Overlay-Konzepte, Teil 1 Die Vielfalt der Absicherungsstrategien ist groß

Von niedrig bis hoch: Jeder institutionelle Anleger entscheidet selbst, wie sehr er sich gegen Risiken absichern möchte.  | © 7Orca

Von niedrig bis hoch: Jeder institutionelle Anleger entscheidet selbst, wie sehr er sich gegen Risiken absichern möchte. Foto: 7Orca

Mit schöner Regelmäßigkeit kombiniert die Finanzbranche Begriffe miteinander, die scheinbar gar nicht zusammenpassen. „Gewinnwarnung“ ist so ein Wort. Warum sollte man vor Gewinnen warnen, möchte man da fragen. In Unterlagen der Vontobel-Tochter Vescore taucht ein weiterer scheinbarer Widerspruch auf: „Gefahr einer Vollsicherung“, heißt es an einer Stelle.

Warum sollte es gefährlich sein, wenn man etwas sichert? Und doch liegen die Vescore-Leute goldrichtig, wenn sie das so schreiben. Denn an den Kapitalmärkten ist es nicht nur gefährlich, in Krisen mit abzustürzen. Es ist auch nicht schön, die stets darauf folgende Erholung nicht mitzunehmen, wenn man in oder vor der Krise ausgestiegen ist.

Insofern ist es verständlich, dass einige mögliche Neukunden im Jahr 2009 erst einmal abwarteten, was Thomas Stephan und sein Team taten. Die Aktienmärkte waren gerade in einem Jahrhundert-Crash abgestürzt, Lehman Brothers war pleite. Der Handel mit Unternehmensanleihen lag trocken. Stephan ist bei Risklab, einer Tochter von Allianz Global Investors, für spezielle Risikomanagements zuständig. 2008 hatte er damit vielen seiner Kunden rechtzeitig die Aktienpositionen so weit abgesichert, dass sie gut dastanden.

Anfang 2009 baute er wieder Aktienpositionen auf. Das war nicht hundertprozentig präzises Timing, denn bis März ging es noch bergab. Aber es war besser als bei vielen anderen Anlegern, die an der Seitenlinie stehenblieben und so die Trendumkehr gänzlich verpassten. „Wir haben damals gezeigt, dass wir mit dem quantitativen Ansatz in der Lage sind, wieder systematisch in die Märkte einzusteigen“, erinnert sich Stephan heute. „Danach hob das Geschäft richtig ab.“ 2008 war das Team noch für 4 Milliarden Euro verantwortlich, heute sind es über 40 Milliarden Euro in sogenannten Risiko-Overlay-Mandaten. Nicht zuletzt, weil es die Gefahr der Vollsicherung gebannt hatte.

Overlay-Management erfreut sich derzeit steigender Beliebtheit. Ein wichtiger Treiber dafür ist die Geldpolitik der Zentralbank. „Anleger gehen verstärkt in Aktien, weil das Zinsniveau so stark gesunken ist. Damit ihre Risiken aber nicht ausufern, brauchen sie Overlays“, meint Tindaro Siragusano, Chef des Hamburger Spezialisten 7orca, bei dem das O in Orca für Overlay steht. Overlays können ein Vermögen sichern, abrunden und zurechtrücken. Oder wie Siragusano es ausdrückt: „Overlays schaffen Strukturen.“