USA vor der Rezession Ende April geht es aufwärts – oder tiefer abwärts

Menschenleerer Times Square in New York: Eine schwere Rezession in den USA dürfte die Weltwirtschaft hart treffen. | © imago images / Bildbyran

Menschenleerer Times Square in New York: Eine schwere Rezession in den USA dürfte die Weltwirtschaft hart treffen. Foto: imago images / Bildbyran

Nicht nur im Gesundheitswesen der USA herrscht Alarmstimmung, sondern auch in der Volkswirtschaft. Die Zahl der Arbeitslosenanträge stieg binnen zwei Wochen auf mehr als 10 Millionen – das entspricht einer Arbeitslosenquote von etwa 4,4 Prozent. Vor allem die Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft sank im März um 700.000. Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Beschäftigten um durchschnittlich 200.000 pro Monat.

Es gibt unzählige Vergleiche mit der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 und der Weltwirtschaftskrise von 1929. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die derzeitige Rezession das Ausmaß der damaligen Rezessionen übertrifft. Deshalb kommt es jetzt vor allem auf die Maßnahmen der US-Regierung an, um derartige Auswirkungen zu verhindern.

Corona-Krise weckt Erinnerungen an große Crashs der Finanzgeschichte

Das Besondere an dieser Rezession: Für gewöhnlich entstehen Börsen-Crash durch das Platzen einer Spekulationsblase und schlagen erst danach auf die Realwirtschaft durch. Die Corona-Krise unterliegt jedoch keinem wirtschaftlichen oder finanziellen Schock. Die US-Regierung hat beschlossen, große Teile der Wirtschaft über Nacht stillzulegen und Arbeitnehmer und Verbraucher anzuweisen, zu Hause zu bleiben. Um Ansteckungen zu verringern, war das eine notwendige Maßnahme – doch die massiven wirtschaftlichen und menschlichen Folgen werden schnell deutlich.

Der Hauptunterschied zur Großen Depression von 1929 liegt in der beispiellosen politischen Reaktion. Im Jahr 1929 gab es keine – damals trug die US-Notenbank sogar zur Verschärfung der Rezession bei. Diesmal waren die fiskal- und geldpolitischen Reaktionen unmittelbar. Die Federal Reserve (Fed) hat eine unbegrenzte quantitative Lockerung und neue Fazilitäten angekündigt, um den Kreditfluss aufrechtzuerhalten. Der Kongress verabschiedete zusätzlich ein Konjunkturpaket in Höhe von 2 Billionen US-Dollar, um den Haushalten sowie Unternehmen Bargeld zur Verfügung zu stellen – und zwar innerhalb weniger Tage und Wochen.

Der größte Unterschied zur Finanzkrise 2008 liegt in der grundlegend anderen Beschaffenheit der Wirtschaft. Die damalige Krise entstand unter anderem durch eine spekulativ aufgeblähte Immobilienblase in den USA. Nach ihrem Platzen kam es zu massiven Entlassungen – was zu einer schrumpfenden Nachfrage nach Dienstleistungen führte. Die Markterholung hing damals von zwei Faktoren ab: Zum einen von den Bilanzen der Banken und dem Kreditfluss, zum anderen von Investitionen, Beschäftigung und Produktivität.

Diesmal ist der Bankensektor in guter Verfassung – die US-Regierung sowie die Fed gehen davon aus, dass die Kreditinstitute die Wirtschaft aufrechterhalten. Allerdings sind einige Unternehmen nach einer längeren Periode von rekordtiefen Zinsen überschuldet – doch insgesamt zeigen sich die US-Unternehmen widerstandsfähig.