Allheilmittel Robo-Advisor? Wie die Digitalisierung gelingt

Uwe Krakau: | © Avaloq

Uwe Krakau: Foto: Avaloq

Die digitale Transformation sorgt auch in der Finanzdienstleistungsbranche für tiefgreifende Veränderungen. Eine Untersuchung des Fintech-Unternehmens Avaloq und der Unternehmensberatung Deloitte zeigt jedoch, dass es nicht zum Ziel führt, dem Digitalisierungstrend blind zu folgen. Vielmehr ist es für eine erfolgreiche Digitalisierung entscheidend, die neuen Technologien durchdacht einzusetzen.

Robo-Advisory als bewegliches Ziel

Ein Paradebeispiel für Digitalisierungsbestrebungen im Wealth Management liefern Robo-Advisors. Wie eine Robo-Advisory-Lösung im konkreten Fall aussehen muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es lohnt sich jedenfalls, bei der Ausgestaltung einer eigenen Lösung die folgenden vier Punkte zu beachten.

Um welche Zielgruppe geht es? Ein digitaler Robo-Advisor weist selbstverständlich eine höhere Verfügbarkeit auf als ein herkömmlicher, menschlicher Berater. Dieser Vorteil kommt im Grunde über alle Vermögensklassen hinweg zum Tragen. Betrachtet man aber die tatsächlichen Anwendungsszenarien, wird deutlich, dass aktuell die meisten Implementierungen auf das gehobene Massensegment ausgerichtet sind. Ihr Sinn ist es also oft, das Geschäft auszuweiten.

Passt die Investment-Philosophie in das Konzept? Die meisten Robo-Advisory-Lösungen konzentrieren sich auf passive ETF-Fonds. So können sie bei hochdiversifizierten, aber kleinen Portfolios für Kosteneffizienz sorgen. Durch sehr hohe Volumina wird es dabei möglich, vernünftige Margen zu erzielen.

Welchen Service-Level soll der Robo-Advisor bieten? Einige Robo-Advisors unterbreiten ihre Investment-Entscheidungen als Vorschläge. Andere platzieren Orders gleich automatisch – in Abhängigkeit von Zielen und Risikoprofil des Klienten.

Welche Individualisierungsmöglichkeiten sind erforderlich? Beim Verhältnis zwischen der Zahl der Investorenprofile und der Zahl der Risikoklassen, die eine Lösung abdeckt, gibt es große Unterschiede. Je größer die Zahl der verfügbaren Risikoklassen, desto genauer lässt sich das Investment auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden zuschneiden. Robo-Advisors, die dies leisten können, basieren allerdings üblicherweise auf Lösungen, deren Unterhalt deutlich kostenintensiver und aufwändiger ist.

Drei sinnvolle Einsatzszenarien

Aktuell zeichnen sich drei sinnvolle Modelle für eine digitalisierte Vermögensberatung ab. Der Grad an Robo-Advisory-Unterstützung ist bei diesen Szenarien unterschiedlich ausgeprägt: Es gibt die vollautomatische Beratung, ein hybrides Beratungsmodell und schließlich die persönliche Beratungsbeziehung, die durch digitale Technologie nur erweitert werden soll. Strategisch ist besonders bedeutsam, dass sie jeweils für verschiedene Zielgruppen geeignet sind.