewichtung von Aktien der dynamischen Märkte in den wichtigen Benchmark-Indizes ergeben sich für Anleger weitere Chancen. So sind inländische chinesische Aktien nun sowohl im Schwellenländer-Index von MSCI als auch von FTSE stärker vertreten – und ihr Anteil dürfte weiter steigen. Zuletzt wurde auch der Status von Argentinien und Saudi-Arabien durch die Indexanbieter hochgestuft.

Aktien aus Schwellenländern waren in den letzten Monaten Schwankungen ausgesetzt, die vor allem auf Unsicherheiten rund um die Handelsgespräche zwischen den USA und China und die US-Geldpolitik zurückzuführen sind. Trotz der Unsicherheiten stützen die verbesserten Fundamentaldaten nach unserer Auffassung generell diese Anlageklasse. Zu diesen Fundamentaldaten gehören flexible Wechselkurssysteme, zunehmende Haushaltsdisziplin und stärkere Staatsbilanzen. Insgesamt halten wir die strukturellen Treiber der Schwellenländer-Aktien für weitgehend intakt, darunter den wachsenden Konsum und Technologie. Wir wollen in Unternehmen investieren, die eine nachhaltige Ertragskraft und eine potenzielle Widerstandsfähigkeit gegen Marktunsicherheiten aufweisen. Angesichts hervorragender Wachstumsaussichten bei gleichzeitig niedrigeren Bewertungen gegenüber Industrieländern ergeben sich aus unserer Sicht gute Gründe für Investments.

Lehren aus der Vergangenheit wurden beherzigt

Aus den diversen Krisen der Vergangenheit haben Schwellenländer gelernt: Ihre externen Schulden haben sie mittlerweile minimiert und sie konzentrieren sich auf ihren eigenen Binnenmarkt. Hierdurch haben sie ihre Widerstandskraft gegenüber externen Schocks erhöht. In der Folge ist bei Lokalwährungsemissionen generell eine überdurchschnittliche Bonität zu beobachten. Bemerkenswert: Die durchschnittliche Verschuldung der Schwellenländer sank trotz des raschen Wachstums bei der Emission von Lokalwährungsanleihen.

Lokalwährungsanleihen sind in aller Regel auch liquider als Hartwährungsanleihen, da inländische Anleger als Käufer intervenieren, selbst wenn ausländische Anleger aussteigen.

Wir bevorzugen ausgewählte Währungspositionen in Ländern, die gesunde oder sich verbessernde Fundamentaldaten sowie vielversprechende risikobereinigte Renditen aufweisen. In Indonesien beispielsweise erwarten wir weiterhin eine umsichtige, stabile Wirtschaftslenkung. Das Land hat in den vergangenen Jahren von stärkerem politischem Zusammenhalt und zunehmender Transparenz profitiert. Kontinuierliche Reformen zielen auf ein Gleichgewicht zwischen den Wachstumstreibern des Landes ab und könnten die Inlandsentwicklung beschleunigen.

Sicherlich hat Brasilien aktuell mit einigen Belastungen zu kämpfen, doch seine Zentralbank ist unabhängig und verfolgt einen orthodoxen geldpolitischen Ansatz. Die laufenden Reformen in Brasilien stellen einen wichtigen strukturellen Wandel dar, der aus unserer Sicht die binnenwirtschaftlichen Wachstumstreiber des Landes befeuern dürfte.

Aktive Allokation unabdingbar

Dies sind nur einige wenige Beispiele. Unsere langjährige Erfahrung bei Schwellenländer-Anlagen sagt uns, dass ein aktiver Allokationsansatz – unter Anwendung einer Top-down- und einer Bottom-up-Perspektive – zur Festlegung der Gewichtungen der Anlageklassen in einem Portfolio dazu beitragen kann, um die Risiken insgesamt zu erkennen.

Zugleich ermöglicht uns ein dynamischer Ansatz, langfristig am Ball zu bleiben – indem wir unser Engagement in den Anlageklassen nach unserem Ermessen basierend auf Faktoren wie Konjunktur- und Inflationsprognosen, Bewertungskennzahlen und historischen Risikoaufschlägen nach oben oder unten hin anpassen.