Nach eigenen Regeln So tickt der Markt unabhängiger Vermögensverwalter hierzulande

Ein Mitarbeiter der Schweizer Uhrmacher-Marke Vacheron Constantin baut ein Modell zusammen: Präzise und maßgeschneiderte Kundenberatung ist auch ein Vorteil unabhängiger Vermögensverwalter, deren Markt ganz eigenen Gesetzen unterliegt. | © Getty Images

Ein Mitarbeiter der Schweizer Uhrmacher-Marke Vacheron Constantin baut ein Modell zusammen: Präzise und maßgeschneiderte Kundenberatung ist auch ein Vorteil unabhängiger Vermögensverwalter, deren Markt ganz eigenen Gesetzen unterliegt. Foto: Getty Images

Solche Aussagen hat Michael Brücher aus der Vermögensverwalterbranche früher nie gehört: „Wer von meinen Kunden nicht zufrieden ist, soll gehen“, zitiert der Vorstand des Düsseldorfer Vermögensverwalters GSAM + Spee einen Kollegen. Brücher kennt sich aus im Vertrieb an Privatkunden. „Aber dass Vermögensverwalter aktiv Kunden an den Markt zurückgeben, ist eine neue Erfahrung.“ Andere Kollegen, berichtet Brücher weiter, lehnen diejenigen Neukunden ab, die schlichtweg unrealistische Renditen erwarten. Diese Vermögensverwalter möchten weiter seriös arbeiten und sagen: „Lieber Kunde, das kann ich dir nicht bieten. Such dir bitte einen anderen Anbieter!“

Die Beispiele zeigen: Das für viele Märkte charakteristische Prinzip „Wachse oder weiche“ gilt für die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter nur bedingt. Trotzdem prophezeien Beobachter ihr ständig ein baldiges Gesundschrumpfen. Vor allem seit Inkrafttreten der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II Anfang 2018 häufen sich die Stimmen. Zu sehen ist von der vielfach kolportierten Konsolidierung der Vermögensverwalter bislang wenig.

Ein Massensterben werde es nicht geben, sagt Andreas Grünewald, Vorsitzender des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter Deutschlands (VuV). „Der größte Teil der Konsolidierung liegt bereits hinter uns.“ Rund 2.000 Anbieter gab es um die Jahrtausendwende. Heute schätzt Grünewald die Zahl der unabhängigen Vermögensverwalter auf etwa 400, wovon rund 300 Mitglieder im VuV sind. Insgesamt gibt es laut Verbandschef pro Jahr 10 bis 15 Veränderungen. Die Zahl der Vermögensverwalter bleibe jedoch in etwa gleich, da sich Geschäftsaufgaben und Neugründungen annähernd die Waage hielten.

Die Beratungsgesellschaft Pro Boutiquenfonds (PBF) liefert den Beleg dazu. Die Experten um Geschäftsführer Michael Gillessen untersuchten die Entwicklung der Lizenzanträge und -aufgaben für Finanzportfolioverwaltung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Demnach sank die Zahl der unabhängigen Vermögensverwalter am Markt seit 2014 netto um zehn Unternehmen.

Branchenexperte Gillessen beobachtet im Gegenzug einen Ansturm auf die eigenständigen Geldverwalter: „Einige Vermögensverwalter berichten, dass sie zwei bis drei Neukunden pro Woche anbinden.“ Vermögensverwalter wachsen in der Breite, meint Gillessen. Die meisten seiner Klienten gar zweistellig pro Jahr. Und dann gebe es eben auch Anbieter, die zufrieden seien mit dem Kundenvermögen, das sie verwalten. „Sie holen nur die Gelder wieder rein, die ihnen durch natürliche Fluktuation wegbrechen“, so Gillessen. „Kleinere Vermögensverwalter können frei entscheiden, nicht wachsen zu wollen.“ Das funktioniert, weil der Markt der unabhängigen Vermögensverwalter im Vergleich zu anderen Branchen speziellen Gesetzmäßigkeiten unterliegt.