Mega-Trend Digitalisierung Die Gewinner von morgen erkennen

Ein Virtual Reality-Headset im Test: Die Digitalisierung birgt viele Facetten und Chancen, die Investoren im Blick haben sollten | © Getty Images

Ein Virtual Reality-Headset im Test: Die Digitalisierung birgt viele Facetten und Chancen, die Investoren im Blick haben sollten Foto: Getty Images

Matthew Lovatt, Global Head of Business Development, AXA Framlington

Ob ein Unternehmen in den USA, in Großbritannien oder Deutschland sitzt, sollte für die Investitionsentscheidung keine allzu große Rolle spielen. Viel wichtiger für die Aktienauswahl ist, wie stark das Unternehmen von den treibenden Kräften für die Wirtschaft profitiert. Einer der wichtigsten Treiber der nächsten Jahre ist mit Sicherheit die Digitalisierung. Sie macht vor keiner Branche halt. Wer ihre Chancen richtig nutzt, steigert Effizienz, Wettbewerbskraft und Marktpotenzial. Das müssen Investoren im Hinterkopf haben.

Bislang lag der Fokus meist auf den Produkten oder den Leistungen, die ein Unternehmen verkauft. Das bleibt auch künftig wichtig. Um die Gewinner von morgen zu erkennen, muss man jedoch neben den guten Finanzen auf die Innovationskraft, die Flexibilität und eine starkes Management achten. Das Unternehmen sollte sich ändernde Bedürfnisse erkennen und in der Lage sein, schnell zu reagieren. Die Managementqualität ist heute so wichtig wie nie zuvor. Die Anforderungen steigen laufend und der Lebenszyklus von Unternehmen nimmt ab. Mitte des vergangenen Jahrhunderts lag er noch durchschnittlich bei sechzig Jahren, heute bei zwölf.

Robotik: USA und China mit Aufholpotenzial

Ein wichtiger Trend innerhalb der Digitalisierung ist die Robotik und Automatisierung. Dadurch verändert sich nicht nur die Industrie – Stichwort Industrie 4.0 –, sondern auch viele andere Arbeitsbereiche sowie das private Leben. Wie riesig das Potenzial hier ist, zeigt die Zahl der Roboter pro 10.000 Arbeiter. Im bereits stark automatisierten Südkorea sind es 478 Roboter, in Japan 314 und in Deutschland sogar auch schon 292. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt, USA und China, hängen indes mit 164 respektive 35 Robotern zurück. Allein die Aufholjagd der beiden Großen auf koreanisches Niveau eröffnet enorme Wachstumschancen.

Paradeunternehmen, die den Automatisierungstrend nutzen, sind zum Beispiel Siemens und Philips. Siemens entwickelt sich vom diversifizierten Industrieproduzenten zum Konzern für ganzheitliche Lösungen. Siemens Digital Factory ist bereits für ein Viertel des Umsatzes verantwortlich und ist der am schnellsten wachsende Bereich im Unternehmen. Philips investiert stark in Medizintechnik inklusive computergestützte Gesundheitsanalysen und Operationsroboter.

Online-Handel ist weltweit auf dem Vormarsch

Ein weiterer Trend ist die Digitalisierung des Handels. E-Commerce ist weltweit auf dem Vormarsch. In den aufstrebenden Ländern stärkt die wachsende Mittelschicht den Konsum, und die jungen Leute sind sehr internetaffin. In China beispielsweise wächst der Online-Handel rasant. 2016 lag der Marktanteil bei 17 Prozent. Schätzungen zufolge sollen 2021 bereits ein Viertel der Waren übers Internet verkauft werden. Im ebenfalls bevölkerungsstarken Indien hat der Online-Verkauf mit 4 Prozent noch einen relativ geringen Anteil, soll aber bis 2021 auf 11 Prozent steigen. Auch in der westlichen Welt wird zunehmend per Klick geshoppt. In Großbritannien soll der Marktanteil von 15 auf 20 Prozent zulegen, in den USA von 10 auf 17 Prozent.

Im Online-Handel dominieren zwei Unternehmen: Amazon in den USA und Europa sowie Alibaba in Asien. Dies eröffnet viel Raum für neue Anbieter, auch für solche, die mit den beiden Großen zusammenarbeiten, wie Vakrangee aus Indien. Das Unternehmen will die Lücke zwischen der ländlichen Bevölkerung und dem modernen Ökosystem der Städte schließen. Ein Schritt dahin ist die Kooperation mit Amazon India, um E-Commerce auch in bislang wenig erschlossene Gebiete Indiens zu bringen.

Diese Wachstumsperspektiven sind kein Insider-Wissen, sondern auch bei Aktieninvestoren bekannt. Wir halten Unternehmen wie Amazon oder auch andere große Technologiekonzerne wie Alphabet (Google), Facebook oder Apple aber für noch nicht zu teuer. Eine Studie von Goldman Sachs zeigt, dass die Angst vor einer IT-Blase wie vor der Jahrtausendwende unbegründet ist. Im Gegensatz zu damals sind die heutigen Tech-Ikonen hochrentabel, sie verfügen über enorme Cash-Reserven und ihre Erträge sind gut absehbar.