Trends, Branchen und Unternehmen Welche Chancen die digitale Wirtschaft für Anleger bietet

Jeremy Gleeson, Portfoliomanager der AXA Framlington Digital Economy Strategy

Jeremy Gleeson, Portfoliomanager der AXA Framlington Digital Economy Strategy

Unglaublich, aber wahr: Aktuell werden weltweit nur etwa neun Prozent der globalen Einzelhandelsumsätze online abgewickelt. Die vergleichsweise geringe Zahl lässt Spielraum nach oben: Die Wachstumsprognosen für den Onlinehandel liegen für die nächsten fünf Jahre bei 14 Prozent – pro Jahr wohlgemerkt.

Wir stehen somit erst am Anfang einer bedeutenden Entwicklung, die aber schon heute eine große Chance für Anleger darstellt. Von der digitalen Wirtschaft oder auch Digital Economy ziehen Unternehmen aus verschiedensten Sektoren einen Vorteil. Interessant sind aus unserer Sicht vor allem die Wachstumsunternehmen rund um den Globus, die einen Beitrag zur Wertschöpfungskette der digitalen Wirtschaft leisten: von der Entwicklung über die Kaufentscheidung bis zur Lieferung von Gütern und Dienstleistungen.

Das sind zum einen natürlich die Konzerne, die sich auf den Entdeckungs- und den Entscheidungsprozess sowie auf die Auslieferung im Onlinehandel, dem sogenannten E-Commerce, spezialisiert haben. Zum anderen sind es aber auch Unternehmen, die Firmen mit traditionellen Geschäftsmodellen dabei helfen, die Vorteile der digitalen Welt für sich zu nutzen, sogenannte Enabler.

Komfort für den Käufer verbessert sich

Angetrieben wird das Wachstum der Digital Economy vor allem von zwei Faktoren. Die Menschen haben die Möglichkeit, über vernetzte Endgeräte überall und jederzeit auf Produkte und Dienstleistungen zuzugreifen. Und dank des technischen Fortschritts haben die Unternehmen den Komfort für den Käufer erheblich verbessert. Die Auswahl im Internet ist riesig, der mobile Handel ermöglicht den Zugang rund um die Uhr und die Lieferungen erfolgen schneller und sicherer.

Eine gewichtige Rolle spielt daneben aber auch die demografische Entwicklung. Der demografische Treiber beruht auf der Annahme, dass die Bevölkerung unter 35 Jahren, die sogenannten Millennials, mit dem Internet aufgewachsen sind und jetzt gerade das Alter erreichen, in dem sie am meisten Geld ausgeben. Unternehmen sollten diese digitalaffinen Kunden nicht enttäuschen.

Große Palette an unterschiedlichen Unternehmen

Wer bei digitaler Wirtschaft nur an den Online-Einzelhandel denkt, übersieht die vielfältigen Möglichkeiten, die darüber hinaus mit der digitalen Wirtschaft einhergehen. So etwa neue Vertriebswege durch soziale Medien, Apps, Suchmaschinen und Internetportale. Sie alle konkurrieren um den wachsenden Internetverkehr möglicher Kunden, um damit Geld zu verdienen.

Es gibt also nicht die eine Branche, sondern viele unterschiedliche. Gerade das macht die Digital Economy so spannend. Da sind zum einen E-Commerce-Unternehmen, Internetportale und mobile Apps, durch die Verbraucher bequem und zuverlässig Produkte auswählen können.

Zum anderen würden Produkte und Dienstleistungen ohne Anbieter von Suchmaschinen, digitalen Werbeplattformen und sozialen Medien im Internet teils gar nicht erst entdeckt. Und nicht zuletzt sind gezieltes Marketing und Werbung zu wichtigen Kanälen geworden, um Kunden zu gewinnen. Von großer Bedeutung sind auch Firmen, die die Zahlungsabwicklung und die Logistik erleichtern, zumal immer mehr Verbraucher eine Lieferung noch am gleichen Tag erwarten.

Daneben bilden sich außerdem immer neue Marktsegmente. Ein Beispiel sind Geschäftsmodelle, Plattformen und Dienstleistungen, die eine gemeinschaftliche Nutzung von Gütern durch Teilen, Tauschen, Leihen oder Mieten ermöglichen, die sogenannte Sharing Economy mit bekannten Unternehmen wie Uber und AirBnb. Sie sind noch nicht börsennotiert, dürften sich aber in den nächsten Jahren zu einem Börsengang entschließen. Dadurch wächst das Anlageuniversum weiter und bietet Investoren noch mehr Möglichkeiten, ihre Investitionen zu streuen.

Mobile Abdeckung in den Schwellenländern steigt

Wir gehen fest davon aus, dass der Online-Handel weiterhin deutliche Marktanteile gegenüber dem traditionellen Offline-Geschäft gewinnen wird. In den Industrieländern liegt die Zahl der Smartphone-Nutzer bei den Millennials bereits bei 90 Prozent. Sie kaufen immer häufiger online ein.

In den Schwellenländern, speziell in den bevölkerungsreichsten Ländern Indien und China, ist dagegen noch Luft nach oben. Die mobile Abdeckung steigt, ist aber immer noch relativ niedrig im Vergleich zum globalen Durchschnitt. Steigende Einkommen, die Urbanisierung und weniger Konkurrenz durch klassische Einzelhandelsinfrastruktur werden das langfristige Wachstum unterstützen.

Das alles zeigt: Der technologische Fortschritt verändert unseren Alltag massiv. Das Thema Digital Economy ist mittlerweile so beherrschend, dass man es nicht als kurzfristigen Hype abtun kann. Diese digitale Reise hat gerade erst begonnen. Wir sind davon überzeugt, dass Investoren von dieser Entwicklung profitieren können.