Vermögensverwaltung im Wandel Wie Kunden den Umbruch der Finanzbranche vorantreiben

Viola Steinhoff Werner ist Leiterin der neuen Abteilung Next Generation and Families der Credit Suisse | © Credit Suisse

Viola Steinhoff Werner ist Leiterin der neuen Abteilung Next Generation and Families der Credit Suisse Foto: Credit Suisse

Die Digitalisierung und die Konkurrenz durch Fintech-Unternehmen haben entscheidend zum Wandel beigetragen, der die Vermögensverwaltungsbranche schon seit einiger Zeit erfasst hat. Allerdings haben diese Faktoren dort nicht für die tiefgreifenden Veränderungen gesorgt, die sich in anderen Sektoren beobachten lassen. Möglicherweise steht jedoch ein Umbruch in der Vermögensverwaltung kurz bevor, da den erheblich veränderten Ansprüchen und Werten der künftigen Kundschaft, der sogenannten nächsten Generation, möglichst bald nicht nur Beachtung geschenkt, sondern auch Rechnung getragen werden muss.

Unter der nächsten Generation ist in diesem speziellen Fall die erbende Generation zu verstehen, die die Leitung eines Unternehmens übernehmen wird, das von den Eltern, Großeltern oder älteren Familienmitgliedern gegründet wurde, oder diejenigen, die in Kürze wenigstens einen Teil des von früheren Generationen geschaffenen Vermögens erben werden. Es sind diese potenziellen Vermögensverwaltungskunden der Zukunft, die über das Schicksal des Vermögensverwalters entscheiden, indem sie sich entschließen, ihrem Finanzinstitut treu zu bleiben – oder zu einem anderen Anbieter zu wechseln.

Vermögensverwaltern, die sich regelmäßig mit einem Generationswechsel befassen müssen, ist dieses Problem durchaus bekannt. Neu ist jedoch nicht nur das schiere Volumen des Vermögens, das übertragen wird – so werden in den kommenden Jahrzehnten 40 Billionen US-Dollar auf die nächste Generation übergehen – sondern auch die grundlegend veränderte Erwartung der Kunden an die Banken. Um zu verhindern, dass die nächste Generation einen Wechsel des Vermögensverwalters erwägt, müssen ihre gewandelten Ansprüche und Werte berücksichtigt werden.

Die Generation umfasst die Altersspanne von 20 bis 49 Jahren. Viele ihrer Vertreter haben die Finanzkrise miterlebt und streben nun Finanzbeziehungen auf der Basis vollen Vertrauens an. Sie stehen davor, die Verantwortung für das Erbe ihrer Familien zu übernehmen, haben jedoch eine grundlegend andere Einstellung zu Vermögen als ihre Eltern. Sie trennen nicht ohne Weiteres Privates und Berufliches. Sie erwarten von einem Vermögensverwalter mehr als nur eine finanzielle Beratung – die nächste Generation verlangt nach einer lebenslangen Partnerschaft, die eine breite Vernetzung ermöglicht. Vermögensverwalter sollten daher aufmerksam zuhören und die entsprechenden Veränderungen umsetzen, um nicht Gefahr zu laufen, ihre Kunden zu verlieren.

In einer diesjährigen Umfrage der Credit Suisse unter rund 200 Angehörigen der nächsten Generation (allesamt Mitglieder der Young Investors Organization, kurz YIO – einem von der Credit Suisse gesponserten Netzwerk aus Unternehmerfamilien aus aller Welt) gaben 41 Prozent an, dass sie einen persönlichen Berater suchen, der sie beim Ermitteln und Erfüllen ihrer nicht-finanziellen Bedürfnisse unterstützt. Höchste Priorität hat für die nächste Generation, dass ein Vermögensverwalter eine „enge Beziehung“ zu seinen Kunden unterhält, wobei nur 4 Prozent angaben, dass er digitale Kompetenz aufweisen sollte.

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 Quelle: Credit Suisse – Creating a world with the Next Generation